Fredeburg – Eigentlich hätte es bei der Winterversammlung der Nordzucker AG, des Rübenanbauer- und Aktionärsverbandes Nord (RAN) sowie des Zuckerrübenanbauerverbandes Schleswig-Holstein in Fredeburg nur strahlende Gesichter geben müssen. Denn durchweg alle 70 Anwesenden freuten sich über ein phantastisches Rübenjahr. Johannes Henner Langhans aus Behlendorf, Vorstandsmitglied des RAN, berichtete: „In unserer Region Lauenburg/Stormarn konnten die Landwirte einen Zuckerertrag von 11,6 Tonnen je Hektar erzielen. Dieser Ertrag liegt rund fünf Prozent über dem Durchschnitt der vergangenen Jahre.“
Diese Super-Ernte erklärte er mit der frühen Aussaat Anfang 2011, dem regenreichen Sommer und einem trockenen Herbst mit vielen Sonnenstunden. Insbesondere der nicht endende Altweibersommer habe für optimale Rodebedingungen gesorgt, so dass die Rüben trocken und sauber in die Fabrik kamen, wo sie störungsfrei auf hohem Niveau verarbeitet wurden.
Auch Niels Pörksen, Agrarvorstand der Nordzucker AG, schwärmte: „Wir haben die Chancen am Markt konsequent genutzt und daher ein herausragendes Ergebnis erzielt.“ Während der Rübenkampagne 2011/2012, die Ende Februar endet, wurden in den deutschen Werken des Braunschweiger Konzerns im Schnitt 13 Tonnen Zucker pro Hektar erzeugt. Ein Drittel der Anbauer erzielten sogar 15 Tonnen, und es seien auch bereits Betriebe dabei, die gar 20 Tonnen je Hektar geerntet hätten.
Diese 20 Tonnen sind anvisiertes Ziel des so genannten 20-20-20 Projektes: Im Jahr 2020 will man mit den 20 Prozent der ertragsstärksten Betrieben nachhaltig die 20-Tonnen-Marke erreichen, erklärte Frank Knälmann von der Zentrale Strategie Rohstoffbeschaffung. Angesichts des weltweiten Zuckerverbrauchs sei diese Ertragssteigerung dringend notwendig. So erfreulich die Erntezahlen sind, so ärgerlich ist aus Sicht der produzierenden Betriebe die blockierende Haltung der Nordzucker AG bei den Rübenpreisen. Aktuell lägen die Mindestpreise inklusive Zuschlag bei 30 Euro je Tonne. Die Bauern wollen angesichts der Verdoppelung des Konzerngeschäftsergebnisses auf 139 Millionen Euro auch „einen Schluck aus der Pulle“, so Jürgen Winter vom Dachverband der Zuckerrübenanbauer. Pörksen: „Wir wollen Sie gerne am Erfolg beteiligen. Aber wir können nicht mehr zahlen, als in der Kasse ist.“
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