ln-online/lokales vom 10.02.2010 02:42
Eisfräse: „Das geht durch wie Butter“
Ungewohntes Terrain: Bauarbeiter Michael Kramarczyk (33) hat mit der Asphaltfräse seinen ersten Wintereinsatz. Bei der Arbeit in den Norderstedter Nebenstraßen kommt es auf Millimeter an. Die Straße soll nicht beschädigt werden.
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Ohrenbetäubender Lärm schallt durch das sonst so ruhige Wohngebiet mit den schicken weißen Bungalows am Norderstedter Wald. Michael Kramarczyk (33) ist einer der Krachmacher. Er selbst trägt Lärmschutz-Kopfhörer und steuert eine tonnenschwere Asphaltfräse durch die enge Nebenstraße. Ein Tross aus Fahrzeugen folgt ihm. Niemand meckert. Die Mienen der Bewohner zeugen vielmehr von Erstaunen und Freude. Die Invasion der Maschinen gleicht einer Befreiung. Seit gestern raspeln Asphaltfräsen im Auftrag des Bauhofs den glatten Eispanzer der rund 500 Norderstedter Straßen ab.
„Wie schön, dass wir bald wieder sicher aus dem Haus kommen“, sagt Roswita Tönsfeld. Einer „vereisten Schiene“ habe die Fahrbahn geglichen. Ständig seien Autos steckengeblieben oder hätten sich den Unterboden am Eispanzer in der Fahrbahnmitte angeschlagen. „Wir kommen ohne Auto nicht zu meiner kranken Schwiegermutter nach Quickborn“, erklärt Wilhelm Tönsfeld. „Es wir auch an der Zeit, dass sich was tut“, meint Nachbarin Angelika Lauer, die zwischenzeitlich nicht in ihre Garage kam.
Die Bauarbeiter in ihren signalroten Overalls haben sichtlich Spaß an der ungewohnten Aufgabe. „Die Fräse geht durch das Eis wie durch Butter“, ruft einer, während sich die 19 Tonnen schwere Maschine mit ihren Rundschaftmeiseln im Schritttempo vorwärts bewegt. Über ein Förderband wird die abgetragene Schneedecke direkt auf einen vorausfahrenden Lkw geladen. Mit einem motorisierten Überkehrbesen wird der lose Rest auf der Fahrbahn anschließend entfernt. Übrig bleibt eine dünne Eisschicht, die von der Stadtreinigung mit Split bestreut wird.
„Wir können das Eis bis auf eine Höhe von einem Zentimeter abtrennen“, erklärt der Bauleiter Markus Ludigkeit. Weiter können die Mitarbeiter der beauftragten Firma ABS aus Kaltenkirchen nicht herangehen. Die schwere Maschine, die sonst zum Abtragen einer robusten Asphaltschicht gedacht ist, könnte die Fahrbahndecke beschädigen. „Wir sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden“, erzählt Ludigkeit. Der Plan des Bauhofes ist aufgegangen. Auch die Baufirma profitiert. In den frostigen Monaten stehen die Asphaltierungsmaschinen häufig still.
Was gestern als Test begann, wird in den kommenden Tagen auf breiter Front umgesetzt. „Bis zum Wochenende wollen wir Norderstedt flächendeckend befreien“, sagt der Leiter des Bauhofes, Joachim Krüger. Sieben Asphaltfräsen kommen ab heute im Straßennetz von Norderstedt zum Einsatz. Ist der Einsatz nicht unheimlich teuer? „Lieber kurz und schmerzlos“, meint Krüger. Mit den Radladern der Gemeinde sei es nicht mehr möglich gewesen, die Piste zu räumen. Außerdem sei auch das dauernde Salzstreuen teuer. „Wir haben bislang 1200 Tonnen Salz aufgebracht.“ Sonst seien es im Winter nur 400. Bei einem Preis von 70 Euro pro Tonne gehe auch das ins Geld.
Die Bewohner im Von-Humboldt-Weg sind jedenfalls dankbar. Die Aktion ist nebenbei ein Hingucker. Immer wieder schießt Roswita Tönsfeld Fotos von den Maschinen und ihrem Mann, der jetzt beginnt, auch noch die Auffahrt vom lästigen Eis zu befreien. Wilhelm Tönsfeld kann sich ein bisschen Skepsis dennoch nicht verkneifen: „Die Stadt hätte einfach etwas früher in den Nebenstraßen räumen sollen – dann wäre es nie so weit gekommen“.
In den letzten 7 Tagen schon 73 mal gelesen - zuletzt am 15.03.2010 um 05:10.
Benno Blitz schrieb am 10.02.2010 11:09:
Die scheinen einen hervorragenden Bürgermeister mit weitsicht und Bürger freundlichkeit zu haben.Norderstedt ist zwar kleiner als Lübeck,aber immerhin können sich in Lübeck Stadt und Stadtreinigung das ja mal vor Ort ansehen.
Vielleicht klappt das ja dann in 10 Jahren,
nach genügend Ausschuß Sitzungen, auch in Lübeck......
Steve schrieb am 10.02.2010 14:24:
Nein Benno, Lübeck hat 1,2Mrd hausgemachte Dummheitsschulden, da kann der Bürger solche Aktionen doch nicht allen ernstes erwarten.
Schon eine Schande, was in Lübeck abgeht.
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