Hoisdorf – Tränen fließen über das Gesicht von Erika Schwark. Die 65-Jährige ist tieftraurig und fragt immer wieder nach dem „Warum“. Ihre drei Hunde und ein Foto von „Robby“, dem geliebten neun Jahre alten Australian Sheperd, sind ihr geblieben. Und der Schmerz über „Robbys“ Verlust. Der Hund wurde auf der Autobahn 1 von der Polizei überfahren – ganz gezielt.
Es ist Silvesterabend. Im Hause Schwark in Hoisdorf wird gefeiert. Die Gäste von Heidi Schwark wollen essen. Schwark will ihre drei Hunde solange im Wintergarten einsperren. Doch sie bemerkt offenbar zu spät, dass jemand die Tür offen gelassen hat. So konnte „Robby“ nach draußen gelangen. Und auch die Pforte im Zaun ist unverschlossen. Heidi Schwark macht sich auf den Weg, ihren treuen Hund zu suchen. Doch ihre Rufe verhallen ungehört in der Dunkelheit.
Irgendwie muss das Tier auf die Autobahn geraten sein. „Möglicherweise war ,Robby’ durch die Knallerei nervös und suchte ein ruhiges Plätzchen“, sagt Heidi Schwark und kämpft mit den Tränen. Was sie während ihrer Suche nicht wusste: Um 21.30 Uhr ging bei der Polizei der Anruf eines Autofahrers ein, der einen Hund auf der A 1 meldete. Die Autobahn führt direkt hinter dem Schwark’schen Hausgarten entlang. Doch den Lärmschutzwall und die Mauer kann der Hund nicht überwunden haben, ist sich Heidi Schwark sicher.
Die Polizeibeamten finden „Robby“, der immer wieder über alle sechs Fahrstreifen wechselt. Sie bremsen den Verkehr herunter, stauen ihn quasi hinter sich auf und versuchen, das Tier einzufangen. Das misslingt. An der Anschlussstelle Ahrensburg wird es gefährlich. Die Beamten müssen handeln. Ein Schuss aus der Dienstwaffe wäre zu gefährlich. „Die Beamten haben fast eine Stunde lang versucht, das offenbar völlig verstörte Tier einzufangen. Das war aber unmöglich, und sie mussten handeln. Sie überfuhren den Hund mit dem Dienstwagen“, sagt Jessica Wessel vom Landespolizeiamt.
Der Streifenwagen wurde dabei beschädigt und musste repariert werden. Die Kosten hierfür stellte das Innenministerium nun Heidi Schwark in Rechnung: 2557,31 Euro. Per Einschreiben und mit einem in beamtendeutsch verfassten Brief. „Jede Behörde verfasst solche Schreiben, die in der Regel unpersönlich sind. Das sind Textbausteine, die üblicherweise benutzt werden und rechtlich völlig korrekt sind“, sagt Wessel. Natürlich sei es für die Hundehalterin nicht schön, in ihrer Trauer ein solches Schreiben zu erhalten. Hätte die Polizei nach der Vollzugs und Vollstreckungskostenverordnung (VVKVO) abgerechnet, wären auch noch die Kosten des Einsatzes dazugekommen. So bekam Heidi Schwark nur die Rechnung über den entstandenen Schaden. Sie will die Sache einem Anwalt übergeben. Sie kann verstehen, dass die Polizei handeln musste. Sie kann auch verstehen, dass ihr Hund getötet werden musste. Nur die Art und Weise kann sie nicht verstehen.
Für die Polizei war die Methode richtig. „Die Beamten haben selbst ihr Leben riskiert, um das Tier einzufangen, und sie wollten bestimmt nicht zum letzten Mittel greifen. Hier aber galt es, Gefahren von anderen abzuwenden“, sagt Wessel. Zudem will die Hundehalterin die Kosten nicht tragen. Sie hat den Fall ihrer Tierhalterhaftpflichtversicherung gemeldet. Patrice Schönfeld ist Versicherungsmaklerin und betreut Schwark. Sie wartet noch auf das Schadensformular und wird das dann an den Versicherer, in diesem Fall die Axa, weiterleiten. Ob die Versicherung den Schaden reguliert, ist zur Zeit noch völlig unklar.
Tierschützer regen sich unterdessen seit Bekanntwerden des Falles auf und stellen das Verhalten der Polizisten an den Pranger. Doch auch die eingesetzten Beamten hatten sich seinerzeit die Entscheidung nicht leicht gemacht, mussten aber dennoch das Für und Wider abwägen und die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer sicherstellen.
