Starker Rückhalt sieht anders aus: Die Reaktionen auf das neue Uniklinik-Modell fallen recht unterschiedlich aus. Während die Rathauschefs und die IHK’s von Lübeck und Kiel den gemeinsamen Vorstoß der beiden Universitäten begrüßen, reagiert die CDU abwartend. SPD, Grüne und Linke stehen dem neuen Modell kritisch gegenüber – wie auch der UKSH-Vorstand selbst.
Zum ersten Mal in der Geschichte der rivalisierenden Unis Lübeck und Kiel machen sie gemeinsame Sache und wollen dem UKSH eine neue Struktur verpassen (siehe rechts). Die Unis fordern ein Holding-Modell – mit mehr Einfluss der Wissenschaftler. „Wir müssen sehen, dass die Forschung nicht völlig vom Zug fällt“, erklärt Stefan Schreiber, Dekan der Medizinischen Fakultät der Uni Kiel. Für Uni-Präsident Gerhard Fouquet (Kiel) ist das Modell die „konsequente Umsetzung des Gutachtens des Wissenschaftsrates“. Sein Lübecker Pendant Peter Dominiak ist überzeugt, dass sich in der neuen Struktur „Wissenschaft besser organisieren lässt“. Lübecks Uni- Kanzler Oliver Grundei: „Unser Modell darf nicht mehr kosten und es wird auch nicht mehr kosten.“
Positiv reagiert Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe (SPD): „Ich freue mich, dass Bewegung in die erstarrte Szene kommt.“ Das neue Modell müsse ernsthaft geprüft werden. „Das gemeinsame Konzept ist ein starkes Signal an die Politik und den Wissenschaftsrat“, begrüßt Kiels Oberbürgermeister Torsten Albig den Vorstoß. Er ist gleichzeitig SPD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl am 6. Mai.
Damit fällt Albigs Bewertung wesentlich positiver aus als die der Landes-SPD. „Eine Defusionierung kommt für uns nicht in Frage!“, erklärte Lübecks Landtagsabgeordneter Wolfgang Baasch. „Was für Lübeck und Kiel gut ist, muss noch lange nicht für das Land gut sein“, sagt SPD-Landtagsfraktionsvize Jürgen Weber aus Kiel. Für ihn erschließe sich nicht, „ob das Modell die wirtschaftliche Stärkung des UKSH im Blick behält“. Kritik kommt auch von den Grünen. Als „Defusion light“ bezeichnet der Landtagsabgeordnete Andreas Tietze das Konzept der Unis. Auch er stellt die Wirtschaftlichkeit des Modells in Frage. „Am Ende muss die schwarze Null stehen.“ Die Lübecker Landtagsfraktionschefin Antje Jansen (Linke) winkt ab: „Strukturveränderungen lösen die Probleme des UKSH nicht.“
Am Wohlwollendsten gibt sich die CDU. Der Vorschlag der Unis zeige „in der Tendenz das geeignete Muster, die Empfehlungen des Wissenschaftsrates abzuarbeiten“, erklärt Wissenschaftsminister Jost de Jager. Dabei müsse aber sichergestellt sein, dass das künftige Konzept die weitere wirtschaftliche Sanierung des Klinikums gewährleiste. Außerdem drängt er auf die Verwirklichung des Miet-Modells.
Im Februar soll das Konzept der Unis der Projektgruppe „Hochschulmedizin 2020“ mit Vertretern des Ministeriums, der Unis und des UKSH, besprochen werden. Auch Daniel Günther, hochschulpolitischer Sprecher der CDU im Landtag, geht davon aus, dass der Vorschlag der Unis, „zu einer Stärkung der Medizin in Schleswig- Holstein“ führen könne. Anerkennung für die Pläne kommt von den IHK’s in Kiel und Lübeck. Präses Christoph Andreas Leicht ist froh, weil damit „die wirtschaftlichen Vorteile bestehen bleiben und die wissenschaftliche Ausrichtung der Unis stärker zum Tragen kommt“.
Süffisant reagiert der UKSH-Vorstand. „Wir freuen uns, dass sich die Unis so rechtzeitig an der Diskussion beteiligen“, erklärt Chef Jens Scholz. Bekannt ist aber, dass er das Holding-Modell ablehnt. Er hatte den Wissenschaftsrat für diese Empfehlung stark kritisiert.
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