Die Bio-Bauern Karsten Hildebrandt (Fuhlenhagen) und Florian Gleißner (Fredeburg) sind Gründungsmitglieder der LIGA. Das steht für Lauenburgische Initiative für gentechnikfreien Anbau. Inzwischen haben sich 22 Landwirte und drei Forstbetriebe angeschlossen. „Wehret den Anfängen“, sagt Florian Gleißner, seit 14 Jahren einer der vier Pächter der Domäne Fredeburg. Für ihn gehört Gentechnik weder auf den Acker noch auf den Teller. Er warnt, dass es noch keine langjährigen Erfahrungen mit gentechnisch veränderten Pflanzen gibt. Der Vorgang: Einzelne Gene werden isoliert und artübergreifend kombiniert und in andere Organismen eingebaut. „Das macht die Pflanzen beispielsweise resistent gegen Schädlinge oder Pflanzenschutzmittel, eine Veränderung, die nicht über den normalen Weg der Zucht geschieht, aber sehr wohl über die normale Befruchtung der Blüte weiter verbreitet werden kann. Die Verbreitung über Insekten oder Vögel ist nicht zu kontrollieren“, sagt er. Zwar wirke das zum Beispiel in dem gentechnisch verändertem Mais produzierte Toxin tödlich auf Schädlinge, aber eben auch auf andere Insekten, und jede einzelne Maispflanze könne dieses Gift produzieren. „Ursprünglich sollte mit dem Toxin nur der Maiszünsler in Schach gehalten werden.“ Seine weitere Befürchtung: Die genveränderte Pflanze bleibe nicht auf dem eigenen Acker, sondern das Samenmaterial drifte auf andere Felder über. „Das kann zum Krieg auf dem Land führen.“
Keine Panik: Bisher ist Deutschland nahezu gentechnikfrei. Nur die Kartoffel Amflora wurde in 2011 auf einem zwei Hektar großen Versuchsfeld in Sachsen-Anhalt angebaut. Hierbei handelt es sich um eine veränderte Kartoffelsorte, die ein Antibiotika-Resistenz-Gen enthält.
Mehr Sorge bereitet den Bio-Bauern das gentechnisch veränderte Futtersoja aus Übersee, das überwiegend in den USA und Brasilien angebaut wird und von deutschen Bauern zur Tierfütterung genutzt wird. Er enthält Herbizidresistenzen, übersteht dadurch als einzige Pflanze auf dem Feld den Einsatz von Unkrautvernichtungsmittel und ist somit für die industrielle Massenproduktion eine ideale Pflanze. „Futtersoja ist billig und wird von Landwirten gern genommen. Wir essen Milch und Fleisch und wissen nicht, welche Folgen das auf unsere Gesundheit haben kann, denn gentechnisch veränderte Pflanzen werden erst seit 1996 angebaut“, sagt Karsten Hildebrandt. Er möchte die Verbraucher wach rütteln, ein Bewusststein für die eventuelle gesundheitliche Gefährdung schaffen. „Wer im Supermarkt Fleisch kauft, sollte fragen, ob das Tier mit gentechnisch verändertem Futter aufgewachsen ist. Je mehr Verbraucher kritisch fragen, desto eher wird sich die Industrie umstellen“, sagt er. Dass das gehen kann, zeigten auch schon etliche konventionelle Lebensmittelverarbeiter, vor allem im Milchproduktesektor. Dass Bio-Fleisch viel teurer ist als Schnitzel vom Discounter, ist für die Bio-Landwirte kein Argument. Florian Gleißner: „Unsere Gesundheit sollte uns etwas wert sein. In den 50er Jahren wurden 50 Prozent des Einkommens für Lebensmittel ausgegeben, heute sind es elf Prozent.“
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