Die Absage an eine Mais-Monokultur als alleinige Produktionspflanze für Biogasanlagen und das Bekenntnis zu einem Energiemix waren die konkretesten Ergebnisse einer Podiumsdiskussion im „Lauenburger Hof“ in Sandesneben zum Thema „Energiewende auf dem Lande oder Mais und kein Ende?“. Auf Einladung der CDU-Kreistagsfraktion saßen Thomas Böhm vom Landesjagdverband, Dr. Carl-Heinz Schulz, Fachbereichsleiter beim Kreis für Regionalentwicklung, Umwelt und Bauen, Tilmann Hack, Landwirt und Mitbetreiber der Biogasanlage in Labenz, sowie der CDU-Bundestagsabgeordnete Ingbert Liebing aus Nordfriesland auf dem Podium. Moderiert wurde die Runde vom Kreistagsabgeordneten Michael Sauerland aus Linau.
Nach einer kurzen Vorstellungsrunde entspann sich bald eine rege Diskussion zwischen den Experten und Zuhörern – rund 80 Gäste, unter ihnen Kreispräsident Meinhard Füllner und MdB Norbert Brackmann (beide CDU), zählte Kreisgeschäftsführer Christoph Beckmann. Von einer Vermaisung der Landschaft könne man im Herzogtum Lauenburg eigentlich nicht sprechen, beeilte sich Tilmann Hack zu berichten. Er selbst sei einer von fünf Teilhabern an der Biogasanlage in Labenz, vier von ihnen Landwirte. 700 Hektar benötigten sie, um den für die Biogasanlage erforderlichen Mais anzubauen. „Das ist von der Anlage sieben Kilometer in jede Richtung.“ Bei einer Gesamtfläche der beteiligten Bauern von 20 000 Hektar sei der Maisanteil entsprechend gering. Zudem habe man im Herzogtum aktuell 14 Biogasanlagen, die eine Ackerfläche von sechs bis neun Prozent für den Maisanbau benötigten. „Im Norden, im Raum Schleswig/Flensburg, stehen dagegen 124 Anlagen. Die haben dort oben ein echtes Maisproblem.“
Karl Bartels, Bürgermeister aus Klempau und selbst auch Landwirt, pflichtete Hack bei. Außerdem sei Mais gerade „auf leichten Böden eine interessante Frucht“, die selbst hier gute Ernten verspreche. Er mahnte aber, die Fruchtfolgen im Ackerbau einzuhalten, um nicht eine Resistenz gegen Herbizide zu riskieren.
Thomas Böhm berichtete aus Jägersicht von mehreren Problemen, die durch den verstärkten Maisanbau aufgetreten seien: zum einen die Flurschäden durch eine stark vermehrte Wildschweinpopulation, zum anderen der häufige Wirkungsverlust der Knicks zwischen den Maisanbauflächen.
Auf ein weitaus größeres Problem wies Dr. Carl-Heinz Schulz vom Kreis hin, als er die Bodenerosion auf den Maisäckern berichtete, die den Sand in die Gewässer bringe. Das konnte Günter Mund bestätigen. Der Büchener Bürgermeister und Vorsteher des Gewässerunterhaltungsverbandes Büchen/Steinau berichtete von katastrophalen Folgen: „Auf dem feinkörnigen Sand ist kein Leben möglich, die Bachsohle ist tot!“ Hier müsse dringend Abhilfe geschaffen werden.
Dennis Gabriel, Bürgermeister aus Witzeeze, wies zudem auf das desolate Netz der landwirtschaftlichen Wege hin. Die Einsatzfahrzeuge in der Landwirtschaft seien mit den Jahren immer größer und schwerer geworden, was den teils asphaltierten, teils auch wassergebundenen Wegen nicht gut bekomme. „Hier braucht es Unterstützung vom Bund oder vom Land. Die Kosten können nicht die Gemeinden alleine tragen.“ Notfalls müssten auch die Landwirte zur Kasse gebeten werden.
Dies ist aus Sicht Tilmann Hacks, der selbst stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde Lüchow ist, kein Problem. „Bei uns stehen drei Landwirte Gewehr bei Fuß bei entsprechenden Problemen, die Gemeinde bezahlt nur den Bagger.“
Um einem ausufernden Maisanbau zu begegnen, forderte Thomas Böhm eine klare Regelung durch die Landesgesetzgebung. „Es müssen Standards entwickelt werden, wo und wie viel Mais angebaut werden kann.“ Dieser Forderung wollte MdB Ingbert Liebing nicht zustimmen: „Eine übermäßige Regulierung kann nicht sein. Ich habe hohes Vertrauen in die lokale Politik und in die Gemeinden vor Ort, diese Probleme zu lösen.“
Liebings Fazit zum Thema Energiewende lautete: „Wir brauchen einen Mix aus erneuerbaren Energien – aber alles in Maßen.“ Man müsse auf jeden Fall gegensteuern, sobald sich Fehlentwicklungen wie jetzt beim übermäßigen Maisanbau zeigten. Beispielsweise würde die CDU auch bewusst lieber kleine, hofnahe Gülleanlagen fördern wollen als riesige Industrie-Biogasanlagen, wie es sie in den neuen Bundesländern gebe. Auch müsse man sich um die Akzeptanz von Bürger-Windparks bemühen. Schulz nahm vor allem die Politik in die Pflicht. An ihr läge es, die notwendigen Rahmenrichtlinien abzustecken.
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