Langsam wippt die Eisenskulptur „Astrophone“ im Wind, die „Holzhelix“ dreht sich. Am Fährplatz bei der Priwallfähre schaukeln die Tiffany-Elemente des „Blumenstraußes“. Am Sonntag ist in der Alten Vogtei die dritte Auflage der Wind Art eröffnet worden. Über 40 Objekte bewegen sich ab sofort in Travemünde wieder im Takt des Windes.
Erstmals steht die Ausstellung unter einem konkreten Motto: „Mit dem Wind für die Sinne, die Segel und die Energie“. Damit wollen die Veranstalter die Brücke schlagen zwischen der Windkraft und dem künstlerischen Potenzial, das in dem Naturelement steckt. „Doch die Wind Art besteht nicht nur aus den Objekten“, sagt Egon Schmitz-Hübsch. Er ist der Initiator der Ausstellung und gleichzeitig Vorsitzender des Vereins für Kunst und Kultur zu Travemünde. Nebenher wurden zusammen mit Lübecker Schülern, Jugendgruppen und engagierten Bürgern an verschiedenen Standorten interaktive Projekte zum Thema Windenergie umgesetzt. Schmitz-Hübsch: „Die Ergebnisse sind außerdem in einem Buch zusammengefasst.“
Die Künstler der diesjährigen Wind Art kommen erneut aus dem gesamten Bundesgebiet. Skulpturen aus Aachen sind dabei, aber auch aus Rheinfelden und Pinneberg. Zehn Standorte wurden in Travemünde ausgewählt, überall stehen jetzt „windkinetische Skultpuren“, wie Schmitz-Hübsch sagt – vom Wind angetriebene Figuren. Darunter ist zum Beispiel die sechsteilige Eisenskulptur „Astrophone“ vom Bechstedter Michael Ernst. Wie ein filigranes Mobile wippen die rostfarbenen Einzelteile im Luftzug. Auf dem Fährplatz flattert von weither sichtbar die blaue „Doppelhelix“ aus mehreren Polyester-Segeln.
„Jede Skulptur löst etwas anderes in einem aus“, beschreibt es Ninette Mathiessen. Die „Kunstwerkerin“ zeigt erstmals eine Sammlung von sogenanntem Kinetik-Schmuck des Goldschmieds Michael Berger aus Düsseldorf. Sie ist gleichermaßen fasziniert von den großen Skulpturen und kleinen Schmuckstücken. Für sie sind alle ein Ausdruck der Freude. „Kunst ist die Tochter der Freiheit“, sagt sie. „Und das kann man in allen Stücken sehen.“
Schirmherr und stellvertretender Stadtpräsident Peter Sünnenwold (CDU) hat es sich nicht nehmen lassen, die Schau im Innenhof der Alten Vogtei zu eröffnen. „Kunst und Kultur gehören nach Travemünde“, sagt er in seiner kurzen Rede. Wer daran spare, sei auf dem falschen Weg. „Wir müssen Geld aufwenden, um auch jungen Menschen Kultur nahezubringen.“ Umso mehr sei er erfreut, dass Egon Schmitz-Hübsch und der Verein für Kunst und Kultur zu Travemünde wieder eine neue Wind Art auf die Beine stellen konnten.
Als Ehrengast ist Elmar Gehlen gekommen, der Maschinist aus der ZDF-Vorabendserie „Küstenwache“. Neben der Schauspielerei betätigt er sich auch als Künstler. Zur Wind Art 2011 stellt er einige seiner großformatigen Werke in der Kunstwerkstatt der Alten Vogtei aus. Eins seiner Bilder ist das Bühnenwerk „Mozart“ zum Stück „Entführung aus dem Serail“ am Musiktheater im Revier Gelsenkirchen. Schwungvoll verteilt er auf der Leinwand bunte Farbkleckse. Geschaffen worden sei es durch „die Energie, die man in sich trägt“, so Gehlen. Kleinere Windskulpturen habe er nach eigener Aussage auch schon gefertigt. Allerdings ist keine auf der aktuellen Wind Art ausgestellt.
Die aktuelle Auflage der Skulturen-Schau hält noch eine weitere Neuerung parat. Vom 26. bis 28. August findet das „kunstbewegte Wochenende“ statt. Dazu haben die Veranstalter der Kreuzfahrtterminal angemietet und verwandeln ihn in eine große Ausstellungsfläche. Außerdem wird es am 28. August zum ersten Mal in der Wind-Art-Geschichte eine Kunstauktion geben. „Wir überlegen uns immer neue Ideen und Konzepte“, sagt Initiator Schmitz- Hübsch, „damit es spannend bleibt.“
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