vom 28.07.2010 00:00
Rund 20,7 Prozent der Beschäftigten in Deutschland haben 2008 einen Lohn unterhalb der Niedriglohnschwelle der Industrienationen erhalten, ermittelte das Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ*) der Universität Duisburg-Essen. Insgesamt 6,55 Millionen Arbeitnehmer seien demnach im Niedriglohnsektor tätig – so viele wie nie zuvor.
Die meisten Dumpinglöhne gibt es nach Angaben von Helmut Uder vom DGB Nord im Hotel- und Gaststättengewerbe, im Reinigungsgewerbe sowie bei Bewachungsunternehmen. Stundenlöhne von unter 2,50 Euro seien keine Seltenheit. Innerhalb von zehn Jahren sei die Zahl der Niedriglohnempfänger um 2,3 Millionen Menschen gewachsen. 3,6 Prozent der Niedriglohn-Beschäftigten bekämen sogar „extreme Niedriglöhne“ von unter fünf Euro je Stunde, weitere 6,7 Prozent von unter sechs Euro.
Laut einer Analyse der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) betragen Niedriglöhne weniger als zwei Drittel des mittleren Stundenlohns in einem Land. Die Niedriglohnschwelle für Westdeutschland liegt bei 9,50 Euro, für Ostdeutschland bei 6,87 Euro.
Im Untersuchungszeitraum von 1995 bis 2008 habe sich der Anteil der Niedriglohnbeschäftigten in Deutschland von 14,7 Prozent auf 20,7 Prozent erhöht, teilte das IAQ gestern mit. Besonders stark von Niedriglöhnen betroffen seien Minijobber, junge Beschäftigte unter 25 Jahren, Ausländer, Frauen, gering Qualifizierte und befristet Beschäftigte. In den europäischen Nachbarländern ist der Niedriglohnanteil deutlich niedriger.
Hungerlöhne förderten die Armut in der Bevölkerung, schwächten die Kaufkraft und würgten die Binnenkonjunktur ab, sagt DGB-Nord-Chef Uwe Polkaehn. „Die Sozialversicherung wird durch sinkende Einnahmen ruiniert, der Sozialstaat durch steigende Sozialausgaben belastet“, erklärt er.
Weil die niedrigen Löhne nicht zum Lebensunterhalt ausreichten, seien viele Arbeitnehmer auf zusätzliche staatliche Unterstützung angewiesen. In Schleswig-Holstein gebe es über 48 000 erwerbstätige Arbeitslosengeld-II-Bezieher. Mehr als ein Viertel von ihnen verdiene mehr als 800 Euro im Monat; aber sie kämen mit ihrem Einkommen nicht aus der staatlichen Fürsorge heraus. „Wenn die Unternehmen wissen, dass diese Niedriglöhne durch ALG II subventioniert werden, warum sollen sie dann den Arbeitnehmern höhere Löhne anbieten?“ fragt Polkaehn. „Die staatliche Subventionierung von Dumpinglöhnen ist ein Skandal. Steuergelder der Arbeitnehmer werden benutzt, um Arbeitgebern, die schlechte Löhne zahlen, ihre Gewinne aufzubessern“, kritisiert Polkaehn. Nur ein angemessener Mindestlohn könne dafür sorgen, dass wer voll arbeite, auch seinen Lebensunterhalt allein bestreiten könne. gek
Martin K. schrieb am 28.07.2010 01:18:
Es ist noch nicht so viele Jahre her, da haben wir darüber diskutiert,ob es sinnvoll sein könnte bestimmte Tätigkeiten mit staatlichen Mitteln zu subventionieren, damit mehr Menschen, die zu hohen Löhnen nicht eingestellt werden einen Arbeitsplatz bekommen. Jetzt gibt es Arbeitsplätze mit Aufstockung niedriger Stundenlöhne und das ist anscheinend wieder falsch?
R.Petter schrieb am 28.07.2010 07:41:
Recht hat er.
wann ist endlich Schluss schrieb am 28.07.2010 08:07:
Natürlich ist das falsch Ein kleiner Anteil von Arbeitnehmern sollte anfangs vorübergehend- max. einhalbes jahr- zum Beispiel in Arbeitnehmerüberlassung arbeiten. Was haben wir heute- man bekommt keine Arbeit mehr ohne Zeitvertrag oder geht gleich in Leiharbeit. Was für ein Betrug am Arbeitnehmer. Damit wird dem Lohndumping alle Türen geöffnet. Es geht auf Kosten der Kaufkraft und wird schlimmer
Ludwig Persson schrieb am 28.07.2010 10:27:
Ganz genau, die Arbeitgeber, die solche Löhne zahlen sind die Sozialschmarotzer in diesem Land. Sie führen ein schönes Leben auf Kosten der Gemeinschaft und lassen sich ihre Arbeitnehmer vom Staat bezahlen. Aber solange wir von der Wirtschaft regiert werden, wird sich daran nichts ändern. Wer sollte das auch tun? Unsere Politiker? Lächerlich, das sind nur Marionetten der Wirtschaft.
