Lübecker Nachrichten: Sollten Eltern auch ihre Kleinkinder gegen die Schweinegrippe impfen lassen?
Dr. Esther M. Nitsche: Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte empfiehlt eine Impfung bereits ab dem sechsten Lebensmonat, das Robert-Koch-Institut in Berlin schließt sich dieser Empfehlung an. Ich persönlich bin in dieser Frage eher zurückhaltend. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass der bei uns verwendete Impfstoff in der Schweiz erst ab dem 18. Geburtstag und nur bis zum 60. Lebensjahr zugelassen ist, auch Schwangeren nicht geimpft wird.
LN: Wird die Gefahr durch eine Infektion mit der Schweinegrippe hochgespielt?
Nitsche: Aktuell haben wir bei der Schweinegrippe eine im Vergleich zur Influenza A (Anm. der Red.: die „normale“ Grippe) deutlich geringere Sterberate – wenn Sie mit dem Auto nach Hamburg fahren, sind Sie mehr gefährdet. Eine eventuelle Mutation des Virus mit unter Umständen starkem Anstieg der Mortalität ist zwar möglich, muss jedoch nicht zwingend eintreten.
LN: An Schulen breitet sich die Schweinegrippe derzeit aber rasend aus. Was empfehlen Sie Schulleitern, Lehrern und Kindern?
Nitsche: So scheinbar absurd es klingt: Ich wünsche ihnen, dass sie sich möglichst jetzt anstecken, solange es sich bei der Schweinegrippe um eine harmlose Form handelt. Dann sind sie nämlich immun. Wir haben derzeit in Lübeck ohne Frage eine Epidemie. Aber ich sehe aktuell nicht, dass eine große medizinische Gefährdung davon ausgeht.
LN: Also gibt es keinen Anlass, Schulen und Kindergärten vorsorglich zu schließen?
Nitsche: Nein, sie sollten nicht geschlossen werden. Vielmehr sollten entsprechende Hygienemaßnahmen penibel beachtet werden.
LN: Welche zum Beispiel?
Nitsche: Es sollten Einmal-Handtücher zur Verfügung gestellt werden, die Kinder sollten sich häufig die Hände waschen – eigentlich Regeln, die immer gelten. Die Originalform der Schweinegrippe aus dem Tierreich (wie auch die Vogelgrippe) ist nämlich mehr Schmier- als Tröpfchen-Infektion.
LN: Welche Vorsichtsmaßnahmen haben Sie in Ihrer Praxis getroffen?
Nitsche: Ich habe fast kein Spielzeug mehr, das von den Kleinen angesabbert und weitergereicht wird. Es sind keine Kinderbücher mehr da, der Verzehr von Speisen in den Praxisräumen ist untersagt, der Hygieneplan (u. a. Desinfektion von Untersuchungsliegen und Wickeltischen) wird minutiös eingehalten.Interview: Curd Tönnemann
Anita Kreiten schrieb am 10.11.2009 12:18:
Schön guten Tag,
Meine Kinder sind Pat. von Fr. Dr. Nitsche und wir vertrauen auf ihr Urteil was die Schweinegrippe angeht.So hat uns Fr. Dr. Nitsche geraten uns gegen die normale Grippe u. Lungenentzündung impfen zu lassen,was wir auch tun werden.Fr. Dr. Nitsche ist eine sehr kompetente Ärztin und wir fühlen uns gut aufgehoben in Ihrer Praxis und haben vollstes Vertrauen.
Horst Wandersleben schrieb am 10.11.2009 13:26:
Endlich mal jemand, der den vergleich zur saisonalen virusgrippe zieht. Jährlich sterben tausende an dieser "echten" grippe bzw. an bakteriellen infektionen, die der schwächung durch das virus folgen. Das ist das normale risiko, das sich jedes jahr wiederholt. Gegen dieses risiko hilft hygiene.
Es ist bei der "neuen" grippe der pharmaindustrie leider gelungen, eine angstkampagne zu starten.
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