Lübeck ist Deutschlands Hauptstadt der Friseure
Anfang des Monats erst hat Claudia Wenk (26) sich ihren Traum vom eigenen Laden erfüllt. Sie hat das Geschäft in der Schwartauer Allee vom Tanja Prüssing übernommen, deren Name bald durch „Hair Event“ ersetzt werden soll.
Claudia Wenk (26) ist stolz. Sie hat mit „Hair Event“ nicht nur den jüngsten Salon in Lübeck, sondern gehört nun zu den Barbieren im „Paradies der Friseure“ (siehe Hitliste). „Die Lübecker legen Wert auf Qualität und wollen immer gut frisiert sein“, vermutet die 26-Jährige als Grund für den Titel. Ihren Laden in der Schwartauer Allee hat Wenk Anfang des Monats von Tanja Prüssing übernommen. „Ganz bei Null anzufangen, hätte ich nicht gewagt.“
Nach Auskunft von Ulf Grünke von der Handwerkskammer Lübeck ist in den vergangenen zehn Jahren ein „deutlicher Zuwachs“ neuer Betriebe zu verzeichnen. „Im Jahre 2000 gab es 199 Friseure, heute sind es 236“, sagt der Sprecher und nennt den „Trend zur Filialisierung“ als einen möglichen Grund. Angesichts der Bestplatzierung wundert es nicht, dass viele junge Leute das Handwerk lernen wollen. Grünke: „Der Friseur rangiert bei den Frauen unangefochten auf Platz eins der beliebtesten handwerklichen Ausbildungsberufe.“
Als Heino Havemann sein Handwerk lernte, sah das Berufsbild noch anders aus. „Jeder Kunde hatte bei uns sein eigenes Rasierzeug, mit Namen beschriftet, im Regal stehen“, erzählt der Mann ganz in Weiß, dessen Vater Theo den „Salon Havemann“ vor knapp 84 Jahre gründete. Laut Handwerkskammer hat Havemann damit den ältesten Laden in der Stadt, und der Chef erinnert sich gut an die Anfangsjahre. „Haare waschen gehörte damals nicht zum Tagesgeschäft“, sagt er und erzählt, wie sein Vater Wasser noch aus einem Brunnen holen und über dem Badeofen erhitzen musste. „Die Herren bekamen zur Rasur eine Kopfmassage und Gesichtskompressen. Die Damen ließen sich die Haare mit dem Brenneisen ondulieren.“ Und jeder erwartete den neuesten Tratsch.
Wenngleich Havemann die Entwicklung des Berufes seit Jahrzehnten verfolgt, weiß er auch keine Erklärung für den Hauptstadt-Titel. „Vielleicht weil es immer mehr kleine Betriebe mit nur ein, zwei Mitarbeitern gibt“, vermutet der 65-Jährige, der noch lange nicht Schluss machen will. „Ich mach bis 85, dann geh’ ich in Teilzeit“, sagt der Chef lachend und zupft Anita Klugmann (65) die frisch geschnittenen Haare in Form. Dass sie 235 Alternativen in der Stadt hat, interessiert die Gastronomin nicht besonders. „Ich gehe seit fünf Jahren hierher und hier bleibe ich“, sagt sie.
Als Obermeister der Innung lobt Thomas Behrens (39) die Betriebe, die sich „der Tradition verpflichtet“ fühlen. „Leider gibt es auch solche, die das Handwerk zu Schleuderpreisen verramschen“, sagt der Meister, der sich Anfang des Jahres mit Karina Brendel und Silke Schacht – ebenfalls vom Innungsvorstand – zusammengetan hat. „Die Friseurmeister“ heißt ihr Salon in der Kronsforder Allee. „Wir teilen uns alle Kosten, jeder ist aber für sich verantwortlich – ähnlich wie eine Gemeinschaftspraxis.“
Michael Starbusch von der Kreishandwerkerschaft freut sich angesichts der vielen Barbier-Betriebe darüber, dass gut 60 davon zur Lübecker Innung gehören. „Sie ist damit – von der Mitgliederzahl her – eine der größten im Friseurhandwerk auf Bundesebene.“
In den letzten 7 Tagen schon 28 mal gelesen - zuletzt am 31.08.2010 um 20:43.
M.Schülermann schrieb am 28.07.2010 11:55:
Anmerkung:
Der Vergleich mit einer Gemeinschaftspraxis ist nicht korrekt. Eine Gemeinschaftspraxis rechnet gemeinsam ab und teilt die Gewinne und die Kosten. Was Sie meinen ist eine Praxisgemeinschaft.
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