Es war nicht das erste Mal, dass die Dreifelderhalle Probleme mit starkem Niederschlag bekam. Aber im Juni schüttete es dermaßen, dass die Sporthalle 40 Zentimeter hoch voll Wasser lief. „Diverse umliegende Grundstücke und die öffentliche Straße konnten die Niederschlagsmengen nicht in das Kanalnetz ableiten“, erklärt das städtische Gebäudemanagement. Das öffentliche Sielnetz der Stadt sei zu klein. Die Massen strömten zum niedrigsten Punkt im Gelände – genau dort liegt ein Hallenzugang für Großgeräte. Die Folgen sind drastisch: Der Hallenboden muss ausgetauscht und die Entwässerung der Anlage erneuert werden. Das Gebäudemanagement rechnet mit Kosten von 600 000 Euro. Außerdem soll das Dach der Halle erneuert werden. Und die Prallwände müssen ausgetauscht werden. Fasern der Mineralwolle könnten in den Innenraum gelangen. Messungen haben bereits eine erhöhte Konzentration der Hallenluft festgestellt. Schließlich wurde eine Belastung mit Schimmelsporen registriert.
„Niemand darf die Halle betreten, es wurden sogar Schlösser ausgetauscht“, berichtet Volker Krause, Vorsitzender des TSV Schlutup, BfL-Politiker und Vorsitzender des Schul- und Sportausschusses der Bürgerschaft. Seit Juni und voraussichtlich bis Ende März 2012 sei die Anlage gesperrt, so Krause. Dennis Bunk, Chef des Gebäudemanagements, sprach im jüngsten Bauausschuss sogar von Mitte April. Bitter für den TSV Schlutup, mit 1240 Mitgliedern siebtgrößter Sportverein in der Hansestadt. Vorsitzender Krause: „30 bis 35 Mitglieder sind bereits gegangen, und 20 bis 25 Mitglieder wollen in der Zeit der Sperrung keine Beiträge zahlen.“
Turner, Leichtathleten und Badminton-Spieler sind betroffen. Außerdem fallen alle Hallenturniere für die Fußballjugend ins Wasser. Der Verein weicht in andere Hallen aus – zum Teil bis nach Selmsdorf. Durch Hallenmieten und Fahrtkosten für die Übungsleiter würden Kosten von bis zu 10 000 Euro anfallen, rechnet Krause vor: „Das ist tragisch für uns.“ Die Stadt kann dem Verein nicht helfen, bedauerte Sportsenatorin Annette Borns (SPD) im September im Sportausschuss.
Auch die 600 Schüler der Willy-Brandt-Schule sind betroffen. „Wir können keinen Sportunterricht in der Halle machen“, sagt Schulleiter Georg Schopenhauer. Über Monate hinweg – das habe es bisher noch nicht gegeben. „Früher war mal eine Woche gesperrt“, so der Leiter der Gemeinschaftsschule. Bislang sei das Wetter so gut gewesen, dass die Pennäler draußen Sport treiben konnten. Wenn es kälter wird, bleiben nicht mehr so viele Sportarten. Schopenhauer: „Nordic Walking vielleicht oder joggen.“ Von einem Planungsfehler will er nicht reden. „Aber es ist schon ungünstig, dass die Halle in einer Senke steht.“
Schon mehrfach habe es diese Überschwemmungen gegeben, erinnert sich Vereinschef Volker Krause: „Aus meiner Sicht ist die Halle an der falschen Stelle gebaut worden. Sie hätte nie in diese Senke gesetzt werden dürfen.“ Das sieht die Schlutuper CDU-Vorsitzende Ingrid Schatz genauso. „Dass das nicht funktioniert, sieht man mit bloßem Auge“, erklärt die Bürgerschaftsabgeordnete, „die Bauexperten hätten es damals besser wissen müssen.“
Aus Gestaltungsgründen wurde die umgerechnet 3,2 Millionen Euro teure Halle, deren Bau im November 1991 startete und die im Oktober 1993 eingeweiht wurde, drei Meter tief im Boden versenkt. Den ersten größeren Warnschuss gab es 2002. Starkregen rief einen Rückstau im Kanalnetz hervor, die Halle lief voll. Damals wurden Baumaßnahmen ergriffen, die aber offensichtlich nicht ausreichten. Diesmal soll ein neuer Hallenboden erst eingebaut werden, wenn die Entwässerung gesichert ist. „Die Stadt will den Parkplatz einreißen und riesige Tanks in den Boden setzen“, erläutert BfL-Politiker Krause. Die Monatsbeiträge beim TSV Schlutup sollen trotz der zusätzlichen Kosten nicht steigen. Krause: „Wir werden versuchen, die Ausgaben anders aufzufangen.“
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