Er stahl zwei Flaschen Schnaps in einem Möllner Supermarkt. Darauf kam es zu einer Rauferei mit dem Ladendetektiv und einer massiven Bedrohung. Der 26-Jähriger Möllner David K. muss sich vor dem Schöffengericht Ratzeburg wegen besonders schwerer räuberischer Erpressung verantworten. Doch den Nährboden für die kriminelle Entgleisung des psychisch kranken Mannes hat wohl sein Vater bestellt. Der religiöse Fanatiker Karl K. verteilte in Ratzeburg Visitenkarten mit seinem Konterfei und dem Schild „Jesus“ auf der Brust – und ermordete im Jahr 2007 den Bruder des Angeklagten.
Der junge Mann auf der Anklagebank spricht langsam, seine Augenlieder sehen verschlafen aus. Wenn der Richter eine Frage stellt, braucht er lange, um zu reagieren. „Ich bin momentan komplett medikamentös eingestellt, wie man vielleicht merkt“, kommentiert der 26-Jährige sein Auftreten. Zusammen mit einem Betreuer ist er aus Berlin angereist, wo er in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht ist. Zu dem Vorfall am 26. August 2010 vor dem Möllner Marktkauf in der Industriestraße kam es, weil der junge Mann sich mit seinen Freunden aus einem Mehrfamilienhaus mit Schlichtwohnungen nach eigenen Angaben „besaufen und bekiffen wollte.“ Ein 62-jähriger Kaufhausdetektiv stellt ihn. Eine Flasche gibt der 26-Jährige dem Detektiv, die andere allerdings will er behalten. Es kommt zur Rangelei. Die Kontrahenten stürzen ins Gebüsch. Dabei landet der Jüngere mit den Knien auf der Brust des Älteren. In dieser Position droht K. dem Detektiv laut Anklage Schläge mit einer Luftpumpe aus Metall an, sofern er ihn nicht gehen lässt. „Dabei habe ich ihm vorher angeboten, dass er gehen darf, wenn er mir die Flasche zurückgibt“, berichtete der 62-Jährige im Gerichtssaal.
Inzwischen kommen Passanten dazu und versuchen, die Gegner zu trennen. Als sich der junge Mann vom 62-Jährigen lösen kann, setzt er die geklaute Whiskyflasche an und trinkt sie laut Zeugen halb leer. Aus Ärger darüber, dass seine Jacke im Gefecht aufreißt, bespuckt er nach Angaben eines Zeugen den Detektiv noch mit Whisky.
Auf Nachfrage des Richters Martin Mrozek, warum er die zweite Schnapsflasche nicht herausgegeben habe, gab der Angeklagte an, dass er mies gelaunt war und sich unbedingt betrinken wollte. K. wurde nach dem Vorfall auf die Wache gebracht, wo eine Alkoholkonzentration von über 1,6 Promille im Blut festgestellt wurde. Der Detektiv erlitt Prellungen, bekam von K. aber später Schmerzensgeld. „Es tut mir wirklich leid, ich wirke vielleicht aggressiv. Aber ich schlage nicht. Das war meine Drogenphase“, so K.
„Die Familie K. kenne ich schon lange“, sagte ein Polizist im Zeugenstand, der den 26-Jährigen damals mit auf die Wache genommen hatte. David sei öfter aggressiv gewesen, habe „sich von Alkohol ernährt“.
Und plötzlich kommt das schlimme Schicksal des jungen Mannes, der nun unruhig auf der Anklagebank hin und her rutscht, auf die Tagesordnung. Vor vier Jahren nämlich spielte sich im Elternhaus des 26-Jährigen ein Familiendrama ab, das bundesweit für Schlagzeilen sorgte. Sein Vater Karl K. erstach seinen damals 22-jährigen Bruder Thomas K. offenbar aus religiösem Fanatismus. Als dieses Thema angesprochen wird, schlägt David K. die Hände über dem Kopf zusammen, bittet dann um eine Pause.
Zum Schuldspruch kam es am ersten Prozesstag nicht. Ein Jahr Haftstrafe droht jedoch bei besonders schwerer räuberischer Erpressung in minder schwerem Fall. Das Urteil wird am 15. Februar erwartet. ln
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