ln-online/lokales vom 02.12.2009 00:00
Tod auf Klassenreise: Prozess wird langwierig
Ein Foto in der Mortzfeld-Schule zeigt den an einer Methanolvergiftung verstorbenen Schüler Rafael. Foto: Maxwitat
Acht Monate nach dem Tod von drei Lübecker Berufsschülern durch giftigen Alkohol in der Türkei hat ein Staatsanwalt Anklage gegen 13 Verdächtige erhoben. Der Prozess gegen die mutmaßlichen Alkoholpanscher sowie Zwischenhändler und Mitarbeiter des Urlauberhotels solle am 26. Januar in Antalya beginnen, sagte der Lübecker Rechtsanwalt Frank-Eckhard Brand.
Frank H., dessen Tochter Vanessa die Vergiftung überlebt hat, ist erleichtert. „Ich habe immer daran geglaubt und dafür gekämpft, dass es zum Prozess kommt“, so der 52-Jährige, der zumindest zum Prozessauftakt nach Antalya fliegen möchte. Wie es dann weitergehe, müsse man sehen. „Schließlich kann der Prozess sich auch über viele Monate hinziehen“, glaubt H. Rechtsanwalt Brand, der die Interessen der überlebenden Schüler und die Eltern der drei Getöteten in Deutschland vertritt, ist ebenfalls froh über die Anklageerhebung: „Es wird ein öffentliches Signal gesetzt – alle Tatbeteiligten vom Lieferanten, Zwischenhändler bis zu Hotelmitarbeitern müssen sich verantworten.“ Die Schüler hatten Ende März in einem Hotel in Kemer giftigen Methylalkohol in der Annahme getrunken, es sei Wodka. Die Anklage laute auf versuchten Totschlag, sagte Brand unter Berufung auf eine türkische Verbindungsanwältin. Für den Prozess vor dem Gericht in Antalya sei der gleiche Senat zuständig, der auch den Fall des damals 17-jährigen Marco aus Uelzen wegen der angeblichen Vergewaltigung einer 13 Jahre alten Britin verhandelt hat. Brand: „Dieses Verfahren hat auch sehr viel Zeit in Anspruch genommen. Wir müssen davon ausgehen, dass auch dieser Prozess lange dauern wird.“
Die Staatsanwaltschaft Antalya erklärte gestern auf Anfrage, sie wolle sich zu dem Fall nicht öffentlich äußern. Türkische Medien berichteten, der Staatsanwalt fordere für die Alkoholpanscher Haftstrafen zwischen fünf und 20 Jahren. Sieben der Angeklagten sollen zudem derzeit noch in Untersuchungshaft sitzen.
Laut Brand sind seine Mandanten froh und erleichtert, dass die Sache jetzt in einem rechtsstaatlichen Verfahren geklärt werde. Allerdings sind sie auch weiterhin auf Spenden angewiesen, um die Anwaltskosten für die türkischen Juristin finanzieren zu können. Die Kosten für diesen Prozess könnten am Ende bei mehreren 10 000 Euro liegen. „Wir benötigen weiter Spenden, denn die betroffenen Eltern werden diese Summe nicht zahlen können“, so der Rechtsanwalt. Brand selbst werde vermutlich an einigen Prozesstagen nach Antalya fliegen. Zudem werde er den vier Überlebenden, die in Deutschland ihre Aussage zu Protokoll geben werden, als rechtlicher Beistand zur Seite stehen. Die Schüler, die in dem südtürkischen Badeort auf Klassenfahrt waren, hatten nach eigenen Angaben in ihrem Hotel Schnaps für eine private Party gekauft. Ein 21-Jähriger starb noch im Hotel an einer Methanolvergiftung, ein 17-Jähriger und ein 19-Jähriger fielen ins Koma und starben zehn Tage später in der Lübecker Uniklinik. Vier weitere Schüler erlitten leichtere Vergiftungen und überlebten.
Die Lübecker Staatsanwaltschaft hatte den Fall bereits im Sommer an die türkischen Behörden abgegeben. Die Ermittlungen gegen den Lehrer, der die Schüler auf der Reise begleitet hatte, wurden im Juli eingestellt. Es habe keine Hinweise auf unterlassene Hilfeleistung oder fahrlässige Tötung durch Unterlassen gegeben, hieß es zur Begründung. sep/dpa
In den letzten 7 Tagen schon 5 mal gelesen - zuletzt am 15.03.2010 um 11:55.
Nadine Insten schrieb am 03.12.2009 10:18:
Ich hoffe das die Menschen die für den Tod der Schüler verantwortlich sind , ihre gerechte Strafe bekommen werden .
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