„Post an Gewinner aus Glückstadt – das hat doch was!“, sagte Norman Faber, der Präsident des Deutschen Lottoverbandes, gestern in Lübeck. Vor 35 Jahren hatte der Familienunternehmer die Firma Faber-Lotto in Bochum gegründet, Lotto-Spielgemeinschaften sind sein „Lebenswerk“. Nun will er in Glückstadt an der Elbe dem Glücksspiel eine neue Heimat geben, fast schon ein Muss bei diesem Namen. „Ich gehe nach Schleswig-Holstein und möchte damit ein Zeichen setzen für das Lottospiel in Deutschland. Wir werden hier eine Lizenz beantragen und eine Firma gründen“, kündigte der 67-Jährige Faber an. Zunächst sollen etwa fünf Mitarbeiter die Firma aufbauen, in der Folge könne Glückstadt ein „kraftvoller Standort“ werden. Seinen Stammsitz in Bochum mit 370 Mitarbeitern behält er aber.
Der gebürtige Wilhelmshavener Faber liebt die Nordsee und hat bereits öfter seinen Urlaub in Schleswig-Holstein verbracht. Der Grund für seinen Schritt ist aber der Glücksspielstaatsvertrag. Der habe einem „Berufsverbot“ für private Anbieter geglichen und in den vergangenen vier Jahren für einen Umsatzeinbruch von zwölf Milliarden Euro bei den staatlichen Lottogesellschaften gesorgt. Nun wollten 15 Ministerpräsidenten Mitte Dezember einen neuen Vertrag beschließen, der noch immer europarechtswidrig und schlimmer als der alte sei. Der neue Vertrag liberalisiere zaghaft die Sportwetten, knebele aber das harmloseste Glücksspiel, Lotto, unter dem Vorwand der Suchtprävention, erklärte Faber. Dabei habe das Oberverwaltungsgericht Münster eindeutig erklärt, dass Lottospielen nicht süchtig mache. „Nur Schleswig-Holstein hat ein europarechtskonformes Glücksspielgesetz verabschiedet, das auch privaten Lottovermittlern ab Januar 2012 eine faire Tätigkeit erlaubt. Ich hoffe, dass in den anderen 15 Bundesländern auch noch Vernunft einkehrt“, sagte Faber.
Die vor 13 Jahren in Kiel gegründete Firma Jaxx SE (ehemals Fluxx.com) will mit 80 Mitarbeitern, die jetzt in Hamburg-Altona sitzen, zurück nach Schleswig- Holstein. „Wir wollen in den Hamburger Rand und suchen zurzeit nach geeigneten Flächen“, erklärte Vorstandschef Mathias Dahms. Er freue sich, dass Schleswig-Holstein das erste Bundesland sei, das ein fortschrittliches Glücksspielrecht beschließe. „Es gibt hohe Hürden für die Lizenzvergabe, aber dem wollen wir uns gern unterwerfen“, sagte Dahms. Auch Magnus von Zitzewitz, Geschäftsführer von Tipp24, plant nach eigenen Worten eine Firmengründung in Schleswig-Holstein. Sein Unternehmen hatte zuletzt zahlreiche Arbeitsplätze nach England verlagert.
Insgesamt wollten sich 40 Firmen aus der Glücksspiel-Branche in Schleswig-Holstein niederlassen, erklärte der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende im Kieler Landtag, Hans-Jörn Arp. Der größte Teil davon seien Lotto- und Sportwettenanbieter. Arp rechnet mit 2000 Arbeitsplätzen und bis zu 60 Millionen Euro Einnahmen pro Jahr für den Landesetat. „Die entsprechenden Verordnungen sind auf dem Weg. Anfang Januar kann die Lizenzvergabe beginnen“, sagte FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki. Lizenzen würden für die Dauer von sechs Jahren vergeben und könnten nicht rückgängig gemacht werden, zum Beispiel im Falle eines Regierungswechsels nach dem 6. Mai 2012 in Kiel.
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