Wummernde Bässe aus gewaltigen Boxen, ein knallroter Bus als DJ-Unterstand und die ersten 50 Besucher, die sich im weiten Rund der Freilichtbühne noch ein wenig verlieren. Es ist 15.30 Uhr am Sonnabendnachmittag. Ben Sachau (30), der gemeinsam mit Lars Vahlbruch (29) unter anderem für die „Newstereo“-Veranstaltungen im Parkhaus mit Jan Delay und Frank Popp verantwortlich zeichnete, sieht ein bisschen blass um die Nase aus. Kein Wunder, schließlich hat er all die riesigen Luftballons, die wenig später tanzend weitergespielt werden, selbst aufgepustet. Und der rote Oldtimer-Bus aus Mölln, der jetzt im Bühnenrund steht, kam erst um 14.15 Uhr an. „Bis 15 Uhr mussten wir dann die ganze Technik aufbauen, das war ziemlich hektisch“, sagt Lars.
Doch sonst ist alles im grünen Bereich. „Die meisten Leute werden so ab 18 Uhr kommen, bei Facebook haben sich jedenfalls rund 1300 Besucher angekündigt“, sagt Ben. Strandsalon-Inhaber Andreas Donskoj hat sich auch unters Publikum gemischt, „denn ich überlege, ob ich auch mal solch eine Party mache und wollte mir das mal anschauen.“ Erste Mädels beginnen noch zaghaft zu tanzen, während DJ Enning (33) – Museumsnacht-Besucher kennen ihn von den Abschlussfesten im Garten des Behnhaus Drägerhaus – feinsten House darbietet. „Beeindruckend“ findet er, „dass Ben und Lars das durchziehen“. Er kennt solche Open Air Electro-Partys aus Hamburg, „dort ist der Eintritt allerdings frei oder deutlich niedriger“. Acht Euro haben die Electro-Fans in Lübeck gezahlt. Der nächste an Plattenteller, Mischpult und Laptop ist Bodo Neumann, mit seinen 40 Jahren der älteste DJ in der Runde. Die Location und die Akustik auf der Freilichtbühne findet er super. „Ich bin allerdings gespannt, ob das hier in Lübeck ankommt. In Metropolen – ja, aber sowas Spezielles in Lübeck?“
Einer, dem die Musik nicht wirklich gefällt, kümmert sich mit seinem Team um Getränke und Leckeres vom Grill: Wilfried Zander (65), Betreiber der Freilichtbühne. „Das ist nicht wirklich meine Musik, aber die beiden hatten mich rechtzeitig angesprochen, und ich bin für alles offen, von der Seligsprechung bis zur Disco.“ Später, so gegen 20 Uhr, „müssen wir die Musik ein bisschen runterfahren – auf 80 Dezibel am Zaun“.
Doch bis dahin ist noch reichlich Zeit. Eine fröhliche Truppe von 20 Leuten, die aus Neustadt angereist ist, tanzt vor den „Dschungelbuch“-Kulissen. „Es ist toll, mal tagsüber ein bisschen Party zu machen“, sagt Denise Levermann (21), und Kumpel Nils Höft (20) findet zwar, „dass ein bisschen mehr los sein könnte“, hat aber trotzdem seinen Spaß. Den hat auch Petra Röwer-Schaper (45), Besitzerin des „Big Red Bus“, den sie für Feiern aller Art zur Verfügung stellt. „Man muss Leute unterstützen, die etwas Neues ausprobieren.“ Ben Sachau, einer von denen, die sowas probieren, ist glücklich. Inzwischen spielen Longplayer ihre Mischung aus Electro-Sounds mit Gitarre und Saxophon. „Ein Traum“, sagt Ben. Die Party kommt langsam in Schwung.
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