Dauercampen in Schleswig-Holstein wird teurer. Denn erste Gemeinden verlangen jetzt eine Stellplatzsteuer. Vorreiter an der Lübecker Bucht ist Scharbeutz.
Bereits seit 1. Januar müssen Dauercamper in Scharbeutz tiefer in die Tasche greifen. Sie sollen dafür zahlen, dass sie sich einen festen Platz für ihre Wohnwagen leisten können. Die Gemeinde verlangt zwölf Prozent der Jahresstandplatzmiete, das sind in der Regel zwischen 90 und 170 Euro je Jahr. „In Anbetracht der sich für 2012 abzeichnenden schwierigen Finanzlage ist die Gemeinde gehalten, sämtliche Einnahmemöglichkeiten auszuschöpfen“, argumentiert Bürgermeister Volker Owerien (parteilos).
Mit der Satzung soll nicht nur die Einnahmesituation der Gemeinde verbessert werden. Auch die Gleichbehandlung mit Zweitwohnungsbesitzern wird hergestellt. Scharbeutz mit seinen 800 Dauerstellplätzen rechnet mit zusätzlichen Einnahmen zwischen 80 000 und 100 000 Euro pro Jahr. Auch in Schönberg, Stakendorf und Wendtorf (Kreis Plön) wird bereits die Stellplatzsteuer erhoben. In Wendtorf an der Kieler Förde werden lediglich 10 Prozent der Jahresrohmiete verlangt.
Wie viele Gemeinden in Schleswig-Holstein inzwischen eine Stellplatzsteuer verlangen, ist unklar. „Die Tendenz ist sicher steigend“, meint Jochen Nielsen vom Schleswig-Holsteinischen Gemeindetag. Vor dem Hintergrund der angespannten Haushaltslage kämen solche Gedanken vermehrt auf. Tatsächlich wird auch auf Fehmarn bereits über die neue Abgabe für Dauercamper nachgedacht. „Wir überlegen das“, sagt Kämmerer Mario Markmann. Die Steuer könne zusätzliche Einnahmen bringen.
Kritik kommt von Gert Petzold, dem Landesvorsitzenden des Verbandes der Campingplatzunternehmer. Er spricht von einem „falschen Signal“. Die Steuer sei abschreckend für die Gäste. „Sie werden nun Ausschau halten, wo die Steuer nicht verlangt wird und abwandern“, prophezeit Petzold. Camper seien schließlich mobil. Bei den Nachbarn in Mecklenburg-Vorpommern, aber auch in Dänemark sowie weiten Teilen Niedersachsens werde keine Extra- Steuer verlangt. „Mit jeder Maßnahme, die im Tourismus von staatlicher Seite eingeführt wird, geraten wir in Nachteil gegenüber unseren Mitbewerbern.“ Petzold ärgert besonders, dass das Geld verwendet wird, um defizitäre Haushalte auszugleichen. „Das Verständnis wäre größer, wenn die Einnahmen in die touristische Infrastruktur fließen würden.“
Im Kieler Wirtschaftsministerium, dessen Tourismusstrategie eher auf Besserverdienende und Familien setzt, hält man sich zurück. „Wir haben uns auf die Fahnen geschrieben, den Bereich Touristcamping zu stärken, weil dieser eine im Vergleich zum Dauercamping eine höhere Wertschöpfung bringt“, sagt Ministeriumssprecher Harald Haase. Noch sind aber zwei Drittel der Gäste auf den Plätzen an Nord- und Ostsee Dauercamper.
Kommentare powered by Disqus. Unsere Nutzungsbedingungen.






