Lübeck – Schlachtfeld Lohmühle. Die gewaltbereiten Lager beider Klubs zeigten gestern ihre hässliche Fratze. 56 Chaoten wurden bereits vor dem Spiel von der Polizei in Gewahrsam genommen. Davon 53 Kieler wegen Landfriedensbruch und drei Lübecker (1 x Widerstand gegen Beamte, 2 x Fans, die trotz Platzverweises ins Stadion wollten).
Was war passiert? Gegen 18 Uhr sprangen 60 Fans bekleidet mit VfB-Trikots aus zwei Bussen und stürmten auf den Aschenplatz hinter der Haupttribüne. Als sie auf Lübecker Fans stießen, begann eine wilde Keilerei. Denn die Rowdies aus den Bussen entpuppten sich als Kieler. Die Polizei kam erst dazu, als die Fäuste schon lange flogen. Beinahe zeitgleich stürmten im Stadion etwa 20 Lübecker Richtung Holstein-Block. Ordner und Polizisten konnten beide Gruppen mit großer Anstrengung voneinander trennen. Um 20.32 Uhr gingen dann noch hinter dem Stadion im Bereich des Parkplatzes Bengalos und Böller hoch. Schwefel lag in der Luft. Chaos im und am Stadion. Fassungslosigkeit herrschte in der Halbzeit unter den echten Fans. Und: Dies war kein Ort für Familien und Kinder.
Dabei hatte der Derby-Tag doch so scheinbar entspannt begonnen. Um 17 Uhr bestiegen 260 Kieler in der Landeshauptstadt den Sonderzug nach Lübeck. Insgesamt 1000 waren später dann wirklich auf der Lohmühle. Um 17.15 Uhr meinte ein noch zuversichtlicher Polizeibeamter: „Bisher ist nichts los. Hoffentlich bleibt das so.“ Wunschdenken. Einsatzleiter Heiko Hüttmann und seine Einsatzkräfte sollten noch extremen Stresssituationen ausgesetzt werden. Wie um 19.30 Uhr an der Avia-Tankstelle direkt an der Lohmühle, wo Lübecker Schläger auf 260 Kieler warteten.
Zuvor hatte der Holstein-Zug Gleis neun am Hauptbahnhof mit 30 Minuten Verspätung erreicht. Peinliche Parolen wie: „Wir hassen Lübeck, jawoll“; oder: „Tod und Hass dem VfB“, gröhlten heisere Stimmen betrunkener Männer, Frauen und Jugendlicher. Es sollte nur die Ouvertüre eines gewalttätigen Abends sein. Martinshörner, kreisende Hubschrauber: Ausnahmezustand.
Dann der Schlussakkord eines denkwürdigen Abends, Abpfiff: Lübecker Ultras und andere Gewaltbereite stürmten den Rasen, konnten aber von der Polizei abgedrängt werden. Zehn Randalierer wurden sofort festgenommen. Weitere Jagdszenen folgten. Beklemmung statt Freude. Schlusswort von Polizei-Pressesprecher Stefan Muhtz: „Eine leichte Nummer war das heute nicht.“pm
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