Thomas Feldhofer wird für diverse Überfälle auf Banken, Tankstellen und Autofahrer verantwortlich gemacht. Um an Geld zu kommen, soll er in Hessen sogar einen Linienbus inklusive Fahrgästen gekapert haben. Nach der Festnahme und einer Nacht in der Justizvollzugsanstalt Lübeck ist der 46-Jährige gestern früh nach Frankfurt/Main gebracht worden. „Der Verdächtige sollte am späten Nachmittag dem Haftrichter vorgeführt werden“, erläutert Alexander Badle von der Generalstaatsanwaltschaft.
Gleich mehrere Behörden hatten europaweit per Haftbefehl nach dem gelernten Elektriker gefahndet und eine Belohnung von 5000 Euro ausgelobt. Ein Betrag, auf den jetzt ein Autofahrer aus dem Norden hoffen kann. Er hatte der Polizei am Sonntagmittag den entscheidenden Hinweis gegeben und den schwarzen, als gestohlen gemeldeten VW mit Stormarner Kennzeichen auf der Bundesstraße 208 zwischen Harmsdorf und Ratzeburg entdeckt.
Am Sonnabend gegen 21 Uhr hatte der einschlägig vorbestrafte Gewaltverbrecher den Golf V gestohlen. Als der Fahrer, bei dem es sich um einen Hamburger Polizisten handeln soll, auf der Sievekingallee im Stadtteil Hamm an einer roten Ampel anhalten musste, riss Feldhofer die Fahrertür auf, hielt dem Mann eine scharfe Waffe an den Kopf und zwang ihn auszusteigen. Der brandgefährliche Krefelder türmte mit dem Wagen. Eine Ringfahndung der Polizei blieb zunächst ergebnislos – bis Sonntagmittag. „Ein aufmerksamer Autofahrer hatte die Suchmeldung nach dem VW im Radio gehört. Als er das Fahrzeug bei Berkenthin entdeckte, alarmierte er sofort die Polizei“, so eine Behördensprecherin.
Sofort nahmen mehrere Streifenwagen die Verfolgung auf. Der VW Golf jagte mit Tempo 160 über die kurvige Bundesstraße. Aufgrund der überhöhten Geschwindigkeit verlor der Serientäter schließlich in Höhe Harmsdorf die Kontrolle über sein Fahrzeug und raste in die Straßenböschung. Zwei Beamte zerrten den verletzten Mann aus dem demolierten Wagen. Eskortiert von Einsatzfahrzeugen wurde der Kriminelle zur Vernehmung ins Behördenhochhaus nach Lübeck gebracht.
Anders als zunächst spekuliert worden war, wussten die Beamten offenkundig sehr genau, dass sie es nicht mit einem „einfachen Autodieb“ zu tun hatten. Die Ermittler waren bereits seit längerem davon ausgegangen, dass sich der Gesuchte nach Berlin zuletzt im Hamburger Umland aufhalten könnte. Mitte Januar hatten sich Zeugen bei der Polizei gemeldet, die Feldhofer auf St. Pauli und in der Sternschanze gesehen haben wollten. Die Hamburger Polizei startete eine Großrazzia – ohne den erhofften Zugriff.
Ob sich der Verbrecher in den vergangenen Wochen im Herzogtum Lauenburg versteckt hatte, wollte Oberstaatsanwalt Alexander Badle gestern noch nicht sagen. „Die Ermittlungen laufen noch“, sagte er den LN. In den nächsten Tagen würden nähere Einzelheiten folgen. Am Sonntag sei zunächst eine Kollegin aus Frankfurt nach Lübeck gekommen, um die Überführung des Krefelders zu planen. Am Vormittag wurde der Festgenommene mit einem Helikopter nach Frankfurt gebracht.
Der Gewaltverbrecher hatte in den 1990er-Jahren bei insgesamt acht Raubüberfällen auf Banken, Sparkassen und Tankstellen in Süd- und Westdeutschland mehr als 750 000 Euro erbeutet, saß insgesamt sieben Jahre im Gefängnis, bevor er aufgrund einer positiven Sozialprognose auf Bewährung drei Jahre früher als geplant vorzeitig aus der Haft entlassen worden war.
Obwohl er sich entgegen seiner Auflagen nicht regelmäßig bei der Polizei meldete und untergetaucht war, blieb Feldhofer drei Jahre lang unauffällig, bevor der 46-Jährige erneut zuschlug und mit höchst brutalen Straftaten bundesweit Schlagzeilen machte. Zuletzt hatte die Polizei in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY ungelöst“ nach dem Serientäter gefahndet.
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