Den daraus gewonnenen genetischen Fingerabdruck wolle man jetzt mit dem aller in Betracht kommenden Männer abgleichen, teilte die Polizei am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Schwarzenbek im Kreis Herzogtum Lauenburg mit.
Angeschrieben werden nach Angaben der Polizei alle Männer, die heute zwischen 34 und 54 Jahre alt sind und in der der Stadt sowie einigen umliegenden Gemeinde wohnen. Der Test findet vom 17. bis zum 19. Februar in der Aula des Schwarzenbeker Gymnasiums statt. Nachdem alle anderen Ermittlungen bisher keinen Durchbruch brachten, setzt die Polizei nun auf diese aufwendige Aktion.
Der unbekannte Täter hatte am 12. März 2008 eine damals 39 Jahre alte Mutter in ihrer Wohnung vergewaltigt. Gegen 8.00 Uhr hatte er an der Wohnung in einem Mehrfamilienhaus geklingelt und sich als Fahrer eines Lieferservice ausgegeben. Als die Frau ihm arglos die Tür öffnete, drängte er sie sofort in die Wohnung und vergewaltigte sie. „Wir gehen davon aus, dass er sein Opfer womöglich vom Sehen kannte oder sie über einen gewissen Zeitraum beobachtet haben könnte, nachdem sie ihm irgendwo aufgefallen war“, sagte Polizeisprecherin Sonja Kurz. Denn das Vorgehen des Täters lasse drauf schließen, dass er gewusst habe, dass sein Opfer zur Tatzeit allein in der Wohnung war, sagte Kurz.
Zu den Männern, auf die das Täterprofil passt, ist auch Schwarzenbeks Bürgermeister Frank Ruppert (Bündnis 90/Die Grünen). Der 51-Jährige gab seine Speichelprobe gleich bei der Pressekonferenz ab. „Ich wollte mit gutem Beispiel voran gehen und hoffe, dass möglichst viele Schwarzenbeker Männer zum Test gehen“, sagte er.
Mit Hilfe des genetischen Fingerabdrucks können inzwischen auch Jahrzehnte zurückliegende Taten aufgeklärt werden. So überführte ein Gentest im Jahr 2011 einen Serienmörder, der zwischen 1969 und 1984 fünf junge Frauen vergewaltigt und getötet hatte. Der Mann wurde am Mittwoch (9. Februar) vom Landgericht Kiel zu lebenslanger Haft verurteilt. Der Bruder des Mannes hatte an dem Test teilgenommen. Seine Probe war den Tatortspuren des letzten Mordes extrem ähnlich, so dass klar war: der Täter musste ein naher Verwandter von ihm sein. Im Fall einer 1985 bei Travenbrück im Kreis Stormarn getöteten Schülerin dagegen hat eine DNA-Reihenuntersuchung im Jahr 2010 bislang kein Ergebnis erbracht, weil noch nicht alle der mehr als 2200 Speichelproben ausgewertet sind.
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