ln-online/lokales vom 21.07.2009 06:45
„Mein Amt kann er mir nehmen, die Leistung nicht“
Die Entlassung traf sie gestern offenbar am härtesten: Ute Erdsiek-Rave (62), dienstälteste Ministerin (seit 1998) – sogar bundesweit –, außerdem stellvertretende Kieler Ministerpräsidentin. Erdsiek-Rave hat in der Großen Koalition den vielleicht schwersten Job gemacht.Die Positionen von CDU und SPD in der Bildungspolitik standen sich im letzten Wahlkampf noch unvereinbar gegenüber. Die aus Dithmarschen stammende Lehrerin schaffte mit der Schulreform im Norden schließlich eines der wenigen Reformvorhaben.
Gestern Abend ging sie zuerst mit der Nachricht an die Medien, die SPD-Minister hätten ihre Entlassungsurkunden erhalten. Den Umgang mit ihr nannte sie „würde- und respektlos“, „als hätten wir silberne Löffel geklaut“.
Sichtlich bewegt hatte Erdsiek-Rave bereits am Mittag eine persönliche Erklärung im Landtag abgegeben: „Ich habe in den zurückliegenden vier Jahren eine Regierungsarbeit mitgestalten dürfen, die von notwendigen harten Konflikten, aber zugleich von dem Bemühen um gemeinsame Lösungen und Konsens bestimmt war. Ich habe die gefundenen Kompromisse nach außen vertreten und dabei Widerstände aus Teilen der Koalition aber ebenso auch Rückendeckung erfahren. Ich will und werde nicht akzeptieren, dass die heutige Abstimmung ein Scheitern der Großen Koalition in ihrer Regierungsarbeit ist.“ Politik lebe von unterschiedlichen Grundauffassungen und Überzeugungen. „Unversöhnlichkeit und Feindschaft darf daraus nicht werden.“ Am Abend sagte sie verbittert über Carstensen: „Mein Amt kann er mir nehmen, meine Leistung nicht.“ctö
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