Altersruhesitz für „Bruno“: Lübecks Braunbär – Symbol des geschlossenen Tierparks in Israelsdorf – zieht in eine Art Seniorenresidenz. In den kommenden Wochen soll das 34 Jahre alte Tier in den Bärenwald Müritz nach Mecklenburg-Vorpommern gebracht werden. Die Stadt hat die „Vier Pfoten Stiftung für Tierschutz“ um Hilfe in Sachen „Bruno“ gebeten. Die hat diese Lösung angeboten, damit der Braunbär nicht eingeschläfert wird. „Auch ein solch altes Tier hat ein Recht auf einen würdigen Lebensabend,“ erklärt Carsten Hertwig, Geschäftsführer des Bärenwaldes. „Bruno“ werde in dem Bärenschutzzentrum „die Pflege und Fürsorge bekommen, die er braucht“.
Derzeit leben zehn Bären in dem Freigehege am Plauer See. In diesem Jahr wurde das Areal für die Bären um mehr als das Doppelte erweitert und misst nun 12,5 Hektar. Das gesamte Gelände ist 16 Hektar groß. Durch die Vergrößerung gibt es Platz für zehn weitere Bären. „Bruno“ ist der erste, der das neue Gelände erobern wird. Er soll aber zunächst allein bleiben. „,Bruno‘ bedarf einer speziellen Betreuung“, sagt Hertwig. Denn als Jungbär war er in verschiedenen Zirkussen eingesetzt, seit 1987 lebt er im Lübecker Tierpark, der Ende Oktober geschlossen werden musste.
Der genaue Termin für „Brunos“ Umzug steht noch nicht fest, soll aber in den nächsten Wochen über die Bühne gehen. Problematisch ist der Transport, da ein Umzug Stress bedeutet. Die Stadt trägt das Risiko der Überführung. Den 170 Kilometer langen Weg wird „Bruno“ in einem besonderen Transportkäfig zurücklegen – eine der entspannteren Möglichkeiten, das Tier von Lübeck bis zum Bärenwald zubringen. „Der Transport wird von einem Tierarzt und einem Vier-Pfoten-Team überwacht“, sagt Bärenexperte Patrick Boncourt. „Bruno“ wird sich die ersten Wochen im neuen Zuhause erst einmal eingewöhnen müssen. Boncourt freut sich: „Wir sind zuversichtlich, dass er sich bei uns wohlfühlen wird.“
Das Areal ist riesig, hat mehrere Teiche, einen Flusslauf, Wald, Wiesen, Lichtungen, kleine Hügel und bietet den Tieren auch Unterschlupf zum Dösen. „Einen schöneren Platz gibt es für ,Bruno‘ nicht“, sagt Susanne von Pölnitz, Pressesprecherin von Vier Pfoten. Der Bär werde besonders betreut, er ist der älteste seiner Art im Bärenwald. Seine Artgenossen haben alle eine bedauerliche Vorgeschichte mit schlechter Tierhaltung. Da gibt es den zwei Meter großen „Otto“, der 250 Kilo auf die Waage bringt, oder „Lothar“, der noch ein bisschen größer und schwerer ist. Auch die Damenwelt ist im Bärenwald vertreten. „Maya“ und „Susi“ haben in ihrem neuen Zuhause Freundschaft geschlossen, die 25 Jahre alte „Katja“ hat wie „Bruno“ eine Zirkusvergangenheit.
Der Bärenwald Müritz ist eine 100-prozentige Tochter der „Vier Pfoten Stiftung“ und bietet Bären seit Oktober 2006 ein Zuhause, in dem sie artgerecht gehalten werden und ihre Instinkte wieder entdecken und ausleben können. Der Park der Bären lockt pro Jahr 60 000 Besucher an.
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