Heidi Schwark hat sich einen neuen Hund gekauft. Der zwölf Wochen alte „Teddy“ hält die Erinnerungen an „Robby“ wach.
Berkenthiner schrieb am 02.02.2010 08:29:
Wer neben einer Autobahn wohnt, muss seinen Hund unter ständiger Kontrolle haben. Diese Dame war dazu nicht fähig. Sie hat in unverantwortlicher Weise Menschen in Lebensgefahr gebracht. Die Polizeibeamten haben verantwortlich und angemessen gehandelt. Als ständiger A-1-Benutzer danke ich ihnen dafür herzlich. Der Dame sollte man jede weitere Hundehaltung verbieten und
den Schaden abrechnen.
phoenix schrieb am 02.02.2010 08:44:
Ein Hund ist kein Partnerersatz und muß erzogen werden. Wer das nicht kann, sollte es lassen.Was soll die Polizei
dabei machen? Menschenleben gefährden? Oder wie, oder was?
Sierksraderin schrieb am 02.02.2010 10:21:
Was seit ihr eigendlich alles für Menschen
Warscheinlioch seit ihr alles Menschen die auch Giftköder auslegen weil ihn Tiere ja stören.Und sowas wohnt in MEINER unmittelbaren Nachbarschaft.
2. Liegt Hoisdorf nicht Unmittelbar an der AB.3.Werde ich jetzt auch jeden Menschen Überfahren müssen der andere Gefährdet? Naja man sollte es in Erwägung ziehenWas für Herzlose gestalltenEinfach Arm
Fragender schrieb am 02.02.2010 10:24:
Tiere auf Straßen sind doch ein häufiges Problem. Das hört man fast täglich in den Verkehrsnachrichten. Kann die Autobahnpolizei in solchen Fällen nicht ein Narkosegewehr benützen? Ohne Scheuchen aus der Deckung heraus zielen und den narkotisierten Hund bergen. Oder soll jetzt jeder entlaufene Hund mit Absicht von der Polizei überfahren werden? Zynisch gesagt, dann bitte die Frontpartie verstärken
Alexander Jensko schrieb am 02.02.2010 10:52:
Ich bin wütend, empört und kann mich kaum zurückhalten. Liebe Frau Schwark, haben Sie mein tiefstes Mitgefühl. Diese Nachricht hat mein bis dato gegebenes Vertrauen in die Polizei zutiefst erschüttert. Polizei, seien Sie sich sicher: einen streunenden Hund werde ich Ihnen niemals melden. Egal unter welchen Umständen. Frau Schwark alles Gute mit ihrem neuen Weggefährten
lupus schrieb am 02.02.2010 11:12:
Voll auf die Tränendüse. Was,wenn der Hund einen tödlichen Unfall verursacht hätte.
Hinnerk Basche schrieb am 02.02.2010 11:17:
Man sollte die Sylvester - Knallerei abschaffen dann würden Hunde nicht verstört auf den Straßen laufen. Man hätte die Autobahn in beide Richtungen sperren müssen dann jemand mit einem Betäubingsgewehr heranholen. Inzwischen wäre das Frauchen auch aufmerksam geworden und das ganze wäre gut ausgegangen.
Anders musst die Polizei jeden der auf Autobahnen rum läuft erschießen.
hoffnungsvoll schrieb am 02.02.2010 11:18:
@ Phoenix und Berkenthiner
die Polizeiarbeit ist manchmal auch eine traurige Arbeit aber ich denke nicht mal diese Polizisten haben so ein verqueres Denken wie man es bei Ihnen erlebt. Was hat diese Geschichte mit Partnerersatz zu tun? Sperren Sie Ihre Partner zu Sylvester in ruhige Räume? Nobody is perfect und man kann eine angelehnt Tür mal übersehen. Hoffnung, Mitgefühl, Lebewesenschutz
Arrian schrieb am 02.02.2010 11:24:
Man gewinnt den Eindruck, dass das ungehinderte Vorwärtskommen für einige Zeitgenossen einen höheren Stellenwert hat als das Leben eines empfindsamen Mitgeschöpfs. Sind Kinder oder verwirrte Personen, die sich auf die Autobahn verirren, dann demnächst auch zum Überfahren freigegeben? Dieser Vorfall muss gründlich aufgeklärt werden, um das Vertrauen der Bürger in die Polizei nicht zu gefährden.
