Antje Penack greift in der Werkstatt zum Lappen und reinigt ein Kinderfahrrad, bis jedes Staubkorn entfernt ist. Das kleine Zweirad sieht nun wieder richtig gut aus. Das Kind, dass es bekommt, kann sich freuen. „Mir gefällt es hier“, sagt die 23-jährige Dassowerin, während sie das Rad noch mal begutachtet. Auch dem Grevesmühlener Torsten Wietz (35) macht die Tätigkeit in der Werkstatt Spaß. Zusammen mit 18 anderen Mitarbeitern im Rahmen von Arbeitsgelegenheiten mit Mehraufwandsentschädigung, so genannten Ein-Euro-Jobbern, die unter anderem in der Kreisstadt, in Dassow, Schönberg, Lüdersdorf und Herrnburg wohnen, sind die beiden in der Toys Company Grevesmühlen im Einsatz.
Sie eröffnete Mitte Oktober in einer Halle im Grünen Weg 6 (gegenüber von Baltic Metall) und ist nach den Companys in Neubrandenburg, Pasewalk, Rostock und Bergen das fünfte derartige Non-Profit-Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern. Träger des sozialen Projektes ist die DEKRA Akademie GmbH, die es im Auftrag der ARGE Nordwestmecklenburg durchführt.
Die Mitarbeiter der Toys Company – vorrangig junge Arbeitslose bis 25 Jahre – sammeln, reparieren und sortieren gebrauchtes Spielzeug und stellen es für Mädchen und Jungen aus sozial schwächeren Familien sowie für Einrichtungen bereit, die sich ebenfalls die Hilfe für Kinder auf die Fahnen geschrieben haben. Ohne die Unterstützung der Grevesmühlener und Einwohner aus anderen Orten ist das Projekt allerdings nur sehr schwer zu realisieren. Deshalb sind die jungen Leute oft unterwegs und verteilen Flyer, um auf die Company aufmerksam zu machen. Zudem wurden in der Kreisstadt bereits bunte Sammelboxen aufgestellt, in die die Bürger ihr nicht mehr benötigtes Spielzeug legen können. Diese stehen in den meisten Kindertagesstätten, den Grundschulen, im Ärztehaus in der Klützer Straße und bei der ARGE in der August-Bebel-Straße. Projektleiter Steffen Fromm würde sich auch über Firmen freuen, die die Boxen aufstellen – gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit. „Sie können sich gern bei uns melden“, so der 31-Jährige, dem Werkstatt-Anleiter Dieter Hundt (54) zur Seite steht.
In Ausnahmefällen wird das Spielzeug von zu Hause abgeholt. Dazu geben die Mitarbeiterinnen unter der Telefonnummer 038 81/75 80 45 Auskunft. Wer möchte, kann die Sachen direkt zur Toys Company bringen. Die Tür steht montags bis freitags von 8 bis 17 Uhr offen. In dieser Zeit sind auch die sozial schwächeren Familien willkommen, die sich für ihre Kinder Spielzeug aussuchen möchten. „Sie müssen aber nachweisen, dass sie bedürftig sind“, stellt Heike Drews, Ausbildungsstellenleiterin der DEKRA in Schwerin, fest.
Sie macht deutlich, dass die Teilnehmer des vorerst auf zwölf Monate angelegten Projektes zum Teil erstmals mit dem täglichen Arbeitsleben in Berührung kommen. Denn einige haben noch keine Ausbildung begonnen oder mussten diese aus persönlichen Gründen abbrechen. „Sie sollen Arbeitstugenden und soziale Kompetenzen erlernen.“ Damit sie den Sprung ins Berufsleben schaffen, werden sie auch geschult und starten Bewerbungsaktivitäten.
Die Grevesmühlener Toys Company ist mittlerweile eine von über 60 in Deutschland. Das Projekt wurde im Jahr 2006 von der DEKRA Akademie GmbH in Zusammenarbeit mit der Norderstedter ARGE ins Leben gerufen.
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