Schwarzenbek – Das DRK Schwarzenbek ist der größte Ortsverein im Kreis und mit fast 180 haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern ein kleines mittelständisches Unternehmen, das auch 2012 expandieren will. Die Lübecker Nachrichten sprachen mit Rechtsanwalt Joachim Vilmar (59), seit zwei Jahrzehnten Vorsitzender des Ortsvereins – auch über die zweifelhaften Abrechnungen im Kreisverband und die Patientenversorgung.
Lübecker Nachrichten: Haben sich die Aufgaben des DRK in den vergangenen zwei Jahrzehnten geändert?
Joachim Vilmar: Vieles hat sich geändert. Das DRK war damals an drei Stellen im Ort verteilt, das Büro war im Keller der alten Sparkasse. Unsere erste Aufgabe war die Zusammenführung. Das konnte 1992 mit dem Bau des DRK-Zentrums realisiert werden. Der Aufgabenumfang ist viel größer geworden. Neben den zahllosen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, die nach wie vor das Fundament des Vereins darstellen, haben wir insgesamt 33 hauptamtliche Kräfte beschäftigt.
LN: Gab es damals schon eine Sozialstation?
Vilmar: Ja, wir hatten die erste in Schleswig-Holstein. Damals waren noch die Stadt, die Umlandgemeinden und die Kirche Träger der Sozialstation, die nunmehr schon seit einigen Jahren allein vom Ortsverein getragen wird. Seinerzeit kümmerten sich zwei Gemeindeschwestern um alles, während heute 25 hauptamtliche Kräfte für die Patienten und Pflegebedürftigen tätig sind.
LN: Es wird oft beklagt, dass die Schwestern so wenig Zeit haben.
Vilmar: Die Krankenkassen schreiben die Minuten beim Patienten vor. Das ist ein großes Problem, aber wir sind in das System eingebunden, und es gibt nur wenige Fälle, wo die Patienten nicht aus der Pflegekasse bezahlt werden.
LN: Wie viele Mitglieder hat der Ortsverein? Gab es Austritte nach Bekanntwerden der diffusen Abrechnungspraktiken im Kreisverband?
Vilmar: Wir haben rund 100 aktive und fast 1100 fördernde Mitglieder. Zählt man das JRK und die Wasserwacht hinzu, haben wir fast 1300 Mitglieder. Natürlich gab es Fragen an die Schwestern und an den Vorstand, vor allem von den Selbstzahlern. Als das Thema durch die Medien ging, gab es 15 Austritte. Gründe wurden aber nicht genannt. Wir sind ein eigenständiger Verein, haben mit den Abrechnungen des Kreisverbandes nichts zu tun. Das wissen die Bürger. Sie unterstützen unsere Arbeit.
LN: Wurden Sie vom Kreisverband zu einem Gespräch über die Vorgänge eingeladen?
Vilmar: Es gibt regelmäßige Zusammenkünfte zwischen Kreis- und Ortsvorständen. Auch damals wurden wir informiert. Wir haben dem Kreisverband den Rücken gestärkt. Die Betrugsvorwürfe müssen geprüft werden, keine Frage, aber es sollte keine Vorverurteilungen geben.
LN: Welche Pläne gibt es für 2012?
Vilmar: Zunächst ist der Umzug der Kleiderkammer in den alten Güterbahnhof geplant. Dann bekommt unser Geschäftsführer auch endlich ein Büro. Weiter bestehen Überlegungen, den Rot- Kreuz-Markt im Stadtteil Nordost zu kaufen und ein Begegnungszentrum zu schaffen. Hierzu gibt es auch Gespräche mit der Kirche hinsichtlich einer Zusammenarbeit, die im Zentrum St. Elisabeth Ähnliches plant. Wir denken derzeit über die Finanzierung nach, da wir alles ohne staatliche Beteiligung machen müssten. Außerdem soll die Sozialstation einen neuen, moderneren Namen bekommen.
LN: Wie ist der Zuspruch des vor einem Jahr geöffneten Marktes?
Vilmar: Sehr gut. An jedem Öffnungstag gibt es rund 50 zahlende Kunden. Hier kann übrigens jeder Bürger einkaufen. Es gibt viele sehr gut erhaltene Sachen – vom Geschirr bis zum kompletten Schlafzimmer.
LN: Blutspendeaktionen sind eine der Hauptaufgaben des DRK. Wie ist die Resonanz?
Vilmar: Während die Zahl der Blutspender im Lande rückläufig ist, haben wir etwa 200 Spender, die regelmäßig zu den 22 Terminen im Jahr kommen. Seit dem ICE-Unglück von Eschede auffallend viele junge Leute, die geblieben sind.
LN: Wie sieht es mit dem Nachwuchs aus?
Vilmar: Der wächst dank guter Führungskräfte fleißig nach. Wir haben derzeit sechs Jugendgruppen mit 60 Kindern, die jüngsten sind vier. 2011 sind sechs junge Leute in die aktive Bereitschaft eingetreten.
LN: Und die Finanzen?
Vilmar: 2010 hatten wir ein Defizit, aber 2011 haben wir wieder schwarze Zahlen geschrieben. Das Haushaltsvolumen beträgt 450 000 Euro für den Ortsverein, 750 000 Euro für die Sozialstation. Dazu haben wir 14 eigene Fahrzeuge und betreuen weitere acht des Katastrophenschutzes.
LN: Was wünschen Sie sich für 2012, damit die erfolgreiche Arbeit im Ortsverein weiter gehen kann?
Vilmar: Bei uns ist zu spüren, dass alle Helferinnen und Helfer an einem Strang ziehen und jeder seine Arbeit gern macht. Es gibt keine persönlichen Querelen. Alle ordnen sich den Grundsätzen und Regeln des Roten Kreuzes unter, um der Allgemeinheit zu dienen und dabei insbesondere die Schwachen und Hilfsbedürftigen zu unterstützen. Ich wünsche mir, dass das so bleibt.
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