Die Kunden hat keiner angehört. Siegfried Gransee will das ändern. Der frühere Taxi-Unternehmer und heutige Aushilfsfahrer hat die „Interessengemeinschaft Bürger und Taxennutzer“ gegründet.
„Ich verstehe mich als Sprachrohr der Kunden“, sagt der 70-jährige Rentner, der früher beim Bundesgrenzschutz arbeitete, sich später als Fahrlehrer selbstständig machte, von 1970 bis 1978 Taxiunternehmer mit einem Fahrzeug war und auch Reisebusse lenkte. Noch heute fährt Gransee manchmal Taxi und hört dabei die Klagen vieler Bürger. „Viele Fahrgäste sind aufgebracht“, sagt Gransee, „jeder, den ich anspreche, nennt diese Preiserhöhung hirnrissig.“ In diversen Schreiben an Verwaltung und Politiker hat der Lübecker die 20-prozentige Tariferhöhung als „sittenwidrig, unverschämt und ungerecht“ kritisiert. Bürger, die nicht auf Rosen gebettet, aber regelmäßig auf das Taxi angewiesen seien, müssten zwischen 30 und 40 Euro im Monat zusätzlich aufwenden. Auch viele Taxiunternehmer, die nicht an Funkzentralen angebunden sind, seien gegen diese kräftige Erhöhung, behauptet Gransee, der gelegentlich für Minicar fährt – jenes Unternehmen, das sich als einziges gegen die 20-prozentige Tariferhöhung ausgesprochen hat. Das habe aber keinen Einfluss auf die Arbeit der Interessengemeinschaft, versichert Gransee.
Er bezweifelt alle Argumente, die für die Anhebung vorgebracht wurden. Seit der letzten Tariferhöhung sei lediglich der Kraftstoff teurer geworden. „Dafür hätte eine Erhöhung um fünf Prozent ausgereicht“, sagt der IG-Gründer. Der streitbare Rentner glaubt auch nicht, dass die höheren Preise nötig seien, um die Fahrer besser zu bezahlen. Gransee: „Wenn die Löhne nicht reichten, wären die Fahrer längst auf den Barrikaden.“ Der IG-Gründer hat aus gut unterrichteten Kreisen gehört, dass die Preiserhöhung nötig sei, damit die Unternehmer höhere Beiträge an die Lübecker Funktaxen abführen können. Die Funkzentrale des größten Unternehmens sei marode und müsse saniert werden. „Das hat nichts miteinander zu tun“, sagt Andreas Wagner, Geschäftsführer der Lübecker Funktaxen. Die Preiserhöhung sei vor mehr als einem Jahr bereits beantragt worden. Die nötige Sanierung eines Teils des Funktaxen-Gebäudes sei vor wenigen Wochen festgestellt worden. Die kräftige Anhebung der Preise sei nach den moderaten Anhebungen der Vorjahre einfach nötig gewesen.
Innensenator Bernd Möller (Grüne), der die 20-prozentige Anhebung der Taxipreise genehmigte, hat Gransee schriftlich geantwortet. Die Notwendigkeit der Erhöhung sei sowohl von Verwaltung als auch Politikern für gerechtfertigt und angemessen erachtet worden. „Möller ist kein Wächter über den Tarif mehr“, kontert der IG-Gründer, „das hätten seine Vorgänger nie gewagt.“ Gransee, dessen Interessengemeinschaft bislang eine Ein-Mann-Veranstaltung ist, sucht Mitstreiter (Tel. 0451/ 609 14 41). dor
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