„Das war Liebe auf den ersten Blick“, schwärmt Werner Ploog von seinem Mobilheim. „In einem Wohnwagen hätte ich nie übernachtet. Aber das ist hier wie ein kleines Ferienhaus.“
Vor zweieinhalb Jahren hat sich der 79-Jährige mit seiner Frau Uta (67) auf dem Campingplatz Freizeitwelt in Güster das 40 Quadratmeter große Mobilheim gekauft. Platz-Betreiber Immo Wegner hatte mit der „Hütte auf Rädern“ im Stil eines dänischen Ferienhauses mit Laminatboden, Sofa, Küche, Dusche und richtigen Betten einen in die Jahre gekommenen Wohnwagen mit festem Vorzelt ersetzt – und damit heftige Diskussionen zwischen Campingwelt und Behörden ausgelöst. Denn während in den modernen Camping- und Wochenend-Platzverordnungen der Nachbarbundesländer die Bedingungen für Mobilheime klar geregelt sind, kamen in der verstaubten schleswig-holsteinischen Zelt- und Campingplatzverordnung aus den 70er Jahren derartige Behausungen überhaupt nicht vor. Lediglich von „nicht ständig für den Verkehr zugelassenen“ Wohnanhängern war zu lesen.
Das ist ab morgen anders. Mit der neuen Camping- und Wochenend-Platzverordnung bricht im nördlichsten Bundesland ein neues Camping-Zeitalter an. Diese hätte eigentlich schon 2005 verabschiedet werden müssen. Entsprechend groß ist die Erleichterung bei den Platzbetreibern im Land. Neben Mobilheimen können dann auch im Norden moderne Campinghäuser aufgestellt werden. Unterkünfte, wie sie in Niedersachsen oder Mecklenburg-Vorpommern schon lange erlaubt sind.
„Ich freue mich, dass wir nach zweieinhalb Jahren Kampf dieses Ergebnis auf dem Tisch liegen haben“, sagt Gerd Petzold, Vorsitzender des Verbandes der Campingplatzbetreiber Schleswig-Holstein. „Das eröffnet den Unternehmern neue Möglichkeiten und sichert die Zukunft der Plätze im Land.“ Die Betreiber ihrerseits stehen bereits in den Startlöchern, wollen die neuen Chancen nutzen. „Wir haben noch eine kleine Fläche frei und überlegen nun, dort Hütten aufzustellen“, sagt Bernd Muhl von Camping Stukkamphuk auf Fehmarn. Wichtig sei, dass die neue Ordnung deutlich einfacher und weniger reglementierend ist.
Voraussetzung für den Bau der Campinghäuser ist ein entsprechend geänderter Bebauungsplan. Dessen Genehmigung dauert oftmals nicht nur Jahre, sondern ist aufgrund von Naturschutzauflagen für viele Plätze vor allem in Strand- oder Seenähe nicht umsetzbar. Etwa 80 Prozent der Plätze in Schleswig-Holstein haben als Grundlage ohnehin lediglich einen Flächennutzungsplan. Daher hatte der Verband bei den Gesprächen darauf gedrängt, dass als Alternative zu Hütten Mobilheime als „Hütten auf Rädern“ ohne größeren bürokratischen Aufwand aufgestellt werden dürfen.
Wegner möchte Campinghäuser und Mobilheime aufstellen. Er ist sich sicher, dass die Nachfrage für neue, moderne Unterkunftsmöglichkeiten auf den Campingplätzen immer mehr zunehmen werde. „Durch den in den 90er Jahren eingeführten EU-Führerschein dürfen immer weniger Leute mit dem Auto einen Wohnwagen ziehen“, sagt Immo Wegner von der Freizeitwelt Güster. „Aber die Leute wollen die Natur hautnah erleben, ohne auf den gewohnten Komfort zu verzichten.“ Bislang wichen die potenziellen Gäste dann ins wenige Kilometer entfernte Mecklenburg-Vorpommern aus. Damit ist nun Schluss. Für 70 bis 90 Euro können sie nun in Güster in einem Mobilheim am Prüßsee übernachten.
Verbandschef Petzold hofft, dass die Gemeinden und Verwaltungen mit den Betreibern in die gleiche Richtung ziehen werden. Innenminister Klaus Schlie (CDU) hat daran keine Zweifel. „Ich bin mir sicher, dass die Behörden das jetzt auch so umsetzen“, sagt Schlie. Der Campingtourismus habe für das Land eine große Bedeutung.„Wir wollen auch zukünftig attraktive und wettbewerbsfähige Campingplätze in Schleswig-Holstein.“
Auch das Ehepaar Ploog ist nach der jahrelangen Hängepartie erleichtert. „Für uns ist diese Nähe zur Natur mit Laufen und Radfahren faszinierend. Die können wir zukünftig nun entspannt genießen“, sagt Werner Ploog. Die Fahrräder für die nächste Radtour um die lauenburgischen Seen stehen in einem kleinen Verschlag direkt neben ihrem Mobilheim.
Ruth Hartkopf schrieb am 31.07.2010 16:18:
Das hört sich ja alles sehr gut an,könnte aber wieder das Thema :Zweitwohnungssteuer
auf den Plan rufen,sobald genügend Nachfrage u.entsprechend viele "Hütten" auf den C-Plätzen stehen.
Rudi Rüssel schrieb am 01.08.2010 16:40:
@ Frau Hartkopf , da könnten Sie Recht haben. Der Staat wird sich schon was einfallen lassen, um uns Rentner noch mehr abzukassieren.
Camper schrieb am 02.08.2010 13:40:
Bleibt zu hoffen das dadurch nicht zu viele preiswertere Campinplätze zugunsten der Mobilheime und Campinghäuser wegfallen, weil der Betreiber damit mehr Geld verdienen kann. Auch kann diese neue Form des Campings parallel zu den vorhandenen Ferienwohnungen eine neue Konkurrenz werden.
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