Lübeck – Böser Streit zwischen Lübeck und den Nachbarkreisen: Die Hansestadt braucht dringend eine neue Rettungs-Leitstelle, allerdings ist die Stadtkasse leer. Die Pläne von Innensenator Bernd Möller (Grüne), mit dem Umland zu kooperieren und sich die Investitionskosten von 1,6 Millionen Euro zu teilen, sind jetzt allerdings gescheitert.
Leitstellen-Streit: Das Land favorisiert Lübecker Modell
Selbst die Vermittlungsversuche von Kiels Innenminister Klaus Schlie (CDU) helfen nicht. Die Kreise Ostholstein, Stormarn und Herzogtum Lauenburg richten eine eigene gemeinsame Leitstelle ein – und lassen Lübeck außen vor.
Senator Möller steht unter akutem Zugzwang: „Die Technik unserer Leitstelle ist ausfallträchtig, weil sie zum Teil älter als 16 Jahre ist“, räumt er ein. Von der Bearbeitung von Notrufen über die Alarmierung bis zur Begleitung von Großeinsätzen seien sämtliche Bereiche betroffen. Der Technikraum der Leitstelle, von der sämtliche Einsätze der Feuerwehr und des Rettungsdienstes koordiniert werden, genüge nicht mehr den Anforderungen an Brandschutz und Ausfallsicherheit. Möller: „Unser Ziel ist es, in der Hansestadt eine Leitstelle einzurichten, von der aus auch die Einsätze in den Nachbarkreisen gesteuert werden.“
Lübeck hat allerdings die Rechnung ohne das Umland gemacht. „Die Hansestadt ist kein attraktiver Verhandlungspartner“, so Stormarns Landrat Klaus Plöger (SPD). Seit 2006 gebe es eine gemeinsame Leitstelle für seinen Kreis und das Herzogtum Lauenburg in Bad Oldesloe. „Warum sollten wir unser erfolgreiches Einsatzzentrum schließen und nach Lübeck umziehen, nur weil sich Senator Möller dies wünscht, um Kosten zu sparen?“, so Plöger. Die Not der Hansestadt könne er nachvollziehen: „Wenn man die mittelalterliche Technik in der Leitstelle sieht, kann man nur hoffen, dass alle Knöpfe auch tatsächlich funktionieren, wenn man sie drückt. Aber das ist nicht unser Problem.“
Bis zuletzt hatte Lübeck zumindest noch mit Ostholstein über einen Zusammenschluss diskutiert. Nun winken allerdings auch die Verantwortlichen im Eutiner Kreishaus ab. 2012 will Ostholstein seine Leitstelle aufgeben und nach Bad Oldesloe umziehen. „Das ist mit Umbaukosten von 100 000 Euro deutlich billiger als ein Neubau in Lübeck“, argumentiert Fachbereichsleiter Reimer Lucht.
Innensenator Möller fühlt sich vom Umland im Stich gelassen. „Im Gespräch mit den Landräten habe ich um Verständnis für die missliche Lage Lübecks und um einen letzten Einigungsversuch gebeten – vergeblich“, so Möller. Auch Vermittlungsversuche des Innenministers scheiterten. Kritik kommt aus der Bürgerschaft: „Ich glaubte, die Zeit der Kleinstaaterei wäre vorbei“, sagt Ingo Hoffmann (SPD).
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