Nach einem Gewaltverbrechen in Schwarzenbek (Herzogtum Lauenburg) setzt die Polizei jetzt auf Fahndung per Gentest: Im Jahr 2008 hatte die Polizei Spermaspuren eines Vergewaltigers am Tatort gefunden. Den daraus gewonnenen genetischen Fingerabdruck wolle man jetzt mit den als Täter in Betracht kommenden Männern abgleichen, so die Polizei gestern auf einer Pressekonferenz. „Alle unseren anderen Bemühungen, einen Tatverdächtigen zu ermitteln, waren bisher erfolglos“, erklärt der auch für Schwarzenbek zuständige Geesthachter Kripochef Jürgen Alfke.
Nun soll zum zweiten Mal in der Schwarzenbeker Geschichte eine Reihenuntersuchung von Genmaterial helfen, einen Kriminalfall zu klären. Schon vor zehn Jahren konnte dank eines Massen-DNA- Tests eine Straftat geklärt werden. Damals überführte die Polizei einen Doppelmörder, nach dem zuvor zwei Jahre lang vergeblich gesucht worden war. Es war die erste groß angelegte DNA-Untersuchung in Schleswig-Holstein. Vier Wochen hatte es im Frühjahr 2002 gedauert, die Speichelproben von 700 Männern zu analysieren. Dann konnte der Mörder gefasst werden. Auf einen ähnlichen Erfolg hofft die Polizei auch diesmal.
Die Abteilung für operative Fallanalyse des Landeskriminalamtes hatte zusammen mit der Geesthachter Kripo den Fall untersucht. Ergebnis: Es dürfte sich um einen örtlichen Täter handeln, der sein Opfer ausspioniert hatte und nur ein einziges Mal vergewaltigt hat. Der Mann spricht deutsch und war zur Tatzeit 30 bis 50 Jahre alt.
„Der Mann hatte am 12. März 2008 morgens an der Tür eines Mehrfamilienhauses geklingelt und sich über die Gegensprechanlage als Paketbote ausgegeben. Als ihm die damals 39 Jahre alte verheiratete Mutter die Tür ihrer Wohnung öffnete, drängte er die Frau ins Schlafzimmer und vergewaltigte sie“, so Alfke. Danach flüchtete der Mann. Ein Fahndungsaufruf mit Hilfe eines Phantombildes brachte keinen Erfolg. Weil die Beschreibung durch das Opfer möglicherweise ungenau war, verzichtet die Polizei jetzt darauf, den Täter zu beschreiben. Nun sollen ihn seine einzigartigen Körpermerkmale eindeutig überführen.
Zur Untersuchung müssen die angeschriebenen Männer ihre Einwilligungserklärung und den Personalausweis mitbringen. Nach der Überprüfung der Daten wird dann die Speichelprobe entnommen. Sollte unter den 1102 Männern, die jetzt um Mitarbeit gebeten werden, kein Treffer dabei sein, soll die Aktion in einem größeren Radius um Schwarzenbek herum ausgedehnt werden.
„Ich bin zuversichtlich, dass der Täter gefunden wird“, sagt Schwarzenbeks Bürgermeister Frank Ruppert.
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