Herbert Weihmann, Vorsitzender der Patengemeinschaft für hungernde Kinder (Sitz in Sahms) ist von seiner fünfwöchigen Reise nach Südindien zurück. Zum fünften Mal hat er Heime und Familien besucht, Management und Abrechnungen überprüft und mit den vier indischen Mitarbeitern über ihre Aufgaben gesprochen.
„Ich habe vieles auf den Weg bringen können, musste aber auch erfahren, wie schwer es ist, gegen die emotionale Befangenheit rationale Entscheidungen zu treffen“, sagt Weihmann, der das Amt 2010 von Dieter Hueske (Elmenhorst) übernommen hat.
Die Patengemeinschaft ist ein Erfolgsprojekt: 1965 von Adolf Klein in Sahms gegründet mit einem jährlichen Spendenaufkommen von 3400 Euro, gab es 2010 einen Jahresabschluss von rund 564 000 Euro. Außerdem noch eine Erbschaft von mehr als 200 000 Euro, so dass zwei neue Kinderheime gebaut werden können. Sie stehen kurz vor der Einweihung. „Die Inspektionsreise 2011 hatte einen anderen Schwerpunkt. Es ging auch um Bauaufsicht bei den Neu- und Anbauten, Fragen der Zusammenarbeit mit indischen Behörden und Managementprobleme“, sagt Weihmann. So waren in drei der 35 Heime Kinder, die die Heime verlassen hatten, nicht abgemeldet worden. Noch immer gebe es fehlende Netzkapazitäten im Internet und Stromausfall, aber auch „zaghafte Ansätze von Straßenreinigung und Müllabfuhr“.
Weihmann und seine Frau haben meist in den Heimen der südindischen Staaten Kerala und Talminadu gewohnt, sind täglich mit den indischen Mitarbeitern im Auto einige hundert Kilometer zu den Patenkindern und Familien gefahren. Zum Frühstück gab es Maisfladen mit Gemüsesoße, Tee oder Reiswasser. Mittags gibt es für die Heimkinder Fleisch oder Fisch. „Den Kindern geht es gut. Sie erhalten durch unseren Verein Unterkunft, Verpflegung, Bekleidung, ärztliche Betreuung und Bildung. Der Schulbesuch ist Pflicht“, so Weihmann.
Die Patenschaft pro Kind kostet momentan 25 Euro im Monat. „Wir sind dankbar, wenn der Betrag etwas erhöht wird. Die Lebensmittel sind sehr teuer geworden.“ Auch nach Ende der Schulzeit werden die Kinder nicht allein gelassen. Der Verein hat ein Ausbildungsprogramm, das 90 Jugendliche bereits durchlaufen haben. „Mädchen wollen oft Krankenschwester oder Näherin werden, viele Jungen entscheiden sich für eine Ausbildung auf dem College“, sagt Weihmann. Dem Vorsitzenden haben auf seiner Reise viele Bitten um Hilfen erreicht, oft musste er ablehnen. So bat ein Nonnenkonvent, das ein Haus für behinderte Kinder hat, um Hilfe. „Eine dauerhafte Unterstützung hätte unserem Ziel widersprochen, junge Menschen über Schule und Beruf zu selbstbestimmter Zukunft zu helfen. Aber wir kamen uns irgendwie schäbig vor“, so Weihmann.
Erfreuliches gibt es von den beiden Neubauten zu berichten: Das Heim 39 „Martha Büttners Children’s Home“ und das Heim 40 „Dieter Hueskes Boys’ Shelter“machen gute Baufortschritte und können noch in diesem Jahr eingeweiht werden.
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