Doch bevor der Professor für Romanische Philologie, Literatur- und Kulturwissenschaften an der Universität Hannover die Liebeslyrik Niccolò Machiavellis vorstellte und mit wissenschaftlicher Leidenschaft Vorurteilen, falschen Deutungen und Stigmatisierungen entgegentrat, machte am Donnerstagabend ein anderer Name und eine brandaktuelle Nachricht die Runde: Herta Müller, Ende Juli gefeierter literarischer Gast beim Sommerfest des Vereins Literatur im Weissen Haus in Cismar, hat den Nobelpreis für Literatur gewonnen. Offenbar hat der Literaturverein ein glückliches Händchen für Preisträger. Denn auf Herta Müller folgte vor vierzehn Tagen Heinrich Detering, der gerade den mit 2,5 Millionen Euro dotierten Leibniz-Preis erhalten hatte. Wenn das so weiter geht, dann wäre Prof. Dr. Dirk Hoeges der Dritte. „Wir freuen uns schon mal mit Ihnen“, schmunzelte Rainer Binkowski in Hinblick auf das, was zu vorhandenem noch hinzu kommen könnte. Denn ohne Preise ist der Romanist „mit einer äußerst umfassenden und breiten Bildung“ längst nicht. Schon seine Dissertation über den französischen Historiker und Politiker Francois Guizot wurde mit dem Prix Strassbourg der Toepfer Stiftung ausgezeichnet, die auch den Abend in Cismar ermöglichte.
Machiavelli hat schon den Abiturienten Hoeges fasziniert. Den Romanisten, Historiker und Literaturwissenschaftler nimmt diese Figur seit zehn Jahren gefangen. Nicht nur, dass Dirk Hoeges das gesamte poetische Werk Machiavellis (Niccolò Machiavelli. Dichter – Poeta) und, noch unveröffentlicht, „Il Principe“ übersetzt hat. Er kämpft auch gegen das Missverständnis, dem der italienische Politiker, Diplomat, Philosoph, Geschichtsschreiber und Dichter zeit seines Lebens ausgesetzt war und das, so Hoeges, aus seiner Reduzierung auf den Politiker und Autor des „Principe“ resultiert. Erforderlich aber – und Dirk Hoeges lieferte in Cismar den Beweis – „ist der Blick auf sein Gesamtwerk und die Einsicht in den untrennbaren Zusammenhang aller seiner Teile zum Verständnis jedes einzelnen“.
Die Liebeslyrik, eine Facette der Lyrik Machiavellis, spannt einen weiten Bogen. Er reicht von zarter Melancholie bis zu „krachlederner Erotik“, ist mal komisch, mal tragisch, aber immer von sprachlicher Schönheit. Dank Hoeges auch auf Deutsch.
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