Eingeladen hatten alle Fraktionen der Stadtvertretung. Anlass waren vor allem jene Morddrohungen, die Rechtsextreme vor wenigen Tagen an mehreren Stellen der Stadt an Gebäude und Autos geschmiert hatten. Bedroht wurden hauptsächlich Mitglieder des Bündnissen für Demokratie und Toleranz, unter ihnen Pröpstin Frauke Eiben und Bürgermeister Rainer Voß.
Ratzeburgs Bürgervorsteher Ottfried Feußner betonte in einer Rede, dass alle demokratischen Kräfte der Stadt „ diese kriminellen Schandtaten auf das Schärfste verurteilen“. Die Kundgebung zeige, dass Ratzeburgs Bürger gemeinsam mit allen Fraktionen der Stadtvertretung „geschlossen gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus, Gewalt und Terror und die Bedrohung unserer Gesellschaft durch Extremismus in unserer Stadt und in unserem Land“ eintreten. Vertreter der Linken und der Piraten waren ebenso anwesend wie Schleswig-Holsteins Innenminister Klaus Schlie (CDU).
Ebenfalls für Freiheit und ein friedvolles Miteinander setzte sich dann in einem Gebet Ratzeburgs katholischer Pfarrer Felix Evers ein. Der Teufelskreis der Gewalt müsse durchbrochen werden, forderte er. „Wir beten aber auch bewusst für unsere Feinde. Mögen sie zur Besinnung kommen“, fügte er hinzu. Dann sang Evers mit den Anwesenden das jüdische Friedenslied „Schalom alejchem“.
Sichtlich beeindruckt von der großen Demonstration und den vielen aufmunternden Briefen, Mails und Anrufen, die er in den letzten Tagen bekommen hatte, zeigte sich Ratzeburgs Bürgermeister Rainer Voß: „So viel Solidarität zu spüren, tut gut“, sagte er den LN.
Viel Interesse fand auch die bunte Plakataktion des Lauenburgischen Kunstvereins unter dem Motto „Sich bekennen, sich benennen“. Jeder, der mochte, konnte seinen Namen oder einen Slogan auf ein Plakat schreiben. „Der Marktplatz sowie die ganze Stadt Ratzeburg gehören den Aufrichtigen, nicht den rechten Schmierfinken“, erklärte dazu der Vereinsvorsitzende Dr. William Boehart. nd
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