Das hätte durchaus in einer Katastrophe enden können. Es war nur ein Wäschetrockner, der am Donnerstagabend Feuer gefangen hatte, und es war sicherlich auch dem schnellen und umsichtigen Handeln einer 32-jährigen Pflegekraft zu verdanken, dass alle Bewohner des alten Bauernhauses in Koberg ohne Blessuren davon kamen. Alle werden vom Pflegedienst Hamester betreut, einige sind auf den Rollstuhl angewiesen, sogar ein Wachkomapatient musste gerettet werden. Offiziell gelten die Wohngruppen jedoch nicht als Pflegeheim.
Gegen 21.30 Uhr hatte die Pflegerin eine starke Rauchentwicklung im Gebäude bemerkt und schnell die Feuerwehr gerufen. Als erste kam die Freiwillige Wehr aus Koberg. Einsatzleiter Timo Wille erhielt die Info, dass etwa 20 Personen, viele davon in Rollstühlen, noch im Gebäude seien. „Parallel zur sofort eingeleiteten Menschenrettung, forderte ich sämtliche Wehren aufgrund dringend benötigter Atemschutzgeräteträger aus der näheren Umgebung nach“, berichtete er später.
Die Leitstelle alarmierte ein Großaufgebot an Rettungskräften mit dem Einsatzstichwort ,Massenanfall an Verletzten‘. „Am Einsatz beteiligt waren die acht Freiwilligen Feuerwehren aus Koberg, Nusse, Ritzerau, Schiphorst, Sirksfelde, Borstorf und Linau sowie die technische Einsatzleitung und die Rufbereitschaft der Kreisfeuerwehrverbandes“, zählte Kreiswehrführer Michael Raddatz auf. Insgesamt waren rund 150 Kräfte vor Ort, denn die Brandschützer erhielten auch noch Unterstützung durch vier Notärzte aus Mölln und Geesthacht, den leitenden Notarzt, sieben hauptamtlich und vier ehrenamtlich besetzte Rettungswagen mit der Schnellen Einsatzgruppe.
Atemschutzträger brachten immer wieder ältere Menschen, denen Fluchthauben übergezogen wurden, aus dem verqualmten Gebäude nach draußen und übergaben sie dort den Sanitätern. Zwei Bewohner, davon ein Wachkomapatient, sowie eine Pflegerin mussten mit Verdacht auf eine Rauchgasvergiftung ins DRK Krankenhaus nach Ratzeburg gebracht werden. Die anderen 17 Bewohner wurden im Dorfgemeinschaftshaus, das als Notunterkunft hergerichtet wurde, untergebracht. Nachdem der brennende Wäschetrockner gelöscht war und um 22.15 Uhr die Meldung „Feuer aus, 20 Personen gerettet“ kam, wurde das gesamte Haus nochmals überprüft. Wann die Bewohner zurück in die Einrichtung können, ist noch unklar. Zur Schadenshöhe liegen noch keine Angaben vor. Gegen 3.35 Uhr war der gesamte Einsatz beendet.
Das ehemalige Bauernhaus in der Dorfstraße 70 ist in vier Wohngruppen eingeteilt, in denen die Bewohner von einem ambulanten Pflegedienst betreut werden. Wie viele es genau sind, darüber scheiden sich die Geister. Nach Auskunft des Vermieters, einem Landwirt aus Rethwisch, sind es 19 Menschen, nach Auskunft der Pflegefirma sind es 20. Doch beim Einwohnermeldeamt, sagt Sandra Hillebrandt vom Ordnungsamt Sandesneben/Nusse, seien nur 18 Menschen gemeldet. Alle Bewohner leben in eigenen, etwa 20 Quadratmeter großen Zimmern, die sie selbst gemietet haben. Es sind kranke oder behinderte Menschen, die nicht mehr alleine leben können. Allerdings handelt es sich offiziell nicht um eine Einrichtung „Betreutes Wohnen“ oder gar um ein Pflegeheim, auch wenn es von außen so aussieht. Mitarbeiter des Pflegedienstes sind ständig vor Ort und es ist auch eine ständige Nachtwache eingerichtet. Rechtlich ist jeder Bewohner aber ein eigenständiger Mieter. Somit sind alle Kontrollen in Bezug auf Pflegeheim oder ambulantes betreutes Wohnen ausgehebelt.
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