Die „Evangelische Zeitung für Hamburg & Schleswig-Holstein“ widmet der Geschichte sogar eine ganze Reportage. Und auch nach dem Höhepunkt des Konflikts, dem gemeinschaftlichen Kirchenaustritt von über 30 Personen, ist die Bürgerinitiative gegen Kiesabbau (BI) nicht verstummt. Nun dürfen sie ihrem Ärger bei Bischof Gerhard Ulrich Luft machen. Der Vorsitzende der Kirchenleitung der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche hat die BI zum Gespräch nach Kiel am 10. Februar eingeladen.
„Wir haben bereits Mitte Dezember mit dem Büro des Bischofs Kontakt aufgenommen“, berichtet Moritz Leidl, Sprecher der BI aus Büchen-Dorf (Die LN berichteten). Erst jetzt allerdings hat er es schriftlich: „Ich und weitere Mitglieder der Initiative werden ins Nordelbische Kirchenamt nach Kiel fahren“, sagt er weiter. Bei dem Gespräch soll auch Pröpstin Frauke Eiben anwesend sein. „Laut Kirche, damit der Bischof sich beide Seiten anhören kann“, berichtet Leidl weiter. Nach den Protesten und dem Massenaustritt am 6. Dezember waren die Mitglieder der Bürgerinitiative sicher, es werde eine persönliche Reaktion der Kirche geben. Schließlich fehlten der 4000 Mitglieder zählenden Kirchengemeinde plötzlich über 30 Steuerzahler. Darüber hinaus hatte die Kirche doch Kommunikationsdefizite bei der außerordentlichen Gemeindeversammlung am 30. November eingeräumt, die es zu verbessern gelte. „Stattdessen bekamen wir alle nur ein Standardschreiben als Antwort auf den Austritt,“ so Leidl. Bedauern und der Hinweis darauf, dass mit dem Austritt das Recht auf eine kirchliche Beerdigung und die Übernahme eines Patenamtes verwirkt sei, kamen zum Ausdruck. Besonders verärgert ist Leidl über den letzten Satz des Schreibens: „Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie mit uns in Kontakt treten. Vielleicht haben Sie wertvolle Anregungen für unsere Arbeit.“
„Das klingt schon fast zynisch. Alle Nachbarn, die diesen Brief bekommen haben, sind genauso entsetzt wie ich über diese Ignoranz, mit der man das Thema offensichtlich weiterhin unter den Teppich kehren will“, sagt Leidl. Dabei wolle die Bürgerinitiative auch gern zurück zu einem „normalen“ Miteinander. „Uns fehlt aber die Einsicht auf Seite des Kirchenvorstandes darüber, was man der Bevölkerung Büchens antut. Und die entsprechenden Konsequenzen – zur Not auch personelle“, bemerkt Leidl.
Nach der Berichterstattung am 8. Dezember hatte auch das NDR-Fernsehen über den Konflikt in Büchen berichtet. Die Pröpstin Eiben hatte dann in einem Artikel der „Evangelischen Zeitung für Hamburg & Schleswig-Holstein“ vom 15. Dezember ihr Bedauern über die Kommunikation geäußert und Gespräche mit dem Büchener Bürgermeister und den Betroffenen angekündigt. „Ich hoffe, dass wir wieder zu einem guten Miteinander in Büchen gelangen“, wird sie in der Zeitung zitiert. Das Blatt hatte auch Vertreter der Bürgerinitiative zum Interview nach Hamburg geladen.
Das Land ist verkauft. Rechtlich gibt es wohl kaum noch Spielräume, um die Pläne der Kiesfirma „Ohle & Lau“ für das Areal in Büchen-Dorf zu verhindern. „Wir haben noch die Hoffnung gehabt, wirklich ins Gespräch zu kommen und gemeinsam mit dem Kirchenvorstand noch etwas ändern oder rückgängig machen zu können“, sagt Leidl. Eine Alternative zum Kiesabbau gibt es seiner Meinung nach noch immer.
Jetzt hofft die BI, dass die Gespräche mit dem Bischof etwas bringen. Leidl: „Weil eine Aufarbeitung vor Ort ja offenbar nicht erwünscht ist.“
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