Es ist nicht wirklich klar, ob man ihm das vorher erzählt hat. Vielleicht hat man ihm gesagt: „Das ist so ähnlich wie im Club-Urlaub, paar Spiele und so. Ihr seid draußen an der frischen Luft, bisschen schwimmen und Feuer machen, wird bestimmt lustig. Eike Immel war auch schon da.“ Und jetzt sitzt Ailton da unterm Grüngewächs, schaut sich die schönsten Nervenzusammenbrüche seiner Mithäftlinge an und fragt sich, wer wohl dieser Eike Immel ist und ob er ihn erst vierteilen und dann klein schneiden soll oder umgekehrt, wenn dieser Quatsch hier vorbei sein sollte.
Fußballer wie Ailton stehen nicht auf den Listen für den Physik-Nobelpreis. Sie haben keinen guten Ruf in bildungsnahen Kreisen. Fußballer wie Ailton, denkt man, können ziemlich schnell geradeaus laufen und bis zu 28 Tore in einer Saison schießen. Aber sonst?
Aber sonst braucht man auch nicht viel, um ein paar Millionen zu verdienen. Fußballer wie Ailton könnten sich eigentlich zur Ruhe setzen nach ein paar Jahren Bundesliga. Aber Fußballer wie Ailton haben eben auch einen Hang zum manischen Geldvernichten. Sie hätten ihm bei Werder Bremen das Gehalt jeden Monat auch bar in einer großen Blechtonne vors Haus stellen und anzünden können, der Effekt wäre der gleiche gewesen.
Vielleicht hat das mit der Arbeitsplatzbeschreibung zu tun. Vielleicht muss man mit jedem Tor mehr die Gage noch schneller verjubeln, ein furchtbarer Kreislauf, man weiß das nicht. Vielleicht hat er auch gedacht, das wären keine D-Mark oder Euros, sondern Lire. Aber wenn Stieg Larsson einen vierten Krimi geschrieben und ihn „Verschwendung“ genannt hätte, hätte Ailton darin wohl eine tragende Rolle spielen können.
Jetzt sitzt er irgendwo im australischen Busch und spielt eine tragende Rolle in einem Stück, das „Verwesung“ heißen könnte. Und vielleicht sind die Ekelshow-Macher schon auf der Suche nach dem nächsten Fußballer. Und man kann nur hoffen, dass die Leute, die jüngst nach Lothar Matthäus gefahndet haben, wirklich Gerichtsvollzieher waren.
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