Ungewöhnliche Pädagogik an einer Gemeinschaftsschule in Ratekau (Ostholstein): Zehn- und elfjährige Kinder mussten mit ansehen, wie vor ihren Augen ein Kaninchen geschlachtet wurde. Schüler weinten, einem Kind wurde schwarz vor Augen. Später wurde das Tier gegrillt und den Kindern zum Essen vorgesetzt. Eltern sind empört, sprechen von „barbarischen Vorfällen“. Vergeblich hatten Fünftklässler mit einer Unterschriften-Aktion noch versucht, die Aktion an der Cesar-Klein-Schule zu verhindern. Die Schulaufsicht ist eingeschaltet. Für das Kieler Bildungsministerium ist die Aktion „pädagogisch problematisch“.
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Das Kaninchen war im Rahmen des Schulprojekts „Steinzeit“ getötet worden, an dem 104 Schülerinnen und Schüler aus allen vier fünften Klassen teilnahmen. Die Urheber halten ihr Vorgehen für pädagogisch wertvoll. Zu der Unterschriften-Aktion der Kinder sagten die Teamleiter Dieter Wetzelt und Christoffer Rentsch: „Wir haben diese Form der Petition zurückgewiesen. Man kann ja auch keine Unterschriften gegen eine Mathe-Arbeit vorlegen.“ Schulleiter Georg Krauß räumt ein, dass versäumt wurde, die Eltern der betroffenen Schüler vorab zu informieren, wie das Thema „Ernährung in der Steinzeit“ im Unterricht behandelt werden soll. Aber: Die Teilnahme sei freiwillig gewesen.
Der Vater einer Fünftklässlerin, ein Landwirt aus Arfrade, hatte das Tier zur Verfügung gestellt. Eine Mutter, die namentlich nicht genannt werden möchte, berichtet von den Erlebnissen ihres elfjährigen Sohnes: „Die Kinder durften das Kaninchen noch streicheln.“ Anschließend habe der Mann das Tier vor den Augen der Jungen und Mädchen mit einem Hammerschlag betäubt, ihm anschließend die Kehle durchtrennt. Danach sei das Kaninchen aufgeschnitten und ausgenommen worden, das Fell sei abgezogen worden. „Zum Ausbluten wurde das Tier an den Beinen aufgehängt.“ Später wurde das Kaninchen auf dem Schulhof gegrillt und verspeist. Die Mutter klagt an: „Mein Sohn kam käseblass nach Hause. Er schläft seitdem schlecht, hat lange Zeit nichts gegessen.“
Das Kieler Bildungsministerium billigt das Schlachten des Tieres im Unterricht nicht. „So darf es keine Wiederholung geben“, sagte Ministeriumssprecher Thomas Schunck. Der Schulleiter sei dahingehend belehrt worden.
Irene Johns, Vorsitzende des Kinderschutzbundes Schleswig-Holstein, ist empört. „Kinder verstehen nicht, wenn ein Streichelhase zum Schlachtopfer gemacht wird.“ Vielmehr müssten Kinder in der Pädagogik dort abgeholt werden, wo sie stehen. Johns: „Wir leben in einer Zeit, in der wir nicht mehr wissen, wie unser Fleisch auf den Teller kommt.“ Der Landeselternbeirat für Gemeinschaftsschulen nennt die Ratekauer Aktion „pervers“.
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