Kiel – Am Dienstag kommt der Deutsche Meister Borussia Dortmund zum Pokal-Viertelfinalspiel nach Kiel. Der neu verlegte Rasen im Holstein-Stadion wurde unter einem 8000 Quadratmeter großen Klimazelt versteckt. Sieben bis acht Grad herrschen dort. 90 Minuten vor dem Anpfiff wird die Konstruktion abgebaut.
Der Regionalligist ist unterdessen wegen der schlechten Platzverhältnisse in ein Kurz-Trainingslager nach Lügumkloster (Dänemark) geflüchtet. Gute Kontakte haben es möglich gemacht. Dort gibt es eis- und schneefreie Kunstrasenplätze. Am Freitag saßen dort alle Spieler vor dem Fernseher, sahen Dortmunds 2:0-Sieg in Nürnberg. „Ein Pflichttermin“, sagte Thorsten Gutzeit. Die LN sprachen mit dem Holstein-Trainer.
Lübecker Nachrichten: Haben Sie den BVB auch mal live gesehen?
Thorsten Gutzeit: Unser Carsten Wehlmann war bei allen Dortmunder Spielen gegen Hamburg, Hoffenheim und Nürnberg dabei. Außerdem liegen uns Videos vor.
LN: Was bereitet Ihnen am meisten Kopfzerbrechen?
Gutzeit: Beim BVB greift ein Rädchen ins andere. Alles funktioniert. Da wird kreativ gespielt. Die haben für jede Situation eine Lösung. Da ist nichts voraussehbar.
LN: Gibt es keine einzige Schwachstelle?
Gutzeit: Vielleicht unterschätzen sie uns, das ist eine kleine Hoffnung. Vielleicht ist die Konzentration nicht so hoch. Wir müssen versuchen, über unsere Standards Torgefahr auszustrahlen.
LN: Wer Mainz besiegt, kann der auch Dortmund schlagen?
Gutzeit: Im Sport ist alles möglich. Aber Dortmund ist nicht Mainz. Die sind um ein Vielfaches stärker.
LN: Nach der Pokal-Auslosung gab es von Kiels Spielern Schmähgesänge gegen Dortmund.
Gutzeit: Das war ein riesengroßer Fehler. Das gehört sich nicht, das ist respektlos. Wir haben gegen die Spieler Maßnahmen ergriffen. Singen ist nicht verwerflich, aber die Textauswahl sollte besser sein.
LN: 2004 kam der VfB Lübeck sogar bis ins Halbfinale. Danach war die Luft raus, die Mannschaft stieg aus der 2. Liga ab. Befürchten Sie nach dem Pokal-Highlight einen Absturz aus der Regionalliga-Spitze?
Gutzeit: Die Gefahr besteht immer. Dortmund ist das Highlight des Jahres, das kommt nicht immer vor, das sollen unsere Spieler auch genießen. Aber ab Mittwoch ist der Fokus auf das Sonntag-Spiel in Meppen gerichtet. Ich hoffe, dass der Pokal eine positive Auswirkung auf die Meisterschaft hat.
LN: Und wenn das nicht klappt?
Gutzeit: Wer vom Ziel abweicht, den werde ich schnell ins Boot zurück holen. Die primäre Aufgabe heißt Meisterschaft.
LN: Der THW ist in Kiel die Nummer eins. Hat Holstein jetzt aufgeholt?
Gutzeit: Wir sind im Fußball immer noch ein paar Schritte vom Handball entfernt. Wir haben das Glück, dass der Handball im Moment eine Pause macht. Wir haben die Leute neugierig gemacht, wir müssen die zarte Pflanze jetzt pflegen.
LN: Ihr Tipp für Dienstag?
Gutzeit: Wir wollen ein gutes Spiel und eine gute Leistung bringen und nicht im Dortmunder Wirbel untergehen.
Interview: Peter-Wulf Dietrich
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