Die betroffenen Kassen greifen in ihrer Not zu ungewöhnlichen Werbemaßnahmen, versuchen Kunden mit Preisausschreiben zu ködern. Acht gesetzliche Krankenkassen erheben bereits einen Zusatzbeitrag, acht weitere Kassen haben diesen Schritt angekündigt. Dass weitere Kassen folgen, gilt in Expertenkreisen als sicher.
„Ja, wir erhalten Sonderkündigungen. Eine genaue Zahl wollen wir aber noch nicht kommunizieren“, sagt Jörg Bodanowitz, Sprecher der Deutschen Angestellten Krankenkasse (DAK). Fest steht: Von 4,6 Millionen zahlenden Mitgliedern liegen eine Woche vor erster Fälligkeit erst 1,5 Millionen Einzugsermächtigungen für den Zusatzbeitrag vor, der nicht – wie der übrige Beitrag – übers Gehaltskonto einbehalten wird. Der Kassensprecher räumt ein, dass es besonders dort schwer fällt, Versicherte zu halten, wo Mitbewerber keinen Zusatzbeitrag erheben. Dabei macht die DAK es ihren Mitgliedern einfach, fügt ihrem Formschreiben über den Zusatzbeitrag gleich eine Einzugsermächtigung bei. Wer diese bis zum 15. März erteilt, nimmt an einer Verlosung von Wellness-Reisen teil.
Die BKK Gesundheit (eine Million Mitglieder) hat bereits ein „Worst-Case-Szenario“ entworfen. „Wir rechnen mit Kündigungen, es gibt negative Reaktionen“, sagt Sprecherin Carolin Cuntz. Besonders Versicherte mit geringem Einkommen beklagten, die Zahlung von acht Euro nicht leisten zu können. Auch die kleine BKK Phoenix (Hamburg) bestätigt Kündigungen, ebenfalls in erster Linie aus finanzschwachen Familien. „Da gehen uns dann die Argumente aus“, sagt Dirk Kastner. Wer sein Sonderkündigungsrecht verstreichen lässt, geht nichtsdestotrotz in das übliche Mahnverfahren, wenn er die Zahlung der acht Euro verweigert.
Die Dräger&Hanse BKK (Lübeck) nutzt den Unmut, wirbt offensiv um abwanderungswillige Versicherte. In 360 000 Postwurfsendungen in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern erklärt die Kasse, dass sie in diesem Jahr keinen Zusatzbeitrag mehr erhebt. Für Art und Inhalt hagelte ihr ein Antrag auf Unterlassungserklärung der AOK Schleswig-Holstein (die keinen Zusatzbeitrag erhebt) ins Haus: Der verteilte Flyer unterstelle unter anderem, so die AOK, „dass alle gesetzlichen Krankenkassen, die einen Zusatzbeitrag erheben, schlecht gewirtschaftet hätten“. „Unsere Werbung ist weder diffamierend noch irreführend“, erklärte dazu Dräger&Hanse-Sprecherin Monika Hille.
H.W. Gothmann schrieb am 09.03.2010 05:04:
Die sozialismusähnliche Gleichschaltung der Krankenkassen durch die ehemalige Gesundheitsministerin Ulla Schmidt rächt sich nun bitter. Die Wut auf "den Staat" nimmt zu, die Politikverdrossenheit wird auch durch diesen Zusatzbeitrag massiv gefördert Schade, dass Frau Merkel das Wort "Reform" aus Ihrem Wortschatz gestrichen hat.
Auto weg alles weg mir egal schrieb am 09.03.2010 07:24:
Ja, alles klar, auf zur Dräger u. Hanse, wenn sich meine TKK melden sollte. Unsere paar Kröten will jeder haben. Meine Kinder bekommen schon nichts mehr, aber die Krankenkasse. Ich verdiene nur noch 8Euro. Also werde ich alle Ausgaben reduzieren, immer weiter. Es gibt auch keine Arztbesuche und keine neuen Zähne. Hauptsache die Pharmaindustrie schaufelt sich die Taschen voll.
Thomi schrieb am 09.03.2010 08:10:
Da 95 alles Leistungen gesetzlich Vorgeschrieben sind.Warum brauchen wir dann soviele verschiedene Krankenkassen ? Die alle einen eigenen Vorstand ,Verwaltung usw haben .
Da könnte man richtig sparen ....wenn man den wirklich will
meinereiner schrieb am 09.03.2010 08:13:
..wenn die so weitermachen, kann sich ein grossteil der bevölkerung bald nur noch durch überfälle und einbrüche über wasser halten. leider scheint das in unseren politikkreisen keiner zu schnallen.
Privat schrieb am 09.03.2010 08:49:
@Thomi das stimmt. Daher bin ich privatversichert.
Halx schrieb am 09.03.2010 10:48:
Ja super.. JEDER mit Verstand würde sich privat versichern.. wenn es denn ginge. Leider ist das ja wieder denen vorbehalten, die sowieso fett verdienen. Die zahlen dan weniger als bei der gesetzlichen für deutliche bessere Leistungen.. Sozial wieder echt gerecht. Es sollten ALLE zu ner Kasse wechseln die nix erhebt, dann machen die Abzocker dicke Backen, nicht alles gefallen lassen
ebneu schrieb am 09.03.2010 11:48:
Es sollte nur eine gesetzliche Krankenkasse in Deutschland geben. In diese zahlen alle Bürger mit Einkommen prozentual Beiträge ohne Beitragsbemessungsgrenze Wem die Kassenleistungen nicht gefallen, kann sich privat zusätzlich versichern. Die Kasse hat die Beiträge zu verwalten, kann deshalb auch kein Unternehmen sein. Die Bezüge der Führungskräfte sind in der Höhe zu begrenzen
Falk Ohlig schrieb am 09.03.2010 13:17:
An dieser Stelle zu diesem Thema wiederhole ich meine Meinung. Solange zweifelhafte Wohlfühl-, Nordic Walking- usw. Kurse, sogar im Ausland, durch die Krankenkassen von meinen Mitgliedsbeiträgen bezahlt werden, ist ein Zahlungsboykott vieler Mitglieder doch wohl verständlich. Mit Preventation hat das in den seltesten Fällen etwas zu tun
Sind das keine Argumente Herr Kastner?
mfg
Falk Ohlig
hjbega schrieb am 09.03.2010 17:56:
Chaos und Übelkeit in Deutschland wird nicht nur von den Krankenkassen erzeugt.
Hygieia schrieb am 09.03.2010 20:13:
@ Falk Ohlig
Die Ausgaben für die Zuschüsse zur Prävention sind in der Höhe begrenzt, die Anforderungen für Kursleiter sehr hoch. Diese Ausgaben für Prävention sind ein Mückenschiss gegenüber den Ausgaben im Nachhinein für Therapien und Medikamente. Diese sind zum Teil krankheitsfördernd oder tödlich und werden trotzdem ohne Mucken bezahlt.
Andreas Hufenreuter schrieb am 09.03.2010 20:19:
Diesen Zusatzbeitrag der Kassen muß man peukotieren.Die Aufsichtsräte geben sich höhere Gehälter,was wir als Volk bezahlen müssen.Schuld ist der Staat allen voran Fr.Merkeldie müssen dagegen etwas unternehmen,aber wahrscheinlich profitieren auch die ganzen Politiker noch mit davon.Zeit wird es das Deutschland mal komplett demonstriert.Alles wird teurer aber der Lohn vom kleinen Bürger bleibt.
Liuwiss schrieb am 09.03.2010 22:36:
Ich nehme an, die Mehrheit des Volkes beginnt zu verstehen, daß ihre Krankenkassenbeiträge zuallererst in den Glaspalast der Kasse und in die Vorstandsgehälter fließt. Nun ja, wir müssen nach Beitrag 12mal vom Lohn neben Praxisgebühr nun noch Zusätze zahlen? Ich war dieses Jahr einmal zur Vorsorge, sonst nix.5PersonenHaushalt. Laternenmast??
Patrick schrieb am 09.03.2010 23:05:
Tja, ich weiß warum ich NICHT krankenversichert bin. 3 Jahre bin ich schon bei keinem Arzt mehr gewesen, und ohla, rund 10000 Euro GESPART Okay, ich kanns auch machen, weil ich kaum Risiko im Leben hab.
Aber an alle Krankenversicherten: Zahlt KEINESFALLS die Beiträge. Nur so zwingt ihr sie in die Knie, denn die haben MILLIONENÜBERSCHÜSSE im letzten Jahr erwirtschaftet
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