Fremder schrieb am 02.02.2010 11:29:
Was sind denn das für kluge Beiträge??? Der Hund war sicher keine Bestie oder ein wildes Tier, es passiert in den besten Familien, dass mal ein Tier ausreißt/abhaut. Wenn die Polizisten ,so sage ich es einfach mal...zu blöd sind einen Hund, der nicht gefährlich ist einzufangen oder um Gefahr abzuwenden, fachgerecht erschießen...dann tun sie mir leid, den Schaden würde ich nicht bezahlen...
Bernd schrieb am 02.02.2010 11:48:
Meiner Meinung nach haben die Polizisten völlig richtig gehandelt.
Den Protestlern kann man nur wünschen, dass ihnen nicht mal ein Hund bei Tempo 150 auf der Autobahn vor ihnen auftaucht.
Beitrag schrieb am 02.02.2010 12:08:
Den Hund zu überfahren soll schneller und "gefahrloser" gehen, als ihn zu erschießen?
Wie schlecht zielen diese Polizisten dann?
Unverhältnismäßige Handlung, verachtenswert Und dann noch unverschämte Rechnungsbeträge fordern, pfui
Der Hundehalterin gilt mein absolutes Mitgefühl.
Robert Müller schrieb am 02.02.2010 12:51:
Nun ist ja alles klar: Ein Hund, der über alle 6 Fahrspuren läuft, ist eine Gefahr für Leib und Leben der Autofahrer, vor allem nachts. Und da in unserem Rechtssystem das Leben von Menschen höher angesiedelt ist als das Leben von Tieren, haben die Polizisten richtig gehandelt. Schiessen ging ja nicht, weil auf beiden Seiten ein Stau entstanden war und daher viele Menschen in der Nähe waren.
Wotan schrieb am 02.02.2010 13:11:
Klar Bernd man muß ja auch immer Tempo 150 fahren.Verkehrsfunk verfolgen,da wird soetwas gemeldet und die PKW Fahrer haben dann mal vom Gaspedal zu gehenZur Not Vollsperrung ganz einfach.Ich kann mir nicht vorstellen das in der Silvesternacht soviel los war auf dem Abschnitt.Gefahrenabwehr,das ist wohl lächerlich.
ACAB schrieb am 02.02.2010 13:17:
Meiner Meinung nach haben die Polizisten absolut unverhältnismäßig gehandelt. Autobahn sperren und den Hund betäuben. Das und nur das wäre richtig gewesen. Wenn Kinder auf der Straße oder auf Gleisen spielen werden sie ja auch nicht überfahren oder abgeschossen. Aber das Leben eines Tieres zählt in dieser Welt anscheinend nicht mehr viel. Mein Mitgefühl gilt der Frau Schwark.
Muriel Mauz schrieb am 02.02.2010 15:02:
Das ist meiner Meinung nach echt das letzte
so , wie die Polizei gehandelt hat.
Man würde ja auch Kinder auf Gleisen nicht einfach so überfahren.Ich würde die 2557,31
nicht bezahlen.
Patrick schrieb am 02.02.2010 15:02:
Ohmann,welch stumpfsinnige Leute es doch gibt. Denn: Ihr seid alles andere als Sicher vor Rehen, Wildschweinen, Marder, Hasen, Füchse usw. Die schießt keiner nieder, weil sie auf der Straße laufen. Warum also muss ein HUND, der einem Menschen gehört, getötet werden?
Deichgraf schrieb am 02.02.2010 15:31:
Der Hund wäre keine Gefahr für Leib und Leben gewesen,für den der angemessen fährt.Gerade im dunkeln hat ein PKW Fahrer die Augen aufzuhalten.Unfähige PKW Fahrer denken nur ans schnell vorrankommen auf ner geraden Strecke,das steigert wohl die Potenz,die sie nicht haben.Lernt richtig und vor allem sinnig Autofahren,dann stellt ein Hund mit Sicherheit keine Gefahr dar.
Robert Müller schrieb am 02.02.2010 16:15:
ich bin entsetzt über manche Meinungen hier, in denen Tiere mit Menschen gleichgesetzt werden. Natürlich wird anders verfahren, wenn Menschen auf der Autobahn rumlaufen. Wollt Ihr ernsthaft von den Polizisten verlangen, dass sie ihr Leben und das anderer Menschen riskieren, um einen Hund zu retten? Achja: Schuldig sind nicht die Polizisten oder der Hund, sondern die Hundehalterin
M.L. schrieb am 02.02.2010 17:19:
Ich halte den Einsatz dieses Mittels von seiten der Polizei alles andere als vertretbar. für Wildteiere auf der Autobahn werden Fahrbahnen gesperrt... und ein Hund, den man eine Stunde lang einzufangen versucht kann man aber gezielt überfahren ???? welch logik... die Hundehalterin tut mir leid und ich hoffe, die Versicherung trägt die Kosten....
