Denn neben dem eigentlichen Spiel müssen Käufer der PC-Version ein Zusatzprogramm namens „Origin“ installieren. Und das hat es in sich: Im Endbenutzer-Lizenzvertrag (EULA), den jeder Nutzer akzeptieren muss, um überhaupt spielen zu können, behält sich EA das Recht vor, „nicht-personenbezogene Daten“ wie „Geschlecht, Postleitzahl, Daten über den Rechner, Hardware, Software, Medien, mobiles Gerät, einschließlich Geräte-IDs, Ereignisdaten und IP-Adresse“ zu erfassen. Zudem erlaubt EA sich und nicht genannten „Partnern“ das „Sammeln, Nutzen, Speichern und Übertragen“ der ausgespähten Informationen – wohin und wofür auch immer. Die Gründe für die Sammelwut lässt EA offen. Für eine Stellungnahme gegenüber den LN war das Unternehmen, das seinen Deutschlandsitz in Köln hat, gestern nicht zu erreichen.
„Das ist der Offenbarungseid für Spieler“, empört sich Robert Walther, Windanlagenelektroniker und Computerspieler aus Eutin. „Was EA da macht, das geht eindeutig zu weit.“ Wie mittlerweile mehr als 2000 andere Spieler aus ganz Deutschland unterstützt auch der 30-Jährige eine Online-Petition des Freiburgers Marc Schmidt, der auf der Seite http://www.theorigin.de
von Sebastian Radtke einen Verkaufsstopp für „Battlefield 3“ in Deutschland fordert.
„Was EA hier macht ist schon vergleichbar mit dem Staatstrojaner“, kritisiert Henry Krasemann, Experte für Online-Spiele beim Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz (ULD) in Kiel. Krasemann sieht einen massiven Verstoß gegen deutsches Datenschutzrecht. Denn schon bei der IP-Adresse könne von „nicht-personenbezogenen Daten“ keine Rede mehr sein. „Die lässt Rückschlüsse auf Einzelpersonen nämlich sehr wohl zu.“ Zwar weist EA am Ende des Lizenzvertrages die Nutzer darauf hin, die Anwendung nicht zu installieren, sollten sie mit der Datensammelei nicht einverstanden sein. Krasemann hält den Vertrag aber trotzdem für rechtswidrig: „Der Käufer sieht den Vertrag schließlich erst, wenn er das Spiel schon im Laden erworben hat, der Kaufvertrag also bereits zustande gekommen ist.“
Zuständig für Electronic Arts in Köln ist der Datenschutzbeauftragte des Landes Nordrhein-Westfalen. Man sei alarmiert, teilte Behördensprecherin Bettina Gayk auf Anfrage mit. „Wir werden Electronic Arts in der kommenden Woche einen umfangreichen Fragenkatalog zusenden und den Sachverhalt klären“, sagt Gayk. Ob es Sanktionen geben werde, gar einen Verkaufsstopp von „Battlefield 3“ lässt Gayk noch offen. „Unser Ziel ist zunächst, eine Verbesserung für die Nutzer zu erreichen.“
Auch die Computerspieler hat EA gegen sich aufgebracht: Beim Internethändler Amazon wurde das Spiel gestern mit über 800-Negativbewertungen abgestraft.
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