„Regionalisierung und Personalisierung – das ist Ihre Zukunft!“, prophezeite Prof. Andreas Hensel, Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung in Berlin, den lauenburgischen Landwirten gestern auf deren 75. Kreisbauerntag in Schwarzenbek. Hensel hatte den Gastvortrag zum Thema „Dioxin, Ehec und Antibiotika – Wie gefährlich sind unsere Lebensmittel?“ gehalten und in einem amüsanten Vortrag vor allem die selektive Wahrnehmung der Verbraucher, die tatsächlichen, objektiven Risiken und Gefahren sowie die subjektiv empfundenen erklärt und in ein richtiges Verhältnis eingestuft.
Ohne die Probleme um Ehec, Dioxin oder Antibiotika in Lebensmitteln zu verharmlosen, machte er beispielsweise deutlich, dass oftmals eine durch die Medien geschürte Hysterie entstehe. Beim jüngsten Dioxin-Skandal habe man lediglich 18 belastete Hühnereier festgestellt. „Sie nehmen tagtäglich zwischen 20 und 80 Mikrogramm Dioxin über die Luft und die Umwelt auf. An diesen Eiern können Sie sich gar nicht mit Dioxin vergiften.“
Hensels Tipp auf die Frage nach dem richtigen Umgang mit einer solchen Hysterie war daher der offene Umgang mit Problemen, Transparenz und Kommunikation. „Ihnen wird schon in kurzer Zeit von den Handelsketten die Rolle als Individuum in der Produktionskette zugewiesen. Sie werden mit Ihrem Hof und Ihrem Gesicht für die Qualität der Lebensmittel stehen.“
In ihren Grußworten unterstrichen auch Kreispräsident Meinhard Füllner (CDU) und Pröpstin Frauke Eiben aus Ratzeburg diese Transparenz, sowie Toleranz und gegenseitige Achtung im Umgang miteinander. Und Reinhard Jahnke aus Seedorf appellierte an seine Kollegen: „Wir müssen unsere Kunden noch besser informieren.“ Zuvor hatte der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Herzogtum Lauenburg die 220 Teilnehmer begrüßt, unter ihnen Innenminister Klaus Schlie (CDU), die Landtagsabgeordneten Peter Eichstädt (SPD), Markus Matthießen (CDU), Christopher Vogt (FDP) und Ellen Streitbörger (Linke), seinen Stormarner Kollegen Hans-Joachim Wendt, den Landesbauernpräsidenten Werner Schwarz aus Rethwisch bei Bad Oldesloe und Landrat Gerd Krämer.
Jahnke zog ein nicht sonderlich euphorisches Resümee des vergangenen Jahres, das wetterbedingt eher mäßig war. Lediglich Zuckerrüben und Mais hätten vom trockenen Frühjahr, vom verregneten Sommer und dem sonnigen Herbst profitiert. Die Erträge beim Raps seien rund 30 Prozent geringer als normal ausgefallen, und auch beim Getreide sei es zu Mindererträgen von 20 bis 50 Prozent gekommen. Preissteigerungen bei Düngemitteln und Pflanzenschutz sowie beim Diesel-Treibstoff für die Maschinen mache den Landwirten zusätzlich zu schaffen.
Bauernpräsident Werner Schwarz ging auf die Agrarpolitik ein und legte die Probleme mit den aktuellen Verordnungsvorschlägen der EU dar: „Das Schlagwort der Entbürokratisierung wird von der EU oft verwendet, aber fast nie angewendet“, kritisierte er.
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