Kai aus Lübeck schrieb am 02.02.2010 17:39:
Ich sehe hier überhaupt kein Problem. Wenn das Tier eine Gefahr für Menschenleben darstellt, muss es eben getötet werden. Genauso wird mit anderen Tieren verfahren, die nicht aus dem Weg geräumt werden können und eine Gefahr darstellen. Verantwortlich für den Tod des Tieres sind letztlich die Halter und niemand anders.
Steve schrieb am 02.02.2010 18:39:
@Robert Müller
Ich bin eher entsetzt von Menschen wie dir, die sich für etwas Besseres halten und derart abfällig über Tiere reden. Menschen und Tiere sind defakto gleichzusetzen. Das gehört zur Respektierung des Lebens und der Natur dazu.
Netti schrieb am 02.02.2010 19:44:
Robert Müller,dieser Hund hat nicht das Leben eines Menschen riskiertDas Leben der Polizisten hätten in diesem Falle Autofahrer gefährdet aber nicht der Hund.Warum sollte man einen Hund nicht verteidigen?Dass mir mein Hund das Liebste sei, sagst du oh Mensch sei Sünde,
mein Hund ist mir im Sturme treu, der Mensch nicht mal im Winde.
TomHL schrieb am 02.02.2010 21:19:
1. Die Kommentatoren urteilen so, als ob Sie alle dabei gewesen wären. Die Bildzeitung läßt grüßen Wer von denjenigen hatte wohl schon einmal in einer ähnlichen Situation zu entscheiden?
2. "Ein Hund ist tot, dann kaufe ich mir eben einen Neuen und der wird mich dann schon trösten." Respekt vor dem Leben?
WalterN57 schrieb am 02.02.2010 21:28:
Niemand kann Robby noch helfen
Jetzt kann die Maxime nur lauten:
"Rettet Teddy"
Thorsten Göpel schrieb am 02.02.2010 21:42:
Die Polizei-Dein Freund und Helfer? Nun hat also die vermehrt zu beobachtende Verrohung der Sitten auch schon bei unseren Ordnungshütern Einzug gehalten. Da soll mir doch keiner erzählen, dass es hier keine unblutige Lösung dieses "Problems" gegeben hätte. Und der Gipfel an Zynismus und behördlicher Unverfrorenheit ist dann eine Schadenersatzforderung an die bedauernswerte Hundehalterin.
Anibas schrieb am 02.02.2010 22:13:
Trostlos ist es hier zu lesen, wie schnell und überzeugt von der eigenen Unfehlbarkeit einige meiner Zeitgenossen auf den Gefühlen von Frau Schwark rumtrampeln. Ich bin überzeugt, sie hat sich schon tausend mal Vorwürfe gemacht hat, daß Robby weglaufen konnte. Unverständlich ist mir, warum die Polizei nicht sofort vom nächsten Tierheim einen im Einfangen von Hunden geübten Menschen angeforderte.
Ursula Schmidt schrieb am 03.02.2010 16:21:
Ich bin wütend. Wenn ein Tier in
Schleswig-Holstein auf der A1 auf die Hilfe
der Behörden angewiesen ist, hat es schlechte Karten denn auch mein Hund war wegen der Sylvesterknallerei in Panik auf die A1 gelaufen und wurde aus nächster Nähe
erschossen.Offensichtlich ist die Polizei weder gut genug ausgebildet noch ausge-rüstet um angemesse reagieren zu können
Mein Migefühl gehört Frau Schwark
Ralf Jarren schrieb am 04.02.2010 13:58:
So schlimm können die Selbstvorwürfe ja nicht gewesen sein, wenn der neue Welpe schon Einzug gehalten hat. Dafür fehlt mir nun wirklich jedes Verständnis.
Louis schrieb am 25.05.2010 19:39:
Das ist kein Ersatz, das macht es nur etwas erträglicher. Betäubung wäre sicher die Lösung gewesen. s. oben: Dass mir der Hund.....Ich kann absolut mitfühlen.
Unser Hund wurde auch vor 4 Tagen "auf dem Gehweg liegend" tot gefahren, weil einer die Kurve zu eng genommen und ihn angeblich nicht gesehen hat. Es ist unfassbar, übrigens da hätte natürlich auch ein Kind auf dem Dreirad sitzen können..
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