Wenn die Bürokratie die Kultur bremst
Ohne dicke Akten geht gar nichts: Henning Dopp (l.), Maja Schroub und Rolf Schroub organisieren Konzerte.
Foto: Dreessen
Sie klagen darüber, dass es zunehmend schwierig wird, attraktive Veranstaltungen zu moderaten Eintrittspreisen auf die Beine zu stellen.
„Bei den meisten unserer kulturellen Angeboten sind die Besucher nicht bereit, mehr als zehn Euro Eintrittsgeld zu zahlen“, sagt Dr. Heinz Bohlmann, Kulturpfleger der Gemeinde Büchen und verantwortlich für das Programm in der örtlichen Priesterkate. Hier gibt es regelmäßig Konzerte, Kabarettabende und Vorträge.
Was die Besucher zahlen, erreicht die auftretenden Künstler aber nur zum Teil. Schon vorher gehen Steuern ab, muss ein Anteil an die Künstler-Sozialkasse (KSK, zuständig für die Altersversorgung) und an die Gema (zuständig für die Rechte an Darbietungen) gezahlt werden.
„Etwa zehn Prozent der Einnahmen gehen schon mal an die Gema und die KSK weg“, sagt auch Rolf Schroub aus Mölln, Geschäftsführer der Firma Argus Consulting, die musikalische Großveranstaltungen auf die Beine stellt. Dazu gehört auch die „Möllner Partynacht“ mit mehreren Schlagerstars am 2. Juni in der Stadtwerke-Arena. Schroub und sein Kollege Henning Dopp von CPS Events haben seit Wochen alle Hände voll zu tun, um den Papierkram zu erledigen, der mit so einem Abend für etwa 1700 Zuhörer verbunden ist.
„Eine irre Administration“ sei nötig erklärt Dopp. Ein halbes Jahr Vorbereitungszeit sei durchaus realistisch. So müssten für die Gema vorher detaillierte Listen aller Songs ausgefüllt werden, die die Schlagersänger darbieten wollen: „Einfach spontan ein Lied zu singen – das geht nicht.“
Für den Sicherheitsdienst, die Bewirtung, für Werbung und für die Reinigung der Halle müsse rechtzeitig Personal engagiert werden. Nach Schroubs Worten werden am 2. Juni in Mölln bis zu 35 Leute im Einsatz sein. Da seien die Eintrittspreise zwischen 26 und 31 Euro sehr moderat.
Schroub: „In Hamburg zahlt man bereits 40 oder 50 Euro.“ Die Bürokratie steige seit Jahren, die Gagen aber auch. Henning Dopp ergänzt, dass die Künstler das vereinbarte Honorar auf jeden Fall fordern – egal, wie voll die Halle ist: „50 Prozent bekommen sie im Vorwege, 50 Prozent am Abend des Auftritts. Und wenn nicht genug Zuhörer kommen, dann machen wir eben ein Minus.“
Die Finanzen bereiten auch Kulturpfleger Bohlmann Sorgen, zum Beispiel bei der Veranstaltung „Rock am Pool“ im Büchener Waldschwimmbad: „Das Finanzamt hat uns angedroht, dass wir dafür den vollen Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent zahlen müssen. Der kann erhoben werden, weil das Bad ein Spaßbad ist“. Wenn es so kommt, müssten die Eintrittspreise gegenüber dem Vorjahr erhöht werden. Bohlmann: „Das wäre sehr schade, weil wir bei ’Rock am Pool’ unbedingt familienfreundliche Preise nehmen wollen.“
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