Koma schrieb am 28.07.2010 11:05:
Wer für solch einen Hungerlohn arbeitet hat selber Schuld Da würde ich ja lieber harzen und nebenbei nen bißchen schwarz arbeiten...
Durch die ganze Leih-/Zeitarbeit ruiniert sich der Staat doch selbst und die Unternehmer machen das große Geld.
Und da wundert sich noch jemand, dass die Kriminalitätsrate durchgehend steigt?
Erich Wolf schrieb am 28.07.2010 11:09:
Unsere Regierenden sind doch in Wirklichkeit nur noch Lobbyvertreter. Gesetze werden in Gremien ausgehandelt, die von als "Sachverstndige" getarnten Lobbyvertretern gebildet werden. Da sollte nicht verwundern, dass der Staat groe Teile der Wirtschaft subventioniert, indem er Menschen zu Preisen arbeiten lsst, von denen sie nicht leben knnen.
Erich Wolf schrieb am 28.07.2010 11:12:
Die Regierenden sind doch heute nur noch Lobbyvertreter. Gesetze werden in Gremien aus "Sachverständigen" ausgehandelt, die in Wirklichkeit ebenfalls bestimmte Interessensgruppen vertreten. Da sollte nicht verwundern, dass der Staat Unternehmen subventioniert, indem er zulässt, dass Menschen zu Löhnen arbeiten müssen, von denen man nicht leben kann.
lupus schrieb am 28.07.2010 11:43:
Zeitarbeit und Minijob. Der Staat baut durch zulassung dieser Form von Bezahlung eine Altersarmut auf, die ohnegleichen sein wird.Denn keiner dieser Menschen wird später eine Rente bekommen bzw davon Menschenwürdig leben können. Dann werden Politiker der Zukunft ganz erstaunt sein, und ihr Bedauern ausdrücken. Mehr aber auch nicht, sowie es auch heute Politiker tun. Wenn überhaupt.
Henry Paul schrieb am 28.07.2010 12:01:
Angeblich werden ja Niedriglöhne sehr oft an gering qualifizierte Menschen bezahlt. Nun heißt es aber in der IAQ Studie das ca. 80 der betroffenen über eine Ausbildung oder sogar einen Hochschulabschluss verfügen. Ich sehe den Grund für Dumpinglöhne eher in der Gier der Arbeitgeber und der Unfähigkeit oder dem Unwillen lobbygesteuer Regierungspolitiker zeitgemäße Mindestlöhne einzuführen.
phoenix schrieb am 28.07.2010 13:44:
Der Billiglohnbereich ist eine "Verschlimmbesserung" des Arbeitsmarktes. Er ist staatlich sanktionierte Ausbeutung durch "schlaue" und ethisch fragwürdige Unternehmer. Der Stundenlohn wird gemeinhin gleichgesetzt mit einem vermeintlich menschlichen, qualitativen Wert. Und so kommt es bei den Betroffenen ja auch an Politische Irrtümer und Irrwege können und müssen korrigiert werden.
Lolbert schrieb am 28.07.2010 15:11:
Es ist nicht nur die Gier der Arbeitgeber, sondern auch die Gier der Kunden.
In bester "Geiz ist geil" Mentalität will man für 19,95 nach Malle fliegen und für 4,99 ein komplettes Menü haben. Das Dollarzeichen in den Augen der Kunden macht so blind, dass man im Internet jedem Betrüger nachläuft. Natürlich ist es dann "Abzocke", wenn sich die Rolex für 25,- als Fake herausstellt.
SIRHOT schrieb am 06.08.2010 14:24:
Arbeiten für ein hungerlohn,wenn schon Zeitarbeit dann aber auch der gleiche lohn des festangestellten..nie wieder Zeitarbeit für diesen lohn never ever..ich sag nur noch EINS DAZU der Staat Zwingt ein dazu scheisse zu bauen sei es schwarz arbeiten oder kriminelle sachen auf dieser weise das geld zu beschaffen..Deutschland macht sich selber kaputt ..ich hoffe ein poliker liest dies .
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