Weiße Plastikstühle, laute Musik, ranzige Wurststände und billige Bierbuden – die Politiker haben die Nase gestrichen voll von Festen ohne Niveau mitten auf dem Markt. Im Wirtschaftsausschuss mussten deshalb drei Veranstalter ihre Events samt Konzept vorstellen. Die beiden Feste vom stadtweit bekannten Veranstalter „Zelt-König“ lehnten die Politiker rundweg ab. „Das ist ein Skandal, wie ich hier behandelt werde, und die anderen Veranstaltungen werden einfach so durchgewunken“, ärgert sich Chef Henning König.
Vorangegangen war eine lebhafte Debatte über sein Frühlingsfest auf dem Markt im April und das Weinfest auf dem Koberg im August. König wollte einen Mittelaltermarkt mit historischen Ständen und Spielen für Kinder, eine Riesenrutsche und ein Trampolin für die Steppkes, eine kulinarische Meile, zudem Pflanzen- und Blumen-Verkaufsstände auf dem Markt platzieren. Das Fest sei auf diesen „drei Säulen“ aufgebaut, so König. Wie das Ganze ungefähr aussehen sollte, konnte er den Politikern dabei allerdings nicht sagen. Pläne hatte König keine dabei. „Das klingt so, als hätten sie sich den Termin reservieren lassen, und schauen dann was sie da machen wollen“, kritisiert Kai Bojens (SPD) das mangelnde Konzept. König gibt ihm Recht: „Das ist auch erst vorgestern entschieden worden.“ Für die Grüne Susanne Hilbrecht ist das Vorhaben für den Markt völlig überdimensioniert: „Bei den Plänen denke ich eher an den Volksfestplatz.“ Thorsten Upts von der Stadt gibt zu, dass er aus den eingereichten Unterlagen nicht ersehen konnte, dass König derartiges dort plane.
Auch das Weinfest von König kommt bei den Politikern nicht gut an. „Das war ein Elend im vergangenen Jahr“, erklärt Henri Abler (SPD) ohne Umschweife. „Da war ein riesiger Bierpilz aufgebaut, es wurde weinselige Musik gespielt und eine Gruppe von Männern riss den Arm hoch zum Hitlergruß.“ Das zeige, welche Stimmung dort geherrscht habe. Das will König nicht auf sich sitzen lassen: „Es gibt auch Männer, die gerne Bier trinken. Außerdem müssen sie dann auch aufzählen, wie viele Weinsorten und Weinstände wir hatten“, verteidigt er sich. Er habe außerdem eine „überteuerte Platzmiete“ zahlen müssen, dafür dass er den Koberg gar nicht richtig nutzen konnte, „wegen des Ufo-Landeplatzes, der auch Lichtskulptur genannt wird und die kaputt ist“, schießt König zurück.
Außerdem ärgert er sich, dass die Stadt sein Oktoberfest schon vor Jahren vom Markt verbannt hat. Er vermutet „Neid und Missgunst“ der Gastronomen und einiger Stadtvertreter dahinter. Doch damit kommt er nicht durch. SPD-Wirtschaftsexperte Jörg Hundertmark: „Viele Veranstaltungen waren in der Vergangenheit grottenschlecht.“ Man wolle hochwertige Events auf dem Markt. Und auch keine weißen Plastikstühle, ergänzt SPD-Vormann Peter Reinhardt. „So wie es im letzten Jahr war, darf es nicht wieder werden“, so Reinhardt. Deshalb ist das Votum des Ausschusses auch eindeutig: kein Frühlingsfest auf dem Markt. Für das Weinfest auf dem Koberg gewährten sie König eine Gnadenfrist. Er könne das Konzept noch einmal überarbeiten.
Grünes Licht hingegen gab es für die Heringstage im Juli und die Kartoffeltage im Oktober vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband – beides Veranstaltungen auf dem Markt. Die Nordic Days Anfang Juni genehmigten die Politiker genauso wie die italienischen Tage Ende Juli, die Rolf Niehuesbernd auf dem Markt organisiert.
die unruhe schrieb am 09.02.2010 05:32:
Genau weg mit solch schmuddeligen Veranstaltern,war das nicht auch Zelt King
der vorletztes Jahr am Hafen eine Desaster-
Silvesterveranstaltung beschert hat ? Die
Entscheidung ist richtig
Richard schrieb am 09.02.2010 09:21:
Also wenn diese italienischen Tage die sind, die es auch 209 gab, so war das auch eine traurige Veranstaltung. Da gabs nen Bratwurststand, ne Crepes-Bude mit italienisch angehauchten Crepes und absolut kein Flair. Das könnte man auch um Längen besser machen. So war das eher lächerlich.
iltis schrieb am 09.02.2010 09:31:
Endlich mal eine gute Nachricht.
Sowas wie der paßt nicht in die Stadt, schon gar nicht mitten auf den Markt.
Astrid schrieb am 09.02.2010 09:38:
Genau Nur noch hochkarätige Kulturevents, zu denen eh keiner geht.
Es stimmt schon, ein Oktoberfest mit Plastestühlen muss es nicht sein, aber was spricht gegen einen Mittelaltermarkt mit Musik? Der Mittelalterweihnachtsmarkt mit der Bühne ist doch auch immer gut besucht. Oder die großen Märkte in Schleswig-Holstein.
Benno Blitz schrieb am 09.02.2010 12:11:
@Richard,Hauptgeschäft eines Zeltaufstel-
lers ist nun malWurst und Glühweinverkauf. Was macht eigentlich die Familie Freitag?Die haben doch Event Erfahrung.Aber
Veranstaltungen sind halt nur noch Kommerz und Langeweile.Laßt doch mal die Lübecker Politiker eine Großveranstaltung mit Wein und Gourmet machen.Reden schwingen und Märchen erzählen reicht eben auch nicht.Da kommen nur die harten....?
loser schrieb am 09.02.2010 12:44:
Was macht eigentlich die Familie Freitag?Die haben doch Event Erfahrung.
Und genug politische Kontakte CDU,darum wird er bestimmt demnächst mit neuen Konzepten auftauchen,aber erstmal muß der Weg dorthin durch die Politik geebnet sein.Aber das wird dann durch die LN nicht mehr hinterfragt.Sorry,aber wirklich kritischen,hinterfragenden Journalismus vermisse ich in HL schon lange.
Susanne T. schrieb am 09.02.2010 13:54:
Also ich verstehe leider überhaupt nicht, was der Wirtschaftsausschuss an den Festen von Zelt-König so schlecht findet.
2009 habe ich das Weinfest auf dem Koberg besucht und ich war begeistert, es war für jedermann was dabei und die Musik war auch perfekt abgestimmt. Sehr viele Lübecker wünschen sich das alt ersehnste Oktoberfest zurück. Das Zelt war täglich voll und die Leute waren begistert.
Henning König schrieb am 09.02.2010 20:37:
Gestern wurde ich zur Präsentation meiner beiden in Lübeck geplanten Veranstaltungen zum Wirtschaftsausschuss geladen.Wie ich erwartet hatte, wurden beide Veranstaltungen abgelehnt.Anscheinend war mein provokanter Vortrag einigen Ausschussmitgliedern zu direkt.Für mich stand das Urteil schon vorher fest,aber ich durfte einmal vor einem großem Forum öffentlich aussprechen, was mich lange ärgerte.
Ausschussteilnehmer schrieb am 09.02.2010 22:01:
@Henning König
Ihr Vortrag war nicht provokant, er war schlicht ohne Inhalt. Im Gegensatz zu den ausführlichen Powerpointpräsentationen der anderen Veranstalter, haben Sie lediglich 10 Minuten vom Blatt abgelesen und dabei auch nur Ideen vorgestellt, aber nichts wirklich konkretes an Planung dargelegt. Sie waren auch der einzige, der keine Pläne eingereicht hat. Das war schlicht ungenügend.
Henning König schrieb am 10.02.2010 09:24:
Warum melden Sie sich nur mit Ausschussteilnehmer? Haben Sie nicht wenigstens den Mut sich mit Namen zu melden?
Das ist aber typisch für Lübecker Politiker.
Immer nur nörgeln aber selbst nichts auf die Reihe bekommen. Sie berichteten von den anderen Veranstaltern ich habe nur den 1.Vors.v.Gaststättenverband und Herrn Niehuesbernd gesehen Wo waren die Anderen zb.Herr Heck v. den Harley-Days ?
die unruhe schrieb am 10.02.2010 20:08:
@ Ausschussteilnehmer
geben Sie keinen Namen raus,manche Leute
ballen schon ihre Faust in der Tasche,
und fordern Genugtuung
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