Die Staatsanwaltschaft Lübeck hat gestern die DRK-Kreisgeschäftsstelle in Ratzeburg durchsucht und zahlreiche Unterlagen mitgenommen. Tätig wurden die Ermittler aus der Schwerpunktabteilung zur Bekämpfung der Wirtschaftskriminalität aufgrund einer Anzeige des Kreises Herzogtum Lauenburg, der die Staatsanwaltschaft wegen Betrugsverdachtes einschaltete. Der Innenausschuss hatte das am 6. Oktober einstimmig bei seiner Sitzung in Lanken beschlossen.
Eine Staatsanwältin, eine Mitarbeiterin der Schwerpunktabteilung sowie sieben Kriminalbeamte waren gestern Vormittag mehrere Stunden damit beschäftigt, in der Rot-Kreuz-Zentrale am Röpersberg diverse Geschäftspapiere, Belege, Festplattenkopien und andere Unterlagen einzusammeln und abzutransportieren. Der Betrugsverdacht des Innenausschusses richtete sich gegen die Geschäftsführung und den Vorstand des DRK-Kreisverbandes. Die Politiker reagierten damit auf Fehler und Unzulänglichkeiten in den Rettungsdienstabrechnungen für das Jahr 2008.
Oberstaatsanwalt Werner Spohr, der Leiter der Schwerpunktabteilung, berichtete den LN gestern, dass das sicher gestellte Material jetzt ausgewertet werde. Wie lange die Ermittler damit beschäftigt sein würden, könne zum jetzigen Zeitpunkt nicht gesagt werden. Dass eine solche Durchsuchung erst vier Monate nach Erstattung der Anzeige stattfinde, sei nichts Besonderes. Bei einem solchen Verfahren müssten häufig viele Zwischenschritte unternommen werden, bis die Durchsuchungsanträge gestellt werden könnten.
Beim hauptamtlichen DRK in Ratzeburg hieß es in den vergangenen Wochen, dass man von der Staatsanwaltschaft weder etwas gehört noch gesehen habe. Vorstand Klaus Crijns vom Landesverband des Roten Kreuzes vermutete bei einem Besuch in Ratzeburg vor etwa zwei Wochen sogar, dass der Kreis möglicherweise gar keine Anzeige erstattet habe. Dem war aber nicht so. Der Vorgang zog sich im Kreishaus nach dem Beschluss des Innenausschusses zwar fast drei Wochen in die Länge, aber am 26. Oktober unterschrieb Landrat Gerd Krämer dann die Anzeige gegen das DRK wegen Betrugsverdachts.
Während die Ermittler der Staatsanwaltschaft gestern die Geschäftsstelle durchsuchten, sahen die Beschuldigten alle Betrugsvorwürfe längst als überholt an. DRK-Kreisgeschäftsführer Martin Turowski und Vorstand Crijns aus Kiel verwiesen vor zwei Wochen auf die Ergebnisse von unabhängigen Wirtschaftsprüfern, die wochenlang mehr als 20 000 Belege akribisch geprüft und keinerlei Hinweise auf kriminelle Machenschaften gefunden hätten. Stellungnahmen zu der Durchsuchung der Staatsanwaltschaft waren vom lauenburgischen DRK gestern nicht zu bekommen.
Unabhängig von der Materialauswertung durch die Staatsanwaltschaft steht das Thema Rettungsdienst bereits morgen wieder auf der Tagesordnung der Kreispolitik. Der Kreisinnenausschuss, der sich zu einer Sitzung bereits um 16 Uhr in der Aula der Lauenburgischen Gelehrtenschule in Ratzeburg trifft, steht unter anderem vor der Frage, ob er dem Kreistag eine außerordentliche Kündigung des noch fünf Jahre laufenden Rettungsdienstvertrages zwischen Kreis und DRK empfiehlt. Entschließen sich die Politiker zu einem solchen Schritt, dürften sich die seit mehr als 50 Jahren verbundenen Partner vor Gericht wiedersehen. Das DRK will eine Kündigung nicht hinnehmen.
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