Bei gerade einmal sechs Grad Celsius sitzt die sechsköpfige Familie in der Küche, dem wärmsten Raum des Einfamilienhauses. Sie tragen drei Pullover übereinander und scharen sich um einen Radiator. Der Kessel der Ölheizung ist vor neun Tagen geplatzt. Wegen eines Todesfalles ist der Vermieter nicht auszumachen. Weder das Berkenthiner Sozialamt, noch das Jobcenter in Mölln oder der Fachdienst soziale Leistung des Kreises gewährten Hilfe. In der Familie sind nun alle krank. Besonders hart trifft die Kälte die sechsjährigen Zwillinge.
„Plötzlich gab es einen Knall und der Kessel platzte“, berichtet Ingo Führ, eine heiße Tasse Kaffee in den Händen. Das war am Mittwoch, 1. Februar. Ein Installateur war schnell zur Stelle und sah sich die 39 Jahre alte Heizung an. Genauso schnell kam allerdings das vernichtende Ergebnis: „Die Anlage ist tot, da ist nichts mehr zu machen“, hieß es. Führ war nahe am Rand der Verzweiflung. Geld hatte der arbeitslose, ehemalige Polizist nicht für eine neue Ölheizung. An einen Kredit von der Bank ist nicht zu denken. Also besuchte er nacheinander das Sozialamt in Berkenthin, den Fachdienst soziale Leistung des Kreises und das Jobcenter in Mölln. Dort schilderte er seine Not mit dem Hinweise auf die kleinen Kinder. Seine Bitte: Ein Darlehen für die Anschaffung einer neuen Heizung.
Überall wurde Bedauern geäußert. Hilfe konnte niemand gewähren. „Ich wurde nur von einer Stelle zur nächsten verwiesen“, so Führ. Der Grund: Die Eigentumsverhältnisse im Haus und damit der Vermieter sind nicht auszumachen. Führ zahlte die Miete an seine Großmutter, die er in ihrem Haus pflegte. Im Dezember 2011 verstarb diese. Erben sind laut Testament der Vater und der Onkel Ingo Führs – mit beiden sind die Berkenthiner verstritten. „Die Erbschaft hängt also in der Schwebe. Mein Vater und mein Onkel rühren sich nicht.“
Vor der Ablehnung des Darlehens beschaffte Führ wie angefordert einen Kostenvoranschlag für eine neue Heizung. Zwischen 4000 und 7000 Euro soll diese kosten. Doch der Spießrutenlauf hatte keinen Erfolg. Laut Führ hat der Kreis die Gewährung eines Darlehens bereits schriftlich abgelehnt.
Walter Frank, Verwaltungschef des Amtes Berkenthin, erklärte gestern auf LN-Anfrage, der Fall gehöre nicht in den Zuständigkeitsbereich des Berkenthiner Sozialamtes. Auch die Entscheidung des Möllner Jobcenters steht noch aus.
Mittlerweile sind auch Vivian und Victoria (6) erkältet, die obendrein noch unter Behinderungen leiden. Anstatt Hilfe zu gewähren, bekam Führ laut eigener Aussage von einer Mitarbeiterin des Fachdienstes soziale Leistung den Rat, umzuziehen. Schnelle Hilfe gab es nur von der Kirchengemeinde und vom Diakonischen Werk. Sie spendeten insgesamt drei Radiatoren. „Doch das macht nicht richtig warm und ist zu teuer“, sagt Mutter Anja Führ.
Wer eine Idee hat, wie Familie Führ geholfen werden kann, meldet sich beim Verein „Unterstützung schwersterkrankter und behinderter Kinder“ unter Telefon 0 41 55/ 56 68 (Anrufbeantworter).
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