ln-online/lokales vom 13.11.2009 10:09
Sido im Interview: „Schöne Grüße nach Lübeck“
Sido: Jetzt neu ohne Silbermaske. Foto: LANGE
Das Album
Zur Person
Sido: Lüüüübeck... Kenn’ ich!
Lübecker Nachrichten: Genau! Sie haben einige Jahre in Lübeck gelebt, oder?
Sido: Jawohl, ab der dritten Klasse, als ich so neun, zehn Jahre alt war. Ich habe Familie in Lübeck, bei der meine Geschwister, meine Mutter und ich einige Zeit gelebt haben. Ich stamme ursprünglich aus dem Osten. Als wir nach der Wende rüberkamen, fanden wir in Berlin erst nicht so recht Anschluss. Da haben unsere Verwandten gesagt, dass sie uns helfen wollen und dass wir nach Lübeck kommen sollen.
LN: Das heißt, Sie kennen die Stadt gut?
Sido: Ich mag die Altstadt, wo wir damals auch gelebt haben. Mein Onkel hat auf einem Ausflugsschiff gearbeitet. Mit dem zusammen haben wir immer die Touristen rumgefahren. Ich bin auch in Lübeck zur Schule gegangen – auf die Koggenweg-Grundschule. Schöne Grüße übrigens. Vielleicht bereuen die anderen dort jetzt ja, dass sie mich damals immer geärgert haben.
LN: Haben sie?
Sido: Schon vergessen... Egal, Themenwechsel!
LN: Seit ein paar Tagen ist Ihr neues Album auf dem Markt...
Sido: ...mit dem ich auf Platz 5 der Charts eingestiegen bin. Voll geil, Alter – mit Bon Jovi, Xavier Naidoo, Rammstein und Michael Jackson.
LN: Haben Sie damit gerechnet?
Sido: Soll ich ganz ehrlich sein? Hab ich! Weil ich mittlerweile diesen Status habe. Der eine oder andere geht gezielt meine Platte kaufen. Nichtsdestotrotz ist es ein schönes Album geworden.
LN: Waren die anderen das nicht?
Sido: Doch, sicher! Aber die kann ich mittlerweile nicht mehr hören. Und die Fans werden sich auch freuen, endlich wieder neues Material von mir zu hören.
LN: Beeindruckend ist der Prolog der CD, der Dialog mit Ihrer Totenkopfmaske, die Sie nicht mehr aufsetzen. Bleibt es dabei?
Sido: Das wird sich zeigen. Momentan wüsste ich auch gar nicht, wie ich an sie rankommen sollte. Ich habe nämlich – ernsthaft jetzt – die Schlüssel verloren.
LN: Viele Kritiker sagen, es sei Ihr authentischstes Album.
Sido: Nö!
LN: Wie – nö?
Sido: Ich bin immer sehr authentisch. Wer auch immer sowas sagt, hat entweder keine Ahnung, oder ist ein Arschloch!
LN: Apropos, Sie gehen mit der Casting-Show „Popstars“, in der Sie neben Detlef D! Soost in der Jury saßen, in einem Track ganz schön hart ins Gericht.
Sido: Oh ja, der übermächtige Papa D!. Ich bin mit einer ganz anderen Intention in die Show gegangen. Ich wollte eine gute Band finden, doch ich wurde schnell eines Besseren belehrt. Musik ist der kleinste Faktor dieser Sendung.
LN: Was spielt die große Rolle?
Sido: Gefühle, Tränen, Trauer – in erster Linie geht es um Schicksale, und die müssen so traumatisch wie möglich sein.
LN: Warum sind Sie nicht ausgestiegen?
Sido: Mir wurde immer wieder bescheinigt, dass die Leute, die ich in der Band haben wollte, auch in die Band kommen würden. Wenn ich mich beschwert habe, wurde beschwichtigt.
LN: Haben Sie noch Kontakt zur Casting-Band Queensberry?
Sido: Ja, vor allem zu Gabby. Sie ist zwar verrückt, für mich aber etwas Einzigartiges. Sie ist die einzige in der Band, die richtig Stimme hat. Darum wäre ich auch fast aus der Show ausgestiegen, als man sie rausschmeißen wollte. Aber ich habe mich durchgesetzt!
LN: Welcher Titel auf dem neuen Album ist Ihnen am wichtigsten?
Sido: Wichtig sind sie mir alle, aber mein Lieblingsstück ist „Sie bleibt“.
LN: Warum?
Sido: Ach, ich mag diesen Rhythmus. Ich steh’ auf dieses Rock’n’ Roll-Ding. Ich bin sehr beeinflusst von diesem Stil. Deswegen mag ich auch „Sie bleibt“ so gern. Das macht Spaß!
LN: Sie haben das Album in Los Angeles in demselben Studio wie die Black Eyed Peas oder Lady Gaga eingespielt.
Sido: Zum größten Teil, ja. Und es war schööön. Aber unterm Strich ist es mir nicht gut bekommen. Ich bin ein wenig abgehoben. Zu der Zeit sind zwei, drei Titel entstanden, die ich keinem vorspielen darf, weil ich da ganz schön arschlochig bin...
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