ln-online/lokales vom 01.12.2009 00:00
Polizei entdeckt Waffenlager in Lübeck
Messer, Dolche, Schusswaffen und explosive Gegenstände: In der Wohnung eines 42-jährigen Lübeckers wurden jede Menge Waffen gefunden, die nicht ordnungsgemäß verwahrt wurden. Foto: POLIZEI LÜBECK
Über zehn Straftaten in nur drei Jahren: Der junge Lübecker aus St. Lorenz Nord ist sehr häufig polizeilich in Erscheinung getreten. Bereits im Jahre 2006 wurde der heute 16-Jährige von der Polizei als auffällig eingestuft. Seither hat er – teilweise gefährliche – Körperverletzungen oder Raubüberfälle begangen und andere Menschen bedroht, stets bewaffnet. Der Jugendliche verstieß nicht nur gegen das Waffengesetz, sondern machte sich zudem durch die Verwendung nationalsozialistischer Merkmale strafbar.
In der Wohnung seines Vaters in der Ziegelstraße entdeckte die Polizei nun die vermeintliche Quelle für die Waffen des Jugendlichen: Es wurden diverse Hieb-, Stich-, Schuss- und Softairwaffen (spezielle Druckluftwaffen) samt Munition sichergestellt sowie pyrotechnische Gegenstände. „Die meisten Waffen wurden nicht an einem sicheren Ort aufbewahrt“, so der Lübecker Polizeisprecher Jan-Hendrik Wulff, „so dass der jugendliche Intensivtäter jederzeit Zugriff darauf hatte.“
Zuletzt rückte der 16-Jährige in Pahlen (Kreis Dithmarschen) in den Fokus der Polizei. Vor wenigen Wochen hatte er in einem dortigen Jugendheim seinen Erzieher mit einem Messer bedroht. Nach diesem Zwischenfall wurde er der Einrichtung verwiesen und kam erneut bei seinem erziehungsberechtigten Vater in Lübeck unter, wo er noch immer gemeldet ist. Schon mehrfach wurde der Junge kurzzeitig in Jugendheimen untergebracht – es funktionierte nie. Immer wieder eckte er an und wurde rausgeworfen, immer wieder kehrte er in die Hansestadt und sein altes Leben zurück. Vor kurzem erhielten Beamte der Ermittlungsgruppe Jugend der Lübecker Kriminalpolizei einen Tipp, dass die Waffen des Jugendlichen aus der kleinen Wohnung in der Ziegelstraße stammen sollen, in der er zusammen mit seinem Vater lebt. Bei der Durchsuchung wurden unter anderem Messer mit einer Klingenlänge von über zwölf Zentimetern gefunden. Auch ein Wurfmesser entdeckten die Polizeibeamten.
Ermittelt werde nun sowohl gegen den Jungen als auch gegen seinen Vater, erklärt Jan-Hendrik Wulff. „Der Jugendliche darf derlei Waffen nicht mit sich führen“, so der Polizeisprecher weiter, „und sein Vater hätte sie an einem sicheren Ort aufbewahren müssen, an dem sein Sohn keinen Zugang zu ihnen hat.“ Ein Großteil sei jedoch offen aufbewahrt worden. Hinzu komme, dass auch der Vater des Jungen nicht im Besitz der erforderlichen Erlaubnis nach dem Waffen- beziehungsweise Sprengstoffgesetz sei.
Der 42-Jährige sei bei der Wohnungsdurchsuchung zwar zugegen gewesen, habe sich zu den Funden bisher jedoch nicht geäußert. Er soll in den nächsten Tagen verhört werden. Derzeit befinden sich weder der 42-Jährige noch sein Sohn in Polizeigewahrsam.
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