Mölln – „Wenn Möllner Bürger aus anderen Stadtteilen über die Verkehrsbelastung in ihren Straßen klagen, kann ich nur lachen“, sagt Franz-Dieter Lange, der am Vorkamp wohnt. Nach seiner Schätzung donnern etwa 25 000 Fahrzeuge pro Tag an seinem Haus vorbei. Das ist in Mölln absoluter Rekord.
„Die letzte amtliche Zählung ergab 21 400 Fahrzeuge am Tag, aber die ist einige Jahre alt und der Verkehr hat weiter zugenommen“, so Lange. Es sei inzwischen so schlimm, dass „bei allen fest montierten Lampen im Haus alle drei Wochen die Glühbirnen locker sind“. Nicht nur viele tausend Autos nutzen jeden Tag die Straße Vorkamp an der Anschlussstelle Mölln Süd, auch unzählige Lastwagen, die in die Gewerbegebiete rollen. Sie dürfen nicht durch die Altstadt fahren, haben also nur eine Zufahrtsmöglichkeit nach Mölln hinein.
Sollte eines Tages die Möllner Altstadt völlig verkehrsberuhigt werden, was ja viele Bürger fordern, sieht Lange schwarz für seine Straße: „Dann führt der gesamte Verkehr in die Stadt hinein bei uns vorbei – ist das den Leuten eigentlich klar?“
Langfristig halten die Anlieger am Vorkamp den Bau einer neuen Kanalbrücke im Süden Möllns, als „Südumgehung“ lange in der Diskussion und 2010 bei einem Bürgerentscheid vorerst abgelehnt, für unbedingt nötig. Selbst wenn diese Straße kommt, wird es aber Jahre dauern, bis sie fertig ist. Bis dahin hält Lange eine andere Lösung für machbar: „Am Vorkamp könnte eine Tempobegrenzung von 30 Kilometern pro Stunden angeordnet werden. Das ist schnell umsetzbar und kostet fast nichts.“
Besonders ärgert Lange, dass an der Schmilauer Straße im Norden Möllns gerade eine solche Tempo-30-Regelung geschaffen wurde: „Da herrscht viel weniger Verkehr als bei uns, deshalb haben wir diese Entscheidung als Ohrfeige empfunden.“
Manfred Kuhmann, Leiter des Möllner Stadtbauamts, verweist darauf, dass in der Schmilauer Straße nur nachts Tempo 30 gefahren werden soll: „Die entsprechenden Hinweisschilder werden noch montiert.“ Außerdem sei die Veränderung in der Schmilauer Straße nicht von der Stadt, sondern von der Verkehrsaufsicht des Kreises vorgenommen worden.
Die Verkehrssituation am Vorkamp ist auch nach Kuhmanns Worten „sehr schwierig“, weil dort auch noch die Bahnlinie, zwei angrenzende Gewerbegebiete und mehrere Tankstellen für eine große Lärmbelastung sorgten. Die Stadt wolle aber „keine Einzellösung“, denn es gebe ja gerade im Süden Möllns auch noch andere stark befahrene Straßen wie die Berliner Straße oder den Grambeker Weg.
Die EU fordere ohnehin einen „Lärmaktionsplan“ für solche Gebiete, und deshalb werde man sich in Mölln auch sicher noch einmal mit dem Thema Tempobegrenzungen befassen.
Bisher allerdings ist Franz-Dieter Lange mit seinem Anliegen überall gescheitert. Der Möllner Bauausschuss hat schon vor längerer Zeit eine entsprechende Eingabe von ihm abgelehnt – einstimmig sogar.
Und die Südumgehung? Sie könnte irgendwann wieder auf den Tisch kommen. Die Grünen waren Ende 2011 in der Stadtvertretung mit dem Antrag gescheitert, die Stadt solle in ihrem Flächennutzungsplan keine Trasse für eine mögliche Südumgehung mehr vorhalten.
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