Bebensee/Berlin – Der Name des Vereins ist zugleich sein Programm: „Zwanzig a“. Was auf den ersten Blick kryptisch klingt, erschließt sich dann doch sehr schnell. Gemeint ist der Grundgesetzartikel 20a, in dem es um die Belange der Tiere geht. Die, vor allem Nutztiere und ganz besonders solche, die in riesigen Mengen gehalten werden, liegen den beiden Vereinsvorsitzenden am Herzen: Die eine ist die Bebenseer Galloway-Züchterin Mechthild Bening, die andere die Berliner Literaturwissenschaftlerin Dr. Irene Wiegand. Mit einigen Gefährten haben die Frauen den Verein „Zwanzig a“ (www.zwanzig-a.de) gegründet.
„Wir prangern niemanden an, wir agitieren nicht, aber wir informieren“, sagt Mechthild Bening. Und die Information über ihrer Ansicht nach skandalöse Massentierhaltung ist die schärfste Waffe des Vereins. Denn wie Tiere zu Zehntausenden gehalten werden, darüber wüssten die Verbraucher noch viel zu wenig, sind sich die Frauen sicher. Ihr Ansatz: Wer mehr darüber erfährt, wer weiß, unter welchen Qualen Tiere den ökonomischen Bedürfnissen großer Tierproduzenten untergeordnet, ja angepasst werden, der wird diese „Produkte“ nicht mehr nachfragen und kaufen.
Beispiel gefällig? „Schweine, denen die Hoden ohne Betäubung abgeschnitten wurden, die essen Männer nicht mehr“ – davon ist Bening überzeugt. Vorausgesetzt die Männer wissen überhaupt davon. Ab 2011 ist die betäubungslose Kastration von Ebern (unkastrierte riechen streng) ohnehin verboten.
Ähnliches wollen die Leute von „Zwanzig a“ auch bei den Puten erreichen. Der Mastputenmarkt ist in den Händen einiger weniger Großunternehmen. 85 Prozent der Tiere in Deutschland wachsen in Betrieben mit mehr als 10 000 Tieren heran. Die hochgezüchteten Puten können sich „durch ihr unnatürlich hohes Körpergewicht und die überdimensionale Brustmuskulatur gar nicht mehr auf natürlichem Weg fortpflanzen“. Für manche Wissenschaftler sind das „Qualzuchten“. Und da die Puten keine Bewegungsspielräume haben, die ihr natürliches Pickverhalten zulassen, verletzen sie sich gegenseitig.
Um das auszuschließen, werden ihre Schnäbel brutal gekürzt. Die beiden angewandten Methoden „verursachen den Tieren schwerwiegende Schäden und erhebliche langandauernde Schmerzen. Das Tier muss den hochgradig schmerzenden Schnabel jedoch durchgängig weiter benutzen, da es ansonsten verhungern würde“, heißt es bei „Zwanzig a“.
Und weiter: „Annähernd 100 Prozent der Puten erleiden durch Zucht und Haltung bedingte Krankheiten.“ Dass das Schnabelkürzen, das Zusammenpferchen der Tiere und ihr Bewegungsmangel trotz des Grundgesetzartikels 20a erlaubt sind, hat die Gründung des Vereins befördert, denn, so Mechthild Bening: „Im Tierschutz klafft eine große Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit.“ Der Verein will hier ein Korrektiv sein.
Wenn Kinder wüssten, was dem Geflügel angetan wird, würden sie kein Putenfleisch mehr essen – und ihre Mütter keins mehr kaufen, ist sie überzeugt. „Wir wollen Anstöße geben“, sagt Bening. „Wir wollen, dass über das Abbrennen der Schnäbel von Hühnern und Puten oder das Abschneiden der Schwänze von Schweinen geredet wird – dann werden unsere Forderungen irgendwann zu allgemeinen Forderungen.“
Bei den Hühnereiern habe dieses Prinzip ja bereits funktioniert. Da hätten die Verbraucher auch eine drastische Produktionsumstellung erwirkt – weg von der Massenproduktion im „Hühner-KZ“, hin zur vermehrten Freilandhaltung. Mechthild Bening: „So funktioniert Marktmacht!“ Die Verweigerung des Verbrauchers sei bei den Produzenten gefürchtet.
Doch bei den Menschen gebe es noch Wissenslücken. Die Bebenseerin: „Wir erstellen ein informatives Kompendium zu diversen Themen, wie es das noch nicht gegeben hat, und machen Verbesserungsvorschläge.“ Wer auf die Internetseite des Vereins, ein „Informationsportal zur industriellen Tierproduktion“, geht, erfährt in kurzen Sätzen viel Neues über die professionelle Tierhaltung – alles mit wissenschaftlichen Quellen belegt, wie „Zwanzig a“ betont. Denn „Tierschutz ist auch Wissen, nicht nur Emotion“, sagt Bening. Der Verein wolle im Endeffekt erreichen, dass die Halter von Nutztieren und ebenso die Verbraucher „den Tieren wieder mehr Wertschätzung entgegenbringen – auch wenn man dadurch mehr dafür bezahlen muss“.
Noch besser wäre es, wenn die Menschen insgesamt weniger Fleisch essen würden. Das würde enorme Ressourcen, die zur Fleischproduktion erforderlich sind, sparen. Das wäre letztlich aktiver Umweltschutz, und das würde dem Fleisch wieder den Wert des Besonderen zuweisen, der ihm gebühre.
Eckard Wendt, AGfaN e.V. schrieb am 20.02.2010 20:41:
Ein neuer Verein mit speziellem Ansatz. Das ist gut so. Wenn Tierschutz erfolgreich sein will, bedarf er sehr individueller Wege, um alle Bürgerinnen und Bürger zum Mitmachen motivieren zu können.
Vergessen werden darf über die vielen anstehenden Aufgaben aber nicht die Kooperation. Deshalb sollte Frau Bening für "Zwanzig a" an den Treffen des "Tierschutzbündnis Schleswig-Holsten" teilnehmen.
Ina Müller schrieb am 21.02.2010 22:48:
"Massenproduktion im Hühner-KZ"??? Das grenzt ja schon fast an Volksverhetzung, weil es den Holocoust verharmlost. PETA dürfte deswegen schon 6.000 Strafe zahlen. Und: was habe ich als Verbraucher von einem Tierschutz, wenn mittlerweile jedes 2. Ei aus dem europäischen Umland mit Käfighaltung importiert wird? Und: Freiland- und Bodenhaltung ist nur mit Kürzen der Schnäbel möglich
Antonietta schrieb am 22.02.2010 13:03:
Größer - schneller - billiger:
Unter diesem Motto der Agrarindustrie leiden heute rund 150 Mill. Nutztiere in deutschen Ställen. Ob Schwein, Rind, oder Legehenne, ob Pute, Kaninchen oder Ente - sie werden verstümmelt, in enge Ställe oder Käfige gepfercht und mit Medikamenten vollgepumpt. Auf der Strecke bleiben nicht nur das Wohl der Tiere und ihre artgemäße Haltung, sondern auch Qualität...
Pünktchen schrieb am 22.02.2010 19:22:
"Quäle nie ein Tier zum Scherz, denn es fühlt wie Du den Schmerz": Ich möchte weder Fleisch noch Ei noch Fell noch Wolle von gequälten Tieren ergo: sich wissend machen - und entsprechend kaufen, denn es gibt durchaus Hühner und Puten in Freilandhaltung ohne Schnabelkürzerei
Irene Wiegand schrieb am 23.02.2010 11:45:
Antwort an Ina Müller:
Den Begriff "Hühner-KZ" hat ZWANZIG a nicht verwendet er stammt vom Verfasser des Artikels selbst. Entgegen Ihrer Annahme ist die Verwendung des Begriffs jedoch nicht rechtswidrig: Bernhard Grzimek hat das bereits 1976 gerichtlich bestätigt bekommen.
Eckard Wendt, AGfaN e.V. schrieb am 23.02.2010 22:01:
Der Zentralverb. d. Dt. Geflügelwirtschaft klagte 1975? gegen Prof. Grzimek. Der Vors., Prof. Schlütter und Prof. Monreal, suchten Unterstützung bei ExKZHäftlingen. Ich bat Mitte der 80er M., mir Kopien von Unterstützern zu senden. Er hatte keine Der VgtM veröffentlichte Briefe von M. Niemöller und F. Wankel. N.: "Das muß für die armen Tiere ja schlimmer sein, als was wir im KZ ..." erlebten.
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