Bereits im Sommer soll es losgehen. Wenn die jetzigen Förderschüler ausgezogen sind, vermutlich in die Verbandsschule Nordost, wird erstmal umgebaut. Rund 400 000 Euro will das Lebenshilfewerk investieren, unter anderem für eine Mensa. „Unser ehrgeiziges Ziel ist es, Menschen mit Behinderungen auf dem ersten Arbeitsmarkt unterzubringen. Firmen, die Menschen mit Behinderungen einstellen, erhalten jede Unterstützung von uns. Einzelfälle haben es geschafft“, sagt Geschäftsführer Hans-Joachim Grätsch und verweist auf Erfolgte in der Firma Hako in Bad Oldesloe. „Interessierte Firmen können sich einige Zeit angucken, ob die Integration passt. Sie werden erstaunt über den ungebremsten Arbeitseifer unserer Leute sein“, so Grätsch.
Im zentralen Berufsbildungsbereich in Schwarzenbek sollen etwa 40 Behinderte geschult werden. 13 erhalten Unterricht, der Rest macht Praktika. Am Schluss sollen die Teilnehmer ein Zertifikat bekommen, das ihre Kompetenzen nachweist. „Wir wollen Qualifizierungsbausteine entwickeln, uns an den Standards der betrieblichen Ausbildung orientieren“, sagte Ines Senftleben, Leiterin des Fachbereichs Arbeit des in Mölln stationierten Lebenshilfewerks. Das ist gerade in einen Neubau mit „Wohlfühlfaktor“ gezogen: helle Räume, leise Musik im Fahrstuhl, Skulpturen als Deko. Auch Kreispräsident Meinhard Füllner hat hier mit dem Werk „Stierliebe“ Spuren seiner künstlerischen Begabung hinterlassen. Ziel der Maßnahme im Berufsbildungsbereich: Trennung von Arbeitsbereich und Schule. Eine Gewöhnung an den behüteten Werkstattbereich soll vermieden werden.
Der zweite Schwerpunkt in Schwarzenbek soll der Förderbereich für Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen sein. Dabei gibt eine Kooperation mit Patienten der Helios-Klinik Geesthacht. Menschen, die durch Unfall oder Krankheit eine Hirnschädigung erlitten haben, sind nicht sofort nach der Reha in der Lage, einen Beruf auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt auszuüben. Gezielte berufliche Förderung soll ein erster Schritt der Eingliederung sein. Im Förderzentrum Centa Wulf werden 500 Quadratmeter für Beschäftigungen in Montage/Verpackung, Holz- und Metallverarbeitung, Hauswirtschaft oder Büroarbeit zur Verfügung stehen. 15 Betroffene können teilnehmen. Personal ist vorhanden. Die Leitung übernimmt der Sozialpädagoge Peter Kube. „Ein spannendes Feld“, sagt Grätsch.
Dass sich Behinderte in der Arbeitswelt behaupten können, zeigen Beispiele im Kreis: Sie arbeiten erfolgreich in Schulküchen in Ratzeburg, Mölln, Schwarzenbek und Wentorf, in der Jugendherberge Geesthacht, im Markttreff Gülzow oder in der Friedhofspflege in Lauenburg. Rund 500 Plätze hat das Lebenshilfewerk im Kreisgebiet. Die sind geschätzt, denn auch die Bezahlung ist besser als normal: 240 statt 75 Euro im Monat.
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