Tornado über Kücknitz: Nach 10 Sekunden war alles vorbei
An der Ecke Hochofenstraße/Friedrich-Ewers-Straße stürzte ein Baum auch auf eine Ampelanlage. Foto: DPA
Kraftfahrer Walter Wunder sitzt auf der Terrasse an der Ecke Friedrich-Ewers-Straße/ Hochofenstraße. Der 59-Jährige genießt das sommerliche Wetter. Doch binnen weniger Minuten ändert sich die Lage. Erst fallen ein paar Tropfen, und in der Ferne beobachtet er eine trichterförmige Figur am Himmel. „Dieser schwarze Kreisel raste förmlich“, berichtet Wunder. Nur Sekunden später kracht es gewaltig. Direkt neben seinem Gartenzaun knicken zwei große Straßenbäume ein. „Das Ganze hat gerade einmal zehn Sekunden gedauert. Zum Glück ist nicht mehr passiert“, sagt Wunder. Der Sturm hatte am Dienstag in Kücknitz zahlreiche Bäume umgeknickt (die LN berichteten).
Auch Otto Engelmann in der Dockstraße ist noch immer ganz erschrocken von dem, was sich am Dienstag gegen 16.40 Uhr vor seinem Balkon in der Dockstraße abgespielt hat. „Ich bin vorsichtshalber an der Balkontür stehen geblieben, als ich eine Wand die Straße entlang rollen sah“, so der 75-Jährige. Die vermeintliche Wand beschädigt diverse Bäume in der Umgebung. Ein kräftiger Ahornbaum bleibt vor seinem Balkon liegen. „So etwas habe ich noch nie erlebt“, sagt Engelmann noch schwer beeindruckt.
Laut Jutta Perkuhn, Meteorologin beim Seewetterdienst Hamburg, passen die Beschreibungen genau auf einen Tornado. Allerdings gebe es keine gesicherten Hinweise dafür, dass es sich bei dem Ereignis in Kücknitz tatsächlich um einen Tornado gehandelt habe. „Voll belaubte Bäume können auch bei Windstärke neun einknicken. Böen dieser Stärke hat es am Dienstag tatsächlich ganz punktuell gegeben“, so Perkuhn.
Fast wie durch ein Wunder hat der vermeintliche Tornado nichts Schlimmeres angerichtet. Nach Angaben der Polizei gab es mehrere entwurzelte Bäume und rund 25 zerstörte Baumkronen. Zudem wurden ein Auto in der Gichterstraße sowie ein Dach in der Eisenstraße durch umgestürzte Bäume leicht beschädigt. Der Bereich Stadtgrün, einige Gartenbaufirmen sowie Mitarbeiter des Berufsfortbildungswerks waren gestern mit den Aufräumarbeiten beschäftigt.
Auch Schlutup war betroffen. „Rund 400 Menschen waren da noch zu Besuch im Freibad“, berichtet Schwimmmeister Gerhard Marx. „Wir hatten alle Mühe, die Menschen rechtzeitig aus dem Wasser zu treiben.“ Das Unwetter sei mit aller Macht aufgetaucht. Blitz, Donner und Hagel verdrängten binnen weniger Minuten den Sonnenschein. Die Schwimmbecken liefen ob der Wassermassen schnell über, und Sturmböen zerlegten zwei Sonnenschirme. Marx: „Das Chaos hier hielt sich in Grenzen.“
In den letzten 7 Tagen schon 25 mal gelesen - zuletzt am 31.08.2010 um 11:09.
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