Die Industrie und Handelskammer zu Lübeck will sich erneut für den Ausbau des Elbe-Lübeck-Kanals stark machen und hat nun die Wirtschaft aufgefordert, initiativ zu werden. Die größeren Firmen im Kreis haben ein starkes Interesse am Ausbau für den Containertransport.
2011 wurden rund 600 000 Tonnen Güter transportiert. Von der Hafenwirtschaft muss ein Frachtaufkommen von jährlich sechs Millionen Tonnen belegt werden. Nur dann wird der Kanal als vordringliche Maßnahme in den neuen Bundesverkehrswegeplan 2015 kommen.
„Kein Problem“, sagt Hauke Thordsen, Geschäftsführer der Firma ATR Landhandel GmbH & Co in Ratzeburg. Die Firma habe Umschlagsilos in Lübeck und Mölln, dort derzeit ein Frachtaufkommen von rund 50 000 Tonnen im Jahr (Getreide, Dünger, Futtermittel). „Wenn der Kanal schiffbar wäre, könnten wir die dreifache Menge umschlagen“, sagt Thordsen. Der baltische Raum habe sich zu einer großen Getreideexportregion entwickelt. Große Mengen gingen nach Deutschland. „Der Lübecker Hafen wäre prädestiniert, aber noch ist die Fracht zu teuer, weil die Schiffe zu klein sind. Stattdessen werden die Güter von teuren Lastwagen durchs Land gefahren. Es ist traurig, dass es keinen vernünftigen Zugang von der Ostsee zum Binnenwassernetz gibt, der Elbe-Lübeck-Kanal nicht nutzbar ist.“
Auch bei Raiffeisen Mölln in Breitenfelde versucht man, möglichst viele Massengüter über den Elbe-Lübeck-Kanal zu transportieren. Geschäftsführer Dr. Ernst Kühnle: „Für uns ist es wichtig, Getreide, Rapssaat und Düngemittel umweltbewusst zu transportieren. Wir nutzen gerne die Schiene und den Kanal. Im Hafen Mölln beladen wir Schiffe mit Getreide und Rapssaat und entladen Düngemittel.“ Getreide und Rapssaat gingen in den Hamburger Hafen und von dort in alle Welt. Allein im Jahr 2011 seien so die Straßen rund um Hamburg von Raiffeisen Mölln um 1250 Lkw-Ladungen (31 000 Tonnen Fracht) in Richtung Hafen Hamburg entlastet worden. „Leider können die heute üblichen Binnenschiffe den Elbe-Lübeck-Kanal nicht befahren, da die Schleusen zu klein sind. Unseren Umschlag an Düngemittel mussten wir 2011 deshalb zu 50 Prozent vom Hafen Mölln an die Elbe nach Geesthacht verlegen und weite Wege mit dem LKW zurücklegen.“ Das seien 400 zusätzliche LKW-Ladungen (10 000 t Fracht) für die stark belasteten Straßen in der Region. Die Kombination aus Wetter- phänomen und schlechtem Zustand des Kanals habe das Frachtaufkommen im Bereich Getreide um 40 Prozent von 2010 (50 000 t) nach 2011 (31 000 t) reduziert. Raiffeisen Mölln habe 2011 eine Bauvoranfrage für eine deutliche Kapazitätserweiterung im Möllner Hafen gestellt. Die Umsetzung dieser Investition hänge nicht unwesentlich vom Ausbau des Elbe-Lübeck-Kanals ab.
Für den Holzhandel Michelsen in Mölln spielt der Kanal keine Rolle mehr. Prokurist Lars Westphal: „In den 70er Jahren kamen Güterschiffe aus Russland und Skandinavien. Heute lohnt es sich nicht mehr, die benötigten Mengen sind zu gering. Die Kunden wollen ’just in time-Lieferungen’. Holzvorräte werden kaum gelagert. Auch die Firma Späne-Meyer in Mölln hat den Kanal in den vergangenen zwei Jahren nur wenig genutzt. Geschäftsführer Olaf Meyer: „Wir hatten 2011 einige Paletten, die im Möllner Hafen beladen wurden. Unsere Sägespäne und Pellets werden aber überwiegend in dieser Region mit Lkws transportiert.“
Mehr Unterstützung für den Kanalausbau wünscht sich die SPD-Bundestagsabgeordnete Gabriele Hiller-Ohm. „Es kann nicht sein, dass die Ostsee vom Binnenschifffahrtsnetz abgeschnitten wird. Bisher ist nur die Schleuse in Lauenburg erneuert. Sie allein hat die Maße für Großmotorgüterschiffe.“ Auch die für den Containertransport erforderliche Anhebung der Kanalbrücken stocke. „Der Bund ist in der Pflicht, die 2009 zugesagten Verhandlungen mit Land und Bahn positiv abzuschließen.“
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