Von Andreas Oelker
Bark – Eigentlich hat Franziska Haupt ein Abo auf die Nummer zwei. 1993 kam sie als zweites Kind von Kerstin und Jürgen Haupt zur Welt, 1999 schloss sie sich als zweites Haupt-Mädel nach ihrer heute 22-jährigen Schwester Christina der Mini-Mix des SV Todesfelde an, „weil ich an den Wochenenden ja sowieso immer mit in der Halle war“. Und nachdem sie sich beim SVT eher zufällig ein Anrecht auf das Trikot mit der Rückennummer 2 erworben hatte, streifte sie natürlich auch 2009 beim Zweitliga-Debüt in Travemünde das vakant gewordene „Zweier-Shirt“ über, in dem sie in ihrer zweiten Frauen-Spielzeit 2011 Torschützenkönigin wurde und als DHB-Juniorin mittlerweile 17 Länderspiele sowie eine EM-Endrunde absolvierte.
2010 wurde „Franzi“ bei der alljährlichen LN-Sportlerwahl „natürlich“ zum zweitbesten Talent gekürt. Doch 2011 empfand die LN-Leserschaft den torhungrigen Blondschopf absolut nicht als zweite Wahl und machte die zielstrebige Linkshänderin mit 760 Kreuzen zur Nummer eins im Nachwuchsbereich. Darüber freut sich die 18-Jährige riesig: „Das ehrt mich natürlich. Mit so vielen Stimmen hätte ich auch nicht gerechnet. Aber 2011 war für mich sportlich echt ein tolles Jahr.“
Tatsächlich hatte die angehende Sozialversicherungs-Fachangestellte (2. Lehrjahr bei der AOK Bad Segeberg) in der abgelaufenen Serie mit 171 Treffern großen Anteil daran, dass ihre Raubmöwen als Nord-Vierter mit der Qualifikation für die eingleisige 2. Liga und dem Einzug in die Erstliga-Playoffs den größten Erfolg in der Klubgeschichte feierten. Dazu kamen für die Rückraum-Rechte das Erreichen des DM-Viertelfinals mit der A-Jugend der SG Todesfelde/Leezen und die Teilnahme an der U19-Europameisterschaft in den Niederlanden.
Letzteres sind für das neue LN-Talent allerdings nur „bedingte Erfolge“. Denn „Franzi“ räumt ein: „Das Ausscheiden mit der A-Jugend gegen die JSG Untermain vor Heimkulisse war schon bitter, nachdem wir das Hinspiel dort mit 24:23 gewonnen hatten. Und bei der EM in Holland haben wir mit der deutschen Mannschaft als Elfter die WM-Quali ja auch klar verpasst.“
Diese beiden „suboptimalen“ Erlebnisse dienen der zielstrebigen Holsteinerin aber zugleich als zusätzliche Motivation für 2012. Sie umreißt ihre sportlichen Nahziele wie folgt: „Zum A-Jugend-Ausstand möchte ich mit den SG-Mädels Oberliga-Meister werden und national möglichst noch weiter kommen. Und mit der DHB-Auswahl wollen wir uns über Ostern in Polen für die U20-WM qualifizieren, die Anfang Juli in Tschechien steigt.“ Bliebe noch die Zweitliga-Mannschaft des TSV Travemünde, mit der sie „als bestes Nord-Team möglichst Fünfter oder Sechster werden“ will.
Dafür fährt „Franzi“ zumeist viermal pro Woche von Bark über Bad Segeberg nach Lübeck und retour – dreimal zum Training, einmal zum Spiel. Und das seit knapp einem halben Jahr als stolze Besitzerin eines gebrauchten „Polo“, der wechselweise mit dem „Corsa“ ihrer Wahlstedter TSV-Mitstreiterin Anja Krönert zum Einsatz kommt. Mitunter müssen auch beide Autos ran, wenn die Fahrgemeinschaft mit den in Bad Segeberg zusteigenden Kolleginnen Natalie Tonn, Lena Linke, Gisa Klaunig (alle aus dem Raum Kiel), Svenja Hollerbuhl (Nortorf), Laura Schultze und Beke Ketelhut (beide aus Tungendorf) zu groß wird. Dazu kommen – wenn’s der Spielplan erlaubt – noch die Wochenend-Einsätze bei der A-Jugend und eine vierte Trainingseinheit, die die 18-Jährige individuell gestaltet: „Entweder wird gelaufen oder ich absolviere zu Hause ein kleines Kraft-und-Fitness-Programm.“
Insofern ist es kein Wunder, wenn sie auf die Frage nach anderen Hobbys außer Handball stutzen muss und bekennt: „Gibt’s eigentlich nicht, außer vielleicht mal mit Freunden weggehen.“
Und wohin soll diese Zielstrebigkeit langfristig führen? „Franzi“ lächelt und sagt: „Abwarten. Erst mal mache ich natürlich meine Ausbildung zu Ende und spiele sicher auch in der nächsten Saison noch in Travemünde. Aber natürlich haben schon ein paar Erstligisten bei mir angefragt, so dass ich mich danach mit dem Thema Profi-Handball beschäftigen werde.“
Eines weiß die blonde Barkerin allerdings schon jetzt: „Ins Ausland zu gehen, kommt für mich nicht in Frage